Ab sofort Anlaufstelle für Missbrauchsopfer

Berlin - Ab sofort gibt es eine neue telefonische Anlaufstelle in Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch, bei der Betroffene und Angehörige von Fachleuten Hilfe bekommen.

Unter der kostenfreien Rufnummer 0800-22 55 530 können Opfer oder ihre Angehörigen mit eigens geschulten Fachleuten reden. Gleichzeitig wurde am Freitag bei der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Christine Bergmann, eine Internet-Seite mit weiteren Kontakt- und Informationsmöglichkeiten gestartet.

“Wir wollen den Betroffenen die Möglichkeit geben, über das ihnen angetane Unrecht zu sprechen. Wir wollen erfahren, welche Anliegen sie haben, welche Hilfe sie benötigen und was sie der Politik und der Gesellschaft sagen wollen“, erklärte die vom Bundeskabinett vor zwei Monaten eingesetzte Beauftragte. Nach Angaben der früheren SPD- Familienministerin stehen für die Telefongespräche bundesweit insgesamt 65 Fachkräfte aus den Bereichen Sozialpädagogik, Psychologie und Medizin zur Verfügung. Das Team habe langjährige Erfahrung bei der Beratung nach solchen Delikten und sei für diesen Einsatz noch extra geschult worden.

Internetseite: Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs

Nach Bergmanns Angaben können die Anrufer allein bestimmen, worüber sie sprechen wollen und ob ihre Berichte schriftlich festgehalten werden sollen. Eine therapeutische oder rechtliche Beratung sei aber nicht vorgesehen. Man werde Opfer aber auf Möglichkeiten zur Hilfe und Unterstützung hinweisen. Die Anonymität sei auf jeden Fall sichergestellt. “Wir sind keine Ermittlungsbehörde“, betonte Bergmann.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Bislang sind nach ihren Angaben etwa 500 Berichte von Betroffenen eingegangen. Etwa die Hälfte stamme von Opfern, die in Einrichtungen der katholischen Kirche missbraucht worden seien. Bislang hätten sich mehr Männer als Frauen gemeldet. Aus den teilweise erschütternden Briefen gehe hervor, dass diese Menschen das Erlebte jahrzehntelang für sich behalten hätten und jetzt eine Anerkennung des erlittenen Unrechts sowie die klare Benennung der Schuldigen erwarteten. Die meisten Briefschreiber hätten sich dafür ausgesprochen, die geltenden Verjährungsfristen aufzuheben. Auch die Berichte der Opfer sollen in die Empfehlungen Bergmanns für die Bundesregierung und den Runden Tisch einfließen.

Wissenschaftlich begleitet wird die Auswertung von einem Beirat unter Leitung von Prof. Jörg Fegert, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Ulm.

dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare