Lebenslange Haft für "Ehrenmord"

+
Der angeklagte Vater im sogenannten Ehrenmord-Prozess, Yusuf S., wird am Dienstag in den Saal des Landgerichts Kleve geführt.

Kleve - Für die “Familienehre“ haben sie die junge Kurdin Gülsüm S. mit Knüppeln und Ästen grausam zu Tode geprügelt, nun müssen der Vater, der Bruder sowie ein Helfer für viele Jahre ins Gefängnis.

Wegen Mordes verurteilte das Landgericht Kleve den Vater am Dienstag zu lebenslanger Haft und den 20-jährigen Drillingsbruder des Opfers zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe. Ein Bekannter der Familie aus Rees am Niederrhein muss wegen Beihilfe für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Bruder hatte nach Überzeugung der Strafkammer die Tat im Frühjahr mit dem Vater geplant und dann begleitet von seinem aserbaidschanischen Bekannten die 20-Jährige erschlagen. Der Täter hatte das Gesicht des Opfers bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert. Laut Urteilsbegründung musste Gülsüm S. sterben, weil ihre westliche Lebensweise der Familie missfiel. Das Opfer war nach einer Zwangsverheiratung in der Türkei im vergangenen Jahr nach Deutschland zurückgekehrt und führte hier eine Beziehung mit einem anderen Mann. Anfang 2009 habe sie heimlich eine Abtreibung in den Niederlanden vornehmen lassen, hieß es. Aus Angst, es könne bekanntwerden, dass sie nicht mehr Jungfrau sei, hätten Vater und Sohn beschlossen, sie zu ermorden.

Unter Vorwand ins Auto gelockt

Am Abend des 2. März lockte der Bruder laut Urteil seine Schwester unter dem Vorwand in sein Auto, er habe ihr verschwundenes Fahrrad gefunden. Gemeinsam seien sie zu einem abgelegenen Feldweg gefahren. Unterwegs stieg der 37-jährige Aserbaidschaner zu. Als die 20-Jährige an dem Feldweg mit einer Taschenlampe nach dem Fahrrad suchte, überwältigte ihr Drillingsbruder sie laut Gericht von hinten und würgte sie mit einem Seil bis zur Bewusstlosigkeit. Anschließend schlug er mit Knüppeln und Ästen gezielt auf den Schädel seiner Schwester ein und stach dabei mehrere Male ins Gesicht. Die junge Kurdin starb an ihren massiven Verletzungen. Das Gericht wertete den Mord als “extrem grausame Tat“. Es sei nicht nur ums Töten gegangen. Ganz bewusst habe der Bruder das hübsche Gesicht zerstören wollen. Ein Gutachter hatte während des Verfahrens erklärt, ähnliche Verletzungen habe er nur bei Menschen gesehen, die von einem Zug überfahren wurden.

Angeklagte hüllten sich in Schweigen

Spaziergänger hatten die entstellte und mit Laub bedeckte Leiche der Frau einen Tag nach der Tat entdeckt und die Polizei alarmiert. Spuren am Tatort lenkten den Verdacht schnell auf die Familie der Getöteten. Der 49-jährige Vater lebt seit 15 Jahren in Deutschland und hat aus zwei Ehen insgesamt elf Kinder. Sie seien alle nach den traditionellen Regeln der Kurden und des Korans erzogen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Weil die 20-jährige Tochter rebellierte, sei es bereits häufiger zu Streitigkeiten mit dem Vater gekommen. Mit dem Urteil blieb das Gericht nur geringfügig unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Für den Bruder hatte diese die höchste Jugendstrafe von zehn Jahren gefordert, für den Helfer acht Jahre Gefängnis. Die Verteidigung hatte dagegen für den Vater und den Helfer Freispruch aus “Mangel an Beweisen“ und für Bruder eine angemessene Jugendstrafe gefordert. Das Gericht stützte den Schuldspruch auf Indizien und auf das Geständnis des Bruders. Der 20-Jährige hatte bei der polizeilichen Vernehmung die Tat eingeräumt und angegeben, es sei um die “Familienehre“ gegangen. Während des Prozesses hüllten sich alle drei Angeklagten in Schweigen und wiesen eine Tatbeteiligung zurück.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare