Kritik: Zu harte Strafen gegen junge Arbeitslose

Nürnberg - Die strengen Sanktionen für junge Hartz-IV-Empfänger werden von vielen Job-Vermittlern scharf kritisiert. Durch zu harte Strafen werde Jugend-Kriminalität noch verstärkt.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kritisieren die Arbeitsvermittler, dass das harte Vorgehen gegen Hartz-IV-Empfänger unter 25 Jahren, denen die Regelleistungen bei Verstößen sofort vollständig gestrichen werden, sogar den Anstieg der Kleinkriminalität und der Verschuldung der Betroffenen fördere.

50 Fakten über Hartz IV

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Laut IAB sieht das Sozialgesetzbuch II vor, die Unterstützung für Arbeitslosengeld-II-Empfänger unter 25 Jahren für drei Monate vollständig zu streichen, wenn sich diese weigern, eine zumutbare Arbeit oder einen Ein-Euro-Job anzunehmen. Für diese Zeit können die Betroffenen zwar Lebensmittelgutscheine beantragen, haben aber keinen Anspruch darauf. Bei einem erneuten Verstoß werden ihnen auch die Kosten für Wohnung und Heizung nicht mehr erstattet. Die IAB-Studie, für die Vermittler und Fallmanager interviewt wurden, ergab, dass die meisten von diesen auch bei den jungen Hartz-IV-Empfängern für eine stufenweise Kürzung plädieren, wie sie bei älteren Arbeitslosen vorgesehen ist. Sonst bleibe nicht einmal das Existenzminimum.

Die scharfen Sanktionen förderten den Anstieg der Kleinkriminalität und der Verschuldung der Betroffenen, kritisierten die Jobvermittler. Würden junge Arbeitslose zu stark bestraft, tauchten sie auch häufig unter. Der Kontakt der Arbeitsvermittler zu ihnen breche dann vorübergehend oder auch längerfristig ab. Einige der befragten Arbeitsvermittler stellten auch infrage, dass es sinnvoll sei, junge Menschen in den nächstbesten Job zu drängen, statt auf nachhaltige Integration und Qualifizierung zu setzen. 

Junge Arbeitslose werden besonders häufig bestraft

Arbeitssuchende unter 25 Jahren werden tatsächlich nicht nur besonders scharf, sondern auch vergleichsweise häufig sanktioniert - laut IAB mit zehn Prozent rund dreimal so oft wie die 25- bis 64-Jährigen. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Vermittler sich hier um weniger Fälle kümmern müssten und daher höhere Anforderungen stellten, die öfter nicht erfüllt würden. Zudem stünden junge Arbeitslose am Beginn ihres Erwerbslebens und würden - wie vom Gesetzgeber gewollt - auch aus pädagogischen Gründen sanktioniert. Für die aktuelle Studie befragten die IAB-Forscher 2008 und Anfang 2009 insgesamt 26 Arbeitsvermittler und Fallmanager in den Jobcentern und Optionskommunen. Die Umfrage sei daher nicht im statistischen Sinne repräsentativ, liefere aber durch die Länge und den Umfang der Befragung einen differenzierteren Einblick in das Sanktionsgeschehen, betonen die Autoren. Allein bei der Bundesagentur für Arbeit sind rund 18.500 Jobvermittler für Hartz-IV-Empfänger zuständig.

dapd

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