Marcos Anwälte hoffen auf Freispruch

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Marco Weiss schrieb über seine U-Haft im türkischen Knast ein Buch.

Uelzen/Antalya - Zwei Jahre musste Marco Weiss warten, am Mittwoch soll voraussichtlich das Urteil im Prozess um den angeblichen Missbrauch einer Engländerin in der Türkei fallen.

Marcos Anwälte hoffen auf einen Freispruch.

Der langwierige Missbrauchsprozess in der Türkei gegen den Deutschen Marco Weiss steht nun vor dem Abschluss: Zwei Jahre nach der Eröffnung des Verfahrens vor dem Schwurgericht in Antalya soll am Mittwoch (14.00 Uhr MESZ) die Verteidigung des mittlerweile 19-jährigen Fachoberschülers plädieren. Das Gericht will nach Angaben der Anwälte anschließend sein Urteil fällen. “Wir werden auf Grundlage der vorliegenden Beweise einen Freispruch beantragen“, betonte Verteidiger Ahmet Ersoy am Montag in Antalya.

Die türkische Staatsanwaltschaft hat Anfang Juni beantragt, den Angeklagten wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs schuldig zu sprechen. Ein konkretes Strafmaß nannte sie nicht. Der Schüler aus Uelzen in Niedersachsen hatte am 11. April 2007 im Osterurlaub mit seinen Eltern in Side die junge Engländerin Charlotte kennengelernt. Sie nahm ihn mit in ihr Hotelzimmer. Am nächsten Tag erstattete ihre Mutter Strafanzeige gegen Marco Weiss wegen sexuellen Missbrauchs. Der Schüler wurde festgenommen und musste acht Monate in Untersuchungshaft verbringen.

Er sagte aus, er habe nichts gegen den Willen des Mädchens getan. Außerdem habe sie ihm gesagt, sie sei 15 Jahre alt. Später stellte sich heraus, dass sie erst 13 war. Verteidiger Ersoy kündigte für den Fall einer Verurteilung schon vorab Revision an. “Etwas anderes als einen Freispruch können wir nicht akzeptieren - ansonsten gehen wir in die Revision“, sagte er. Die erhoben Beweise reichten für eine Verurteilung nicht aus. Beweisanträge wolle die Verteidigung in ihrem Plädoyer nicht mehr stellen.

Verteidiger weist Vorwurf der Vergewaltigung zurück

Bei der erwarteten Urteilsverkündung wird Marco Weiss nicht anwesend sein. Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft kurz im Dezember 2007 ist er nicht wieder in die Türkei gereist. “Marco hofft, am Mittwoch möglichst mit der Sache abschließen zu können“, sagte sein deutscher Anwalt Jürgen Schmidt. “Wir hoffen natürlich auf einen Freispruch“, betonte er.

Der Vorwurf der Vergewaltigung bezeichnete Schmidt “als völlig verfehlt“. Marco und Charlotte hätten nur einvernehmlich Zärtlichkeiten ausgetauscht. Auch vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Kindes sei sein Mandant freizusprechen. “Er musste davon ausgehen, dass das Mädchen mindestens 15 Jahre alt war“, betonte Schmidt. Im Jahr 2007 war Marco Weiss noch Schüler einer Uelzener Realschule, mittlerweile besucht er eine Fachoberschule in der niedersächsischen Stadt.

“Immer wenn in Antalya eine Gerichtstermin ansteht, geht es ihm schlechter“, sagte Anwalt Schmidt. Bei ihm würden dann Erinnerungen an die Zeit im türkischen Gefängnis wach. “Ihn nimmt das nach wie vor sehr mit“, betonte der Verteidiger.

Zweijährige Ermittlungen des Gerichts

Das Gericht in Antalya hatte das Verfahren gegen den damals noch 17-jährigen Schüler schon Anfang Juli 2007 eröffnet. Seither bemühte es sich durch gerichtsmedizinische Gutachten und durch eine im Wege der Rechtshilfe eingeholte Aussage der Britin Charlotte festzustellen, was sich wirklich in der fraglichen Nacht zwischen den beiden jungen Leuten abgespielt hat.

In Deutschland stellte die Staatsanwaltschaft Lüneburg das gegen Marco angestrengte Ermittlungsverfahren deswegen im Mai ein. Abgesehen von einer Aussage der Britin Charlotte seien keine weiteren belastenden Beweise aufgetaucht, konstatierten die deutschen Ermittler.

ap

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