Corinna: Geschlagen, gewürgt, missbraucht

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Der grausame Tod der kleinen Corinna schockte ganz Deutschland.

Leipzig - Prozessauftakt im Mordfall Corinna: Es war ein schrecklicher Tod, den die Neunjährige im Juli vergangenen Jahres im nordsächsischen Eilenburg starb.

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Ihr mutmaßlicher Mörder Lutz Peter Sch. versuchte, sie gewaltsam zu entkleiden, schlug und würgte das schreiende und sich wehrende Kind, missbrauchte das Mädchen und tötete es schließlich, um seine Tat zu vertuschen. Diese und weitere Details schilderte am Freitag vor dem Leipziger Landgericht die Polizistin Birgit Mohr, die Sch. nach seiner Festnahme verhört hatte. Ihr diktierte der 39-Jährige das Protokoll des Schreckens, das er anschließend unterschrieb. Nach Ansicht seines Anwalts ist das Geständnis aber nichts wert: 2,8 Promille habe sein Mandant im Blut gehabt, als er gestand. Dass der Beschuldigte betrunken war, wusste auch die Polizistin, als sie ihn vernahm.

Nach eigenen Worten hatte sie zunächst Bedenken, den Mann trotzdem zu befragen, die Staatsanwaltschaft habe diese aber vom Tisch gewischt und die Vernehmung angeordnet. Und im Verhörraum sei sie dann erstaunt gewesen, wie klar und ohne jegliche Ausfallerscheinungen sich Sch. geäußert habe. Mehr als sechs Stunden verhörte Mohr den Angeklagten, zunächst im Beisein eines Kollegen, schließlich aber auf ausgesprochenen Wunsch des Eilenburgers allein. Und in diesem Teil des nächtlichen Verhörs brachen alle Dämme: “Es sprudelte nur so aus ihm heraus, ich hatte das Gefühl, als wolle er es so schnell wie möglich loswerden“, erinnerte sich die Beamtin.

Sexuelle Träume und Fantasien

Der mutmaßliche Mörder der neunjährigen Corinna, Lutz Peter S.

Ihrem Bericht zufolge offenbarte ihr Sch. seine sexuellen Träume und Fantasien. Schon seit längerem habe er den Wunsch verspürt, ein Kind sexuell zu missbrauchen. Dieses Verlangen habe sich noch gesteigert, als er einen kinderpornografischen Film gesehen habe, in dem 13- bis 14-Jährige zu sehen gewesen seien. Am 28. Juli setzte er dann seine Fantasie in die Tat um: Er habe Corinna vor einem Supermarkt getroffen, dort habe sie ihn angesprochen, und als er das Mädchen gesehen habe, habe es “im Kopf geknallt“, schilderte die Vernehmerin, wie sie sich an die Aussagen des Mannes erinnerte. Er habe sich spontan zum Missbrauch Corinnas entschlossen, die er vorher nicht gekannt habe. Er habe das Kind dann zu seinem Gartengrundstück gelockt, wo er einen ausgedienten Bauwohnwagen stehen hatte. Zunächst habe er einen Trickfilm im Fernsehen eingeschaltet, um Corinna in Sicherheit zu wiegen.

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Als er sich dem Mädchen dann aber näherte, ihm das Hemd hochschob und es anfasste, erkannte das Kind offenbar, in welcher Gefahr es sich befand. Corinna schrie und wollte sich befreien, doch Sch. schlug das Mädchen, boxte ihm auf den Brustkorb, würgte das Kind, bis es leblos war. Dann verging er sich an der Neunjährigen. Und schließlich fasste er den Entschluss, Corinna zu töten, weil ihm bewusst war, dass sie ihn als ihren Peiniger wiedererkennen würde. Die Leiche des Kindes steckte er in einen Müllsack, den er in den Eilenburger Mühlgraben warf. Die Puppe und andere Gegenstände, die Corinna bei sich gehabt hatte, verbrannte Sch. Auch wenn der Bericht nüchtern geklungen habe: “Eiskalt ist das ganze Geschehen nicht an ihm vorübergegangen“, war sich die Polizistin sicher.

Mutter von Schuld des Sohnes überzeugt

Die Schilderungen dessen, was er nach Angaben der Beamtin im Verhör ausgesagt hatte, verfolgte der Angeklagte ohne sichtbare Regung. Sein Verteidiger Stefan Costabel hatte zu Beginn der Verhandlung erklärt, sein Mandant werde sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Staatsanwalt Ulrich Jakob hatte bei der Verlesung der Anklageschrift Punkt für Punkt aufgeführt, was er dem 39-jährigen Eilenburger vorwirft: Versuchte Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch eines Kindes mit Todesfolge, sexuelle Nötigung und schließlich Mord. Dass Sch. tatsächlich derjenige ist, der Corinna missbraucht und ermordet hat, davon scheint sogar seine Mutter überzeugt zu sein.

Richter Hans Jagenlauf zitierte im Lauf der Verhandlung aus einem Brief, den die Frau ihrem Sohn ins Gefängnis schrieb. Darin appellierte sie an ihn, sich zu seinem Verbrechen zu bekennen. Corinna, die er getötet habe, könne nicht mehr reden - er könne es. Lässt sich die Strafkammer davon überzeugen, dass sich die Tat wie geschildert abgespielt hat und Sch. der Mörder von Corinna ist, dann muss er damit rechnen, dass gegen ihn eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt wird. Jagenlauf wies zudem darauf hin, dass im Fall der Verurteilung auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden könnte. Dies würde einer möglichen vorzeitigen Entlassung entgegenstehen.

dapd

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