Köln: Pfusch beim U-Bahn-Bau bestätigt

Köln - Die Kölner Staatsanwaltschaft hat bestätigt, dass sie wegen Pfuschs beim U-Bahn-Bau ermittelt. Bauarbeiter sollen Eisenbügel gestohlen haben, die für Stützmauern vorgesehen waren.

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Knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat die Staatsanwaltschaft Pfusch beim Bau der U-Bahn aufgedeckt. Die gestohlenen Eisenstangen waren für die Stützmauern in U-Bahn-Schächten vorgesehen waren. Dies sei aber nicht die Ursache des Unglücks, betonte Oberstaatsanwalt Günther Feld am Dienstag. “Die fehlenden Stahlstücke können nicht zum Einsturz des Stadtarchivs geführt haben, denn der Schadensbereich liegt etwa zehn Meter unter dem Einbaubereich der Stahlstücke.“ Über den Pfusch hatte als erstes der “Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Bei dem Einsturz waren zwei junge Anwohner ums Leben gekommen. Es entstand ein Schaden von mindestens einer halben Milliarde Euro. Das Stadtarchiv galt als eines der bedeutendsten Europas. Es stand direkt an der U-Bahn-Baustelle.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen zwei verantwortliche Mitarbeiter der am U-Bahn-Bau beteiligten Bauunternehmen eingeleitet. Der Vorwurf: Unterschlagung und Betrug. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass auf Weisung des Poliers - des Baustellenleiters - nicht die vorgebene Zahl von Stangen eingebaut worden sei. Die eingesparten Eisenbügel sollen die Mitarbeiter an Schrotthändler verkauft haben.

Dies gelte außer für die Baustelle am Unglücksort auch noch für andere Baugruben. Die Anwohner müssten sich aber keine Sorgen machen: “Die Standsicherheit ist überall geprüft und überall gewährleistet“, versicherte Feld. In seiner Online-Ausgabe berichtete der “Kölner Stadt-Anzeiger“ am Dienstag, dass derselbe Polier auch an U-Bahn- Arbeiten in Düsseldorf beteiligt sei.

Nach Informationen des “Kölner Stadt-Anzeiger“ hat einer der Arbeiter ein Geständnis abgelegt. In eine Außenwand, die das U-Bahn- Bauwerk sichern sollte, seien mindestens ein Drittel weniger Eisenbügel als angegeben eingeflochten worden. Das Protokoll für den betreffenden Bauabschnitt soll dementsprechend gefälscht worden sein. “Wenn tatsächlich ein Drittel der Bügel fehlen würde, das wäre schon heftig“, sagte der Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW, Heinrich Bökamp, der dpa. Zum Wert der Eisenstangen konnte er nichts sagen: “Aber die werden schon einiges Geld dafür bekommen haben, so dass das ein lukratives Geschäft gewesen sein dürfte.“

Bereits im vergangenen Monat hatte die Staatsanwaltschaft einen Betrugsverdacht bei der Abrechnung von Arbeiten beim Bau der U-Bahn bestätigt. Möglicherweise seien auch technische Aufzeichnungen manipuliert worden. Im Rahmen dieser Ermittlungen wurde die Staatsanwaltschaft nun auf den Diebstahl der Eisenstangen aufmerksam.

Was nun wirklich Ursache des Einsturzes war, weiß die Staatsanwaltschaft bisher nicht. Drei Gutachter untersuchen den Fall zusammen mit weiteren Wissenschaftlern. “Es gibt zurzeit viele Spekulationen, aber keinerlei belastbare Erkenntnisse“, sagte Feld. “Die können wir auch nicht haben, weil die Schadensstelle noch gar nicht zugänglich ist.“ Sie befindet sich tief in der unter Wasser stehenden Baugrube. Es werde noch Monate dauern, bis diese Stelle für die Ermittler erreichbar sei, sagte Feld. Zunächst muss dafür ein viereckiger Kasten in den Trichter gebaut werden. Diese 16 mal 22 Meter große Schutzvorrichtung soll ein Abrutschen der Böschung verhindern.

Immer wieder ist darüber berichtet worden, dass eine löchrige Schlitzwand das Archiv zum Einsturz gebracht haben könnte. Grubenwasser in der U-Bahn-Baustelle unter dem Archiv könnte dieser Theorie zufolge durch die Löcher geströmt sein und das Erdreich unter dem Archiv weggespült haben.

dpa

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