In Sachsen fahren Trabis als Dienstautos

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Im sächsischen Lohmen fahren noch Trabis als Dienstwagen der Gemeindemitarbeiter.

Lohmen - Das 3000-Seelen-Örtchen Lohmen in Sachsen setzt auf Trabis als Dienstwagen für die Angestellten der Stadt. Das habe nichts mit Nostalgie, sondern mit Sparen zu tun, sagt der Bürgermeister.

Ausgesessene Polster, dürftige Ausstattung, hoher Geräuschpegel: Wenn die Angestellten aus dem kleinen Ort Lohmen in Sachsen dienstlich mit dem Auto unterwegs sind, ist das mitunter alles andere als eine Vergnügungsreise. Denn auch bald zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung setzt man dort noch auf Trabis als Dienstwagen - aus Sparsamkeit. In dem idyllischen Ort am Rande der Sächsischen Schweiz waren gleich nach der Wende vier Zweitakter aus DDR-Produktion zu einem Schnäppchenpreis angeschafft worden. Zwei davon sind bis heute als Dienstfahrzeuge im Einsatz. Einer der beiden grauen Kombis hat bereits 35 Jahre auf dem Buckel, der andere wurde 1986 erstmals zugelassen.

Einer von zwei Trabis in Lohmen.

“Mit Nostalgie hat das nichts zu tun“, versichert Bürgermeister Jörg Mildner (CDU). Es gehe vielmehr darum, die Gemeindekasse zu schonen. Es gebe sicherlich komfortablere, leisere und formschönere Autos. Doch für kurze Strecken seien sie völlig ausreichend, sagt der Bürgermeister. Und so knattern Mitarbeiter in den Dienst-Trabis regelmäßig auch die paar Kilometer zur bekannten Festung Königstein hinüber, um auf dem dortigen gemeindeeigenen Parkplatz für Ordnung zu sorgen. Vor ein paar Jahren war sogar das Fernsehen da und berichtete über den ungewöhnlichen Fuhrpark und den sparsamen Ortschef. Der 51-jährige Kommunalpolitiker betont, es gehe ihm nicht um Effekthascherei, sondern um solide Finanzen. Auf die Trabis schwört er, weil sie auch im Unterhalt “unschlagbar günstig“ seien. Immerhin könnten kleinere Reparaturen von Bediensteten mit handwerklichem Geschick an Ort und Stelle selbst erledigt werden. “Für ehemalige Trabi-Besitzer und gelernte DDR-Bürger ist das kein Problem.“

Bürger spenden Ersatzteile

Viele Bürger unterstützen den straffen Sparkurs ihres Bürgermeisters, der bereits seit 1990 dem 3.000-Seelen-Ort vorsteht und bei den Wahlen stets die Nase vorn hatte. Einige spendierten nach entsprechenden Aufrufen sogar Trabi-Ersatzteile, die sie noch übrig hatten. Auch sonst achtet die ostdeutsche Kommune streng aufs Geld. So verzichtete der Ort trotz möglicher hoher Zuschüsse auf ein neues Freibad - wegen der erwarteten laufenden hohen Kosten. Statt auf schöner, aber teurer Pflasterstraße rollt man auf vergleichsweise günstigem Asphalt durch die Gemeinde.

Zuletzt verzichtete der Ort auch auf besonders effiziente Energiesparlampen - zugunsten einer immer noch umweltfreundlichen, aber nicht ganz so teuren Variante. “Unterm Strich kommen wir so besser weg“, rechnet der Bürgermeister vor. Kräftig investiert hat Lohmen bereits vor längerem in ein eigenes Wasserkraftwerk, das Strom produziert und damit rund um die Uhr Geld in die Gemeindekasse spült.

Vergleichsweise geringe Verschuldung

Die Sparanstrengungen scheinen sich zu lohnen. Während andere Kommunen in der Republik mit dem Rücken zur Wand stehen und in Europa sogar milliardenschweren Rettungspakete für hochverschuldete Euro-Staaten geschnürt werden mussten, steht die Spar-Kommune richtig gut da. Die Pro-Kopf-Verschuldung liege bei knapp zweihundert Euro und damit deutlich unterm Landesdurchschnitt, sagt Mildner.

Die beiden betagten Trabis werden mindestens noch knapp zwei Jahre weiter in Lohmen und Umgebung unterwegs sein, nachdem sie Anfang des Jahres ein weiteres Mal die TÜV-Plakette bekommen hatten. Für die beiden anderen Limousinen aus volkseigener Fertigung war da allerdings endgültig Feierabend. Sie wurden stillgelegt. Bürgermeister Mildner hatte die Sache zuvor ganz nüchtern durchgerechnet. Um die Autos noch einmal durch den TÜV zu bekommen, wären größere Reparaturen nötig gewesen, bilanzierte er. “Das hätte sich am Ende nicht mehr gelohnt.“

DAPD

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