Sauberkeit

Limburg stellt kuriose Automaten auf: Ist das die Lösung gegen eklige Kaugummis?

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Kaugummi-Entsorgung leichtgemacht: Einfach den ausgekauten Kaugummi auf eines der Bilder drücken. Zwölf dieser Gum-Walls wie hier auf dem Bahnhofsplatz sind in der Limburger Innenstadt aufgestellt worden.

In Limburg in Hessen gibt es immer wieder Ärger wegen Kaugummis auf den Straßen. Kuriose Automaten sollen nun helfen, die Stadt sauberer zu machen.

Limburg - Spätestens seit die Innenstadt in Limburg neu gepflastert worden ist, ist es ein ständiges Thema: hässliche Kaugummiflecken auf dem optisch empfindlichen Pflaster. Die Stadt gibt viel Geld für deren Entfernung aus. Nun setzt sie auf eine neue Strategie, um die Verursacher zu bewegen, sich vernünftig zu verhalten.

Die roten Kästen in der Limburger Innenstadt erinnern an einen Kaugummiautomaten. Sie sollen aber keine Kaugummis spenden, sondern empfangen. In den Kästen sind bunte Papiere mit auffälligen Smileys eingespannt. "Kaugummi bitte auf die Bildchen drücken", steht als Aufforderung darunter. Damit das Kaugummi nicht auf dem Boden landet und für viel Geld entfernt werden muss.

Wer sein Kaugummi entsorgen möchte, klebt es also auf das eingespannte Papier. Am Bahnhofsplatz bleiben Passanten stehen und betrachten die Wände. "Das ist ja lustig", sagt eine junge Frau. Ein älterer Mann fragt sich aber: "Ob das wirklich angenommen wird?"

Limburg Hessen: Kästen für Kaugummi

Zwölf dieser sogenannten Gum-Walls (frei übersetzt bedeutet das Kaugummi-Wand) haben die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs in der Innenstadt aufgehängt - am Neumarkt, in der Grabenstraße, in der Werner-Senger-Straße, am Europaplatz, am Bahnhofsplatz und vor der Marienschule. Für drei weitere Wände werden noch Plätze gesucht, wie die Stadtverwaltung mitteilt. Rund 7000 Euro hat die Stadt für die 15 Gum-Walls investiert.

Hässliche schwarze Flecken verursachen ausgespuckte Kaugummis immer wieder auf dem Pflaster in der Limburger Innenstadt.

 

Derzeit beauftragt der Bauhof etwa einmal im Monat eine Reinigungsfirma mit der Kaugummibeseitigung in der Fußgängerzone. Die Kosten dafür liegen bei rund 2000 Euro monatlich. Aufwendig müssen die schwarzen Kaugummiflecken entfernt werden. "Die Papiere auf den Gum-Walls können nun ganz einfach von der Stadtreinigung abgezogen und entsorgt werden", sagt Menier. 

Limburg Hessen: Weniger Kaugummi auf dem Boden

Die Herstellerfirma gibt an, dass durch die Gum-Walls 40 bis 60 Prozent weniger Kaugummi auf dem Boden landen. Diese Werte seien Erfahrungswerte anderer Städte. Die Verwaltung ist davon überzeugt, dass die Neuerung nicht nur eine Aufwertung für das Stadtbild bedeutet, sondern auch eine Kostenersparnis für die Stadtreinigung.

"Wir haben uns erstmal für die gängigen Laufwege entschieden und beobachten, wo es gut angenommen wird und wo es noch Bedarf gibt", sagt der Abteilungsleiter des Bauhofs Michael Menier. Er brachte die Idee der Gum-Walls nach Limburg. Bei einem Besuch in Essen ist er darauf aufmerksam geworden und hat Kontakt mit der Herstellerfirma aufgenommen.

Limburg Hessen: Kaugummi auf Smiley kleben

Übrigens muss nicht jeder sein Kaugummi auf einen Smiley kleben. Unter der Wand befindet sich eine Auffangschale, in die das Kaugummi auch hineingeworfen werden kann. Der Vorteil zum herkömmlichen Mülleimer ist dabei die Höhe. Die Gum-Walls hängen etwas höher, so dass man im vorbeigehen besser zielen kann. Denn auch das ist ein Problem in Limburg: Vielfach liegen die Kaugummis vor den Mülleimern, oder neben Gullideckeln - wohl, weil das Zielen schwerfällt oder zu viel Zeit kostet.

Auch in anderen Kommunen sind Kaugummiflecken ein Thema, gleichwohl ein kleineres als in Limburg und auch nicht überall. Zigarettenkippen, Hundehaufen und Kaugummiflecken: In dieser Reihenfolge benennt der stellvertretende Bauamtsleiter von Weilburg, Roger Schmidt, die größten Herausforderungen der Residenzstadt in Sachen Sauberkeit.

Lästige Kaugummiflecken auf dem Pflaster gebe es zwar auch in Weilburg, aber das noch größere Problem sei die Entfernung von Zigarettenkippen in der Weilburger Altstadt, sagt Schmidt. Die Reinigungsfahrzeuge würden mit den Kippen auch den Sand aus den Fugen der Pflastersteine herausholen, was nicht gewollt sei. "Wir haben für dieses Problem noch keine richtige Lösung gefunden."

Limburg Hessen: Kaugummi und Hundekot

Auch die Entfernung von Hundehaufen sei ein Problem. Die Stadt hänge derzeit Beutelspender aus, um Hundehalter zu animieren, diese zu benutzen und die Hinterlassenschaften ihrer Tiere zu entfernen. Außerdem habe die Stadt entschieden, einen zusätzlichen Mitarbeiter einzustellen, der vom 1. Oktober an durch die Weilburger Altstadt geht, volle Mülleimer leert und auch Hundehaufen entfernt.

Über die von den Besitzern nicht entfernten Hundehaufen ärgert sich auch die Stadt Bad Camberg. "Aber mit Kaugummiflecken haben wir zum Glück kein Problem", sagt Bürgermeister Jens-Peter Vogel (parteilos). Auch der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) sieht in Kaugummiflecken kein großes Problem in seiner Kommune, weil es weder eine Fußgängerzone gebe noch so viele Schüler wie in Limburg. 

Limburg Hessen: Müll ist das größte Problem

"Deshalb ergreifen wir auch keine besonderen Maßnahmen", sagt Kaiser. "Viel schlimmer ist insgesamt die Vermüllung, vor allem dort, wo sich viele, meist junge Menschen treffen und leider ihren Müll nicht entsorgen. Dann liegen da Pizzakartons herum, Plastikreste und Flaschen. Das ärgert uns sehr."

Von den Beutelspendern für Hundebesitzer hält Kaiser übrigens nichts - auch wenn über dieses Thema in der Gemeindevertretung schon heiß diskutiert worden sei. Es sei jedem Hundebesitzer zuzumuten, sich diese Plastikbeutel selbst zu besorgen. Viel effektiver sei es, mehr Abfallbehälter aufzuhängen, was in Elz auch geschehen sei, damit Hundebesitzer die Beutel schnell loswerden können. 

red/dick

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