Schulleiterin kündigt Briefe an die Schüler an

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Die Schulleiterin der Odenwaldschule kündigt nun Briefe an ihre Schüler an.

Heppenheim - Nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule in Südhessen will die Schulleitung systematisch alle Schüler der betroffenen Jahrgänge anschreiben.

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“Wir haben die große Befürchtung, dass es tatsächlich mehr sind als die Namen, die wir bis jetzt kennen“, sagte die Schulleiterin, Margarita Kaufmann, im Gespräch mit dem Audiodienst der Deutschen Presse-Agentur dpa. Am Montag würden Briefen an alle Altschüler versandt, die zur fraglichen Zeit an der Schule waren.

“Wir haben auch eine Anwältin gefunden, die sich bereiterklärt hat, uns zu begleiten“, sagte Kaufmann der dpa. An ihrer Schule seien die Missbrauchsfälle lange Zeit vertuscht worden. Sie persönlich sei sehr betroffen gewesen, als sie im Radio von Missbrauchsfällen im katholischen Canisius-Kolleg gehört habe: “Es war exakt dasselbe, was bei uns passiert ist.“

Chronologie der Missbrauchfälle

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Die “Frankfurter Rundschau“ hatte am Samstag berichtet, dass es von 1971 bis 1985 bis zu 100 Opfer gegeben haben könnte. Kaufmann: “Wir sind schon seit letztem Sommer in Kontakt mit ehemaligen Schülern unserer Schule, die uns von Missbrauchsvorfällen in großem Ausmaß berichtet haben.“ Es habe auch viele gegeben, die nicht namentlich genannt werden wollten.

Die vor 100 Jahren vom Pädagogen Paul Geheeb (1879-1961) gegründete Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim gilt als eine der bekanntesten deutschen Reformschulen. Sie stellt bis heute das Lernen in Gemeinschaft in den Vordergrund - gemischt nach Alter und Geschlecht wohnen die gut 200 Internatsschüler in rund 30 Gruppen.

Die Schulleiterin - seit Oktober 2007 im Amt - ging nach eigener Aussage zunächst von nur wenigen Opfern aus. “Im Laufe der Gespräche im letzten Jahr wurde mir deutlich, dass es wesentlich mehr Schüler sind, und dass es vor allen Dingen auch sehr viel früher begonnen hat, nämlich 1970/71. Das war erschütternd, diese Erkenntnis.“

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen den damaligen Leiter der Eliteschule, aber auch gegen andere Lehrer. Die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) kündigte eine Prüfung der Vorgänge und möglicher Versäumnisse der Schulaufsicht an. Die Grünen wollen den Fall zum Thema im Schulausschuss des Landtags machen.

Bereits im August 1999 war eine Strafanzeige gegen den ehemaligen Internatsleiter bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt eingegangen. Ermittlungen habe es aber wegen der Verjährung der angeblichen Vorfälle nicht gegeben, sagte ein Sprecher damals.

dpa

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