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Corona zeigt Wirkung: Kriminalität geht in NRW massiv zurück

Ein Einbrecher macht sich mit einem Brecheisen an einer Tür zu schaffen.
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Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zeigen Wirkung: Die Kriminalität in NRW ist im Vergleich zum Vorjahr massiv zurückgegangen. 
  • Kathrin Bastert
    vonKathrin Bastert
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Die Kriminalität in NRW ist im Vergleich zum Vorjahr massiv zurückgegangen. Der Grund: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Der Rückgang gilt nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul für fast alle Arten von Delikten.

  • Der Lockdown wegen des Coronavirus* hat positive Auswirkungen auf die Entwicklung der Kriminalität in Nordrhein-Westfalen.
  • Die Zahl fast aller Arten von Delikten ist zwischen März und Juni zurückgegangen.
  • Mit einer Sache hatte die NRW-Polizei allerdings mehr zu tun als je zuvor.

NRW - „Wenn das öffentliche Leben zurückgefahren wird, passiert auch weniger“: Das NRW-Innenministerium hat kurz nach Ende des ersten Halbjahres 2020 eine Corona-Zwischenbilanz zur Kriminalitätsentwicklung in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Im Fokus: Die Zahl der Delikte während der Pandemie und die Entwicklung der polizeilichen Einsätze im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Fläche34.110,26 km²
Einwohner17.947.221 (Stand: Dezember 2019)

Kriminalität in NRW während Corona-Lockdown: 23 Prozent weniger Vergehen

Die Kriminalität in NRW ist um 23 Prozent im Vergleich zu den Werten des Vorjahres gesunken. Zwischen Anfang März und Ende Juni gingen laut einer Mitteilung des Innenministerium 365.676 Strafanzeigen ein. Das sind 107.954 Anzeigen weniger als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres - ein Rückgang um 23 Prozent. „Auch wenn es nur vorläufige Zahlen sind, können wir schon erste Trends erkennen“, wird Minister Reul zitiert.

Wenn das öffentliche Leben zurückgefahren wird, passiert auch weniger.“

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Die Entwicklung der Kriminalitätszahlen für Nordrhein-Westfalen im Einzelnen:

  • Wohnungseinbrüche: 5.290 Fälle (März bis Juni 2019: 7.561), -30 Prozent
  • Raubüberfälle: 2.821 Fälle (3.819), -26 Prozent
  • Taschendiebstähle: 6.511 Fälle (10.638), -39 Prozent
  • Senioren-Betrug (Enkeltrick etc.): 12.104 Fälle (13.550), -11 Prozent

Kriminalität in NRW während Corona: Statistisch auch weniger häusliche Gewalt

Auch die Fälle häuslicher Gewalt in NRW sind gesunken, laut der vorläufigen Statistik ebenfalls deutlich um 21 Prozent auf 10.479 (13.230). Allerdings warnt Innenminister Herbert Reul: „Gerade bei häuslicher Gewalt müssen wir mit unseren Einschätzungen sehr vorsichtig sein und die Entwicklung genau beobachten.“ Die Vermutung, dass es zu mehr häuslicher Gewalt komme, wenn die Menschen über einen längeren Zeitraum auf engem Raum zusammen sind, liege nahe. Doch ließen die Zahlen diesen Schluss bislang nicht zu. „Klar ist: Die NRW-Polizei geht jedem Hinweis konsequent nach." Das berichtet wa.de*.

Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen haben vor einem Anstieg der Zahlen gewarnt und darauf hingewiesen, dass während des Lockdowns auch potenzielle Melder von Gewalt im häuslichen Umfeld fehlten. Eine Studie der Technischen Universität München hat die Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen mit Fällen häuslicher Gewalt untersucht.

Veränderungen verzeichnet die nordhrein-westfälische Polizei bei Betrügereinen und Trickdiebstählen. Vor allem zu Beginn der Corona-Krise habe es einige Fälle gegeben, bei denen sich Betrüger als angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgaben und Corona-Tests verkaufen wollten. Reul bezeichnete die Masche als „Enkeltrick im weißen Kittel".

Verstöße gegen Corona-Schutzverordnung in NRW: Über 50.000 Personen festgestellt

Ein Bereich der Polizeiarbeit hat den Beamten in Nordrhein-Westfalen coronabedingt viel Arbeit gemacht: Die Ahndung von Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung in NRW. Vor allem um die Osterfeiertage und zuletzt - nach Ende des Lockdowns - in einigen NRW-Städten wurden im Zeitraum 25. März bis Ende Juni tausende Verstöße und mehr als 50.000 Personen festgestellt. 36.837 Erwachsene, 11.404 Jugendliche und 2.346 Kinder bekamen es wegen Missachtung der Regeln mit der Behörde zu tun. Corona ist noch nicht vorbei. „Es gibt so viele schöne Ecken in Nordrhein-Westfalen, da müssen sich nicht alle in der Altstadt treffen“, mahnt Reul.

Positiv vermerkt der Innenminister das Verhalten der Fußballfans während der Geisterspiele in der Bundesliga, die ohne größere Zwischenfälle verliefen. „Gesundheitsschutz und Fußballbegeisterung lassen sich sehr wohl miteinander verbinden", bilanziert der Minister.

Kriminalität während des Corona-Lockdowns: Proteste gegen Schutzverordnung

Reul geht in der Zwischenbilanz zur Entwicklung der Kriminalitätszahlen während der Corona-Pandemie auch auf die Demonstrationen gegen die Corona-Schutzverordnung ein. Gleich zu Beginn der Pandemie habe es Proteste gegen das Kontaktverbot gegeben. Im Mai hätten dann „Selbstdarsteller, Verschwörungsideologen und Extremisten die Unsicherheiten ausgenutzt und teilweise sogar zu Straftaten aufgerufen.“

850 Versammlungen zählte das Innenministerium im Zeitraum März bis Juni, fast ausschließlich sei es dabei um die Einschränkungen durch die Corona-Schutzverordnung gegangen. Zuletzt hatten solche Demonstrationen in NRW im Kreis Gütersloh stattgefunden, wo wegen des Massenausbruchs im Schlachtbetrieb Tönnies erneut schärfere Kontaktbeschränkungen gegolten hatten. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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