Papst feiert 83. Geburtstag

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Papst Benedikt feiert 83. Geburtstag.

Rom - Papst Benedikt XVI. durfte sich am Freitag über zahlreiche Glückwünsche zu seinem 83. Geburtstag freuen. Groß gefeiert wird der Ehrentag im Vatikan allerdings nicht.

Am 19. April 2005 hat Gott das Bitten seines treuen Dieners nicht erhört: Als sich bei der Papstwahl das Votum abzeichnete, hatte Kardinal Joseph Ratzinger das Gefühl, ein Fallbeil stürze auf ihn herab. “Ich habe mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu mir dies nicht an! Du hast Jüngere und Bessere, die mit ganz anderem Elan und mit ganz anderer Kraft an diese große Aufgabe herantreten können.“

Am kommenden Montag jährt sich nun zum fünften Mal die Wahl des deutschen Papsts. Es war in vielen Punkten keine gute Zeit für die katholische Kirche, sagen Kritiker, und dafür trage ihr Oberhaupt maßgeblich Verantwortung. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. “Wir sind Papst“ jubelte die “Bild“-Zeitung nach der Wahl des in seiner Heimat bis dahin nur mäßig beliebten Ratzingers.

Einheit der Christen als wichtigstes Ziel

In der ersten Messe als neues Kirchenoberhaupt nannte Benedikt XVI. die Einheit der Christen das wichtigste Ziel seines Pontifikats. Sogar Hans Küng, einst Weggefährte Ratzingers und später sein erbitterter Gegner, erhielt eine überraschende Einladung zum Gespräch nach Rom. Sollte der Präfekt der Glaubenskongregation, der rigorose Wächter über die Dogmen der katholischen Kirche, plötzlich zum Brückenbauer geworden sein? Wenige Wochen nach Amtsantritt besuchte Benedikt den Weltjugendtag in Köln, wo ihn Hunderttausende Jugendliche mit frenetischen “Benedetto“-Rufen feierten. In der Domstadt traf der Papst auch den damaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber. Der sprach danach diplomatisch von einer “Ökumene der Profile“ und “einer Zeit der Konsolidierung und Überprüfung des Erreichten“. Jedoch hieß das nichts anderes, als dass Huber vom neuen Papst keine grundlegende Annäherung in entscheidenden Fragen erwartete. Es war der erste, noch eher leise Misston in der Amtszeit Benedikts.

Zwei Jahre nach dem Weltjugendtag bekräftigte der Vatikan dann in einem vom Papst ausdrücklich gebilligten Dokument den Anspruch der katholischen Kirche als einzig wahre Kirche. Andere christliche Vereinigungen wie die Protestanten seien keine Kirchen im eigentlichen Sinn - eine herbe Absage an die Ökumene, so der Tenor der Reaktionen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Benedikt jedoch bereits für einen weit größeren Eklat gesorgt. Bei seinem Deutschlandbesuch im Spätsommer 2006 sprach er in einem Vortrag an der Universität Regensburg über das Verhältnis von Wissenschaft und göttlicher Schöpfung und zitierte dabei am Rande auch eine Textstelle, in der es hieß, Mohammed habe der Welt nur Schlechtes und Inhumanes gebracht. Auch wenn sich der Papst diese Aussage in keiner Form zueigen machte - er löste damit einen weltweiten Entrüstungssturm bei Muslimen aus, der Erinnerungen an den Streit um die Mohammed-Karikaturen weckte und dem Kirchenoberhaupt sogar Vergleiche mit Hitler und Mussolini einbrachte.

Erst nachdem Benedikt mehrfach öffentlich seinen tiefen Respekt vor dem Islam betont hatte, legten sich die Wellen der Empörung langsam. Schon damals zeigte sich eine gewisse Ungeschicktheit, mit der sich der brillante Theologe außerhalb des vertrauten Raumes Kirche bewegte, eine Unbedarftheit bei der Abschätzung der Wirkung seiner Aussagen und Gesten.

Ein Holocaust-Leugner und ein pädophiler Priester

In den Augen von Kritikern erschreckend deutlich wurde dies auch im Fall der Piusbruderschaft. Im Januar 2009 hob Benedikt die Exkommunizierung von vier Bischöfen der reaktionären Glaubensgruppe auf, um deren dauerhafte Abspaltung von der katholischen Kirche zu verhindern. Einer der Bischöfe war Richard Williamson, der kurz zuvor in einen Fernsehinterview erklärt hatte, die historischen Tatsachen sprächen gegen die Vergasung von sechs Millionen Juden im Zweiten Weltkrieg. Dass ausgerechnet ein deutscher Papst einen Holocaust-Leugner wieder in die Kirche aufnahm, war ein verheerendes Signal, das nicht nur das Verhältnis des Vatikans zu den Juden schwer belastete, sondern bis in die katholische Kirche selbst für wütende Reaktionen sorgte.

Zuletzt schließlich sorgte das Kirchenoberhaupt mit seiner Zurückhaltung und seinem langen Schweigen zu den Missbrauchsfällen in aller Welt und besonders in Deutschland für großen Unmut. Im Zusammenhang mit der Handhabung des Falls eines pädophilen Priesters in Bayern wurden sogar Vorwürfe gegen Benedikt selbst laut. 1980, zu seiner Zeit als Kardinal in München, hatte der heutige Papst dem Umzug des bereits damals als einschlägig aufgefallenen Priesters von Essen nach München und dessen Unterbringung in einem Pfarrhaus zugestimmt. Der Mann sollte zur Therapie nach München kommen, wurde aber wieder in der Seelsorge eingesetzt. Von letzterem soll Ratzinger laut Ordinariat aber nichts gewusst haben.

Küng ruft Bischöfe zum Widerstand auf

Wie schwer die gehäuften Missbrauchsfälle und das Verhalten der Kirche dazu das Vertrauen der Menschen erschüttern, zeigten zuletzt auch mehrere Umfragen. Laut ARD-Deutschlandtrend vom Freitag etwa sieht jeder vierte Bundesbürger die Kirche deswegen in einer existenzbedrohenden Krise, darunter auch 22 Prozent der Katholiken. Benedikts früherer Wegbegleiter Küng rief die Bischöfe angesichts der Krise zuletzt sogar dazu auf, gegen den Willen des Papstes Reformen einzuleiten. Auch wenn jeder Bischof einen Gehorsamseid gegenüber dem Papst abgelegt habe, wisse er doch, “dass uneingeschränkter Gehorsam nie einer menschlichen Autorität, sondern Gott allein geschuldet ist“, schrieb der 82-jährige Theologe in einem offenen Brief. Benedikt XVI. findet nach Einschätzung Küngs nicht die Wege, um die Kirche aus ihrer tiefsten Vertrauenskrise seit der Reformation zu führen.

Vatikan verzichtet auf Feier

Bei vielen Glückwünschen aus Politik und Kirche verzichtete der Vatikan auf eine größere Geburtstagsfeier - wohl auch wegen der anstehenden Reise des Papstes nach Malta. So befand sich Benedikt keine zwei Wochen nach den anstrengenden Osterzeremonien am Freitag bereits in den Vorbereitungen für die erste Auslandsreise dieses Jahres. Auf den kurzen Besuch des nicht weit von Italien entfernten Inselstaates am Wochenende soll am Montag eine kleine Feier zum 5. Jahrestag seines Pontifikats folgen: Die in Rom anwesenden Kardinäle laden Benedikt zu einem Mittagessen im Vatikan ein, das durchaus locker und nicht als “Arbeitsgipfel“ geplant ist.

Auch die erste Auslandsreise des Papstes seit dem Skandal um Missbrauch in katholischen Einrichtungen Deutschlands ist von der tiefen Krise um den vielfach kritisierten Vatikan geprägt. Anlass des Besuchs ist zwar die Ankunft des Völkerapostels Paulus auf Malta vor 1950 Jahren, der das Christentum auf die Insel brachte. Die Aufmerksamkeit der internationalen Medien dürfte sich aber vor allem auf die Frage richten, ob Joseph Ratzinger in Malta Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester trifft. Grundsätzlich sei er dazu bereit, hatte der Vatikan erklärt, “aber in einem Klima der Andacht und Reflexion, nicht unter Druck mit Mediencharakter“. Außerdem habe Benedikt ein dichtes Programm. Insgesamt wird er nur 26 Stunden auf der Insel verbringen.

Die Werte eines starken Glaubens - Malta ist zu weit mehr als 90 Prozent katholisch - sowie die Tradition der Missionarsarbeit und die Immigrationsprobleme dort dürften für Benedikt im Zentrum stehen. Er wird am Samstagabend die Paulus-Katakomben in Rabat besuchen und nach der Messe am Sonntag auf den Spuren des Apostels mit einem Schiff in den Hafen von Valletta einfahren. Am Sonntagabend fliegt der Papst zurück nach Rom. In diesem Jahr plant Benedikt eher kurze Reisen innerhalb Europas, die ihn nach Portugal, Zypern, Großbritannien und Spanien führen werden.

dpa/apn

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