Polizisten sollen Informanten mit Drogen versorgt haben

Bremen - Wegen des jahrelangen Abzweigens beschlagnahmter Drogen für ihre Informanten müssen sich zwei Bremer Polizisten vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Strafvereitelung im Amt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 39-Jährigen unter anderem vor, aus beschlagnahmten Drogen kleinere Mengen abgezweigt und an Angehörige der Szene weitergeleitet zu haben. Gelegentlich hätten sie auch auf Strafanzeigen verzichtet. Die Beamten hätten dafür Informationen über andere Straftaten erhofft oder erhalten. Die Anklage wirft den Polizisten eine Vielzahl von Taten vor, die sie zwischen November 2003 und Februar 2008 gemeinschaftlich oder allein begangen haben sollen.

Die vom Dienst suspendierten Beamten sind unter anderem wegen Strafvereitelung im Amt angeklagt. Sie müssen mit einer Strafe bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Beispielsweise hätten sie bei einem Verdächtigen knapp 1,3 Kilogramm Cannabis beschlagnahmt, ihm aber ein bis zwei Gramm zurückgegeben. In einem anderen Fall habe einer der Angeklagten einen Informanten zum Dealen angestiftet. Dieser sollte 500 Gramm Cannabis an einen Dritten verkaufen und dann anrufen, damit sein Geschäftspartner sofort verhaftet werden könne.

Fünf Päckchen Heroin für Informationen

Einer der Beschuldigten hatte laut Anklage bei einem Techno-Umzug von zwei Teilnehmern Cannabis-Zigaretten beschlagnahmt, aber keine Strafanzeige ausgestellt. Der andere Angeklagte habe einem Drogensüchtigen ein bis zwei Gramm Heroingemisch gegeben. Er habe dem Süchtigen weitere fünf Päckchen für Informationen über dessen Dealer angeboten. Die Beamten verweigerten zum Prozessauftakt eine Aussage. Ihre Anwälte monierten fehlerhafte Ermittlungen. “Je wärmer es wird im Laufe des Jahres, desto mehr wird die Anklage dahin schmelzen“, sagte einer der Rechtsanwälte. Das Gericht hat zunächst 18 Verhandlungstage angesetzt.

Angeklagte von Informanten belastet

Die Ermittlungen in dem Fall hätten schon vor einigen Jahren begonnen, erläuterte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein Kollege der Beamten hatte nach eigener Aussage beobachtet, wie einer der Angeklagten von beschlagnahmten Drogen etwas für sich behielt. Er wandte sich an die Innenrevision der Polizei, doch deren Ermittlungen verliefen zunächst im Sande. Ende 2007 machte dann einer der Informanten der Angeklagten eine belastende Aussage, woraufhin die Vorfälle bei der Staatsanwaltschaft landeten. Nach und nach weiteten sich die Ermittlungen auf zeitweilig neun Hauptverdächtige aus. Die meisten Verfahren sind laut Angaben inzwischen eingestellt. In zwei Fällen bekamen die Verdächtigen einen Strafbefehl.

DAPD

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