Haftstrafe: Jugendliche Schläger wollten nur "cool" sein

Ludwigshafen - Steven T. (18) und David J. (18) müssen mehrere Jahre hinter Gitter. Sie hatten einen Studenten in einem Linienbus krankenhausreif geschlagen. Der Grund: Sie wollten "cool" sein.

Weil sie einen Studenten in einem Linienbus krankenhausreif geschlagen haben, sind zwei 18-jährige Männer am Freitag zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Ludwigshafener Amtsgericht verhängte im Fall des Angeklagten David J. drei Jahre und zehn Monate Jugendstrafe. Er muss zudem eine Entziehungskur machen. Der Angeklagte Steven T. erhielt zwei Jahre und zehn Monate Jugendstrafe.

Die Verteidiger wollen Berufung einlegen. Beide Schläger wurden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, David J. außerdem wegen Raubes, weil er dem am Boden liegenden Opfer die Geldbörse mit 180 Euro gestohlen hatte. Die Täter waren bei ihrem Gewaltexzess im September vergangenen Jahres stark alkoholisiert, bei David J. wurden 3,7 Promille festgestellt, bei dem anderen war kein konkreter Wert nachzuweisen.

Er wollte nur "cool" sein

Sie hatten mit vier Freunden die Volljährigkeit von Steven T. gefeiert - mit einem Kasten Bier und mehreren Flaschen Schnaps. An der Bushaltestelle wurde T. ohne Grund aggressiv und beschloss, irgendjemandem “aufs Maul zu hauen“. Die sechs Männer stiegen am späten Abend in einen Bus. Während der Fahrt sprang Steven T. plötzlich auf den 22-jährigen Studenten zu und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.

“Ich hatte keine Chance, mich zu wehren, ich fiel mit dem Kopf gegen die Glasscheibe und war bewusstlos“, sagte er vor Gericht. Kumpane und eine Frau zerrten den Schläger vom Opfer weg, doch David J. kletterte über Bänke nach vorne und trat den am Boden Liegenden immer wieder gegen den Kopf und in den Rücken. “Hätten wir nicht eingegriffen, hätten die ihn totgeschlagen“, sagte ein Zeuge.

Die Attacke wurde von einer Videokamera im Bus aufgezeichnet. Das Opfer erlitt eine multiple Schädelfraktur, Jochbein-, Oberkiefer- und Nasenbrüche und eine Gehirnerschütterung. Ihm wurden bei einer Notoperation eine Titanplatte eingesetzt. Der Angeklagte David J. erklärte seine Gewalttätigkeit so: “Ich wollte cool sein vor den anderen.“

Vater weinte

Der Vater des Opfers brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Er kritisierte die Strafen als viel zu mild: “Das ist vielleicht Recht, aber bestimmt nicht richtig.“ Opfer-Anwalt Thomas Franz sagte: “Ich habe mich geärgert, dass die beiden Angeklagten sofort nach der Tat staatliche Hilfe bekamen und in eine soziale Einrichtungen untergebracht wurden. Um das Opfer kümmerte sich keiner.“

Die Täter hätten mit absolutem Vernichtungswillen zugeschlagen. Das sei deshalb ein klarer Fall von versuchtem Totschlag wie bei den Münchener U-Bahn-Schlägern. Diese hatten Ende 2007 einen Rentner in einem Münchner U-Bahnhof zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt, nachdem dieser sie auf das Rauchverbot hingewiesen hatte.

Die Täter sind rechtskräftig wegen versuchten Mordes verurteilt - der 21-Jährige zu zwölf Jahren Gefängnis, der 18-Jährige zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe. Die Richterin Andrea Diem betonte: “Wir sprechen hier Recht im Namen des Volkes und nicht im Namen der Stammtischhoheit.“

Die geistig zurückgebliebenen Männer sollten außerdem eine Chance erhalten, hinter Gittern einen schulischen Abschluss nachzuholen. Das Gericht blieb nur geringfügig unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

DAPD

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