Mutter: Amokläufer ist ein verschlossener Typ

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Georg R. ist angeklagt, den Amoklauf von Ansbach unternommen zu haben.

Ansbach - Am dritten Prozesstag gegen den Amokläufer von Ansbach sagten die Eltern des Angeklagten aus. Er sei verschlossen gewesen, fast schon isoliert, schildern die Eltern ihr Kind.

Immer wieder rang die Mutter bei ihrer Aussage um Fassung: Einen Tag vor der Urteilsverkündung haben im Prozess um den Schul-Amokläufer von Ansbach die Eltern von Georg R. ausgesagt. Die Mutter habe ihren Sohn als sehr verschlossene Persönlichkeit geschildert. Einmal habe sie ihn deshalb zur Jugendberatungsstelle geschickt, berichtete Justizsprecher Manfred Eichner am Mittwoch aus der nicht-öffentlichen Verhandlung. Gleichzeitig habe sie vor der Jugendkammer des Landgerichts Ansbach von einer “harmonischen Kindheit und Jugend“ gesprochen. Der Vater schilderte Georg R. als “zurückgezogen, fast schon isoliert“. In der Schule habe sich sein Sohn ausgegrenzt gefühlt.

Eine Angestellte der Jugendgerichtshilfe empfahl der Jugendkammer - genauso wie ein psychiatrischer Gutachter - die Unterbringung des Angeklagten in der Psychiatrie. “Er lebt in einer Parallelwelt“, sagte die Frau. Zudem habe er kein gesundes Verhältnis zu Gleichaltrigen. Auch habe Georg R. ihr gegenüber keine Reue gezeigt. Der Gutachter sprach von einem hohen Aggressionspotenzial und einer möglichen Wiederholungsgefahr. Er sprach sich für eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht aus. Der damalige Abiturient Georg R. muss sich unter anderem wegen versuchten Mordes in 47 Fällen vor Gericht verantworten.

Georg R. hatte keine Freunde

Im September 2009 war der damals 18-Jährige mit Molotowcocktails und einem Beil bewaffnet in das Gymnasium Carolinum gestürmt. Insgesamt 15 Menschen wurden verletzt - darunter eine Schülerin, die durch Beilhiebe lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitten hatte. Polizisten stoppten den Amokläufer mit drei Schüssen. Derzeit ist er in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Ansbach untergebracht.

Auch der “beste Freund“ des Angeklagten habe am dritten Verhandlungstag vor Gericht ausgesagt, so der Justizsprecher. Der Jugendliche habe berichtet, dass er früher mit Georg R. über die Amokläufe in Winnenden und Erfurt gesprochen habe. Dabei sei es aber nie um “konkrete Taten“ gegangen. Außer ihm habe Georg R. eigentlich keine Freunde gehabt. Zuletzt sei er seinem Freund einen Tag vor dem blutigen Amoklauf begegnet. Damals habe Georg R. “fertig“ gewirkt. Noch heute haben beide Kontakt miteinander, schreiben sich Briefe. Das Urteil wird für diesen Donnerstag erwartet.

dpa

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