Tödliche Therapiesitzung: Staatsanwaltschaft klagt Arzt an

Berlin - Ein Arzt muss sich wegen tödlicher Therapiesitzungen vor Gericht verantworten. Zwei Menschen starben nach seiner Behandlung. Er versuchte, seine Patienten mit Drogen zu heilen.

Rund fünf Monate nach einer tödlichen Therapiesitzung hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den verantwortlichen Arzt erhoben.

Der 50-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes in einem Fall, Körperverletzung mit Todesfolge in zwei Fällen sowie gefährlicher Körperverletzung in fünf Fällen verantworten, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte.

Zudem werden dem Mann Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt. In der Praxis des Therapeuten im Stadtteil Hermsdorf hatten Mitte September zwölf Menschen zwischen 26 und 59 Jahren an einer Therapiesitzung teilgenommen. Die dabei verabreichten Drogen führten bei einigen Teilnehmern zunächst zu Übelkeit und Erbrechen.

Notruf per SMS

Ein Teilnehmer sendete per SMS-Nachricht einen Notruf an die Feuerwehr. Vor Ort versuchten die Notärzte sofort Wiederbelebungsmaßnahmen - allerdings vergeblich. Ein 59-Jähriger und ein 28-Jähriger starben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Allgemeinmediziner und Facharzt für Psychotherapie vor, in einer “psycholytischen Intensivsitzung“ ohne vorherige körperliche Untersuchung der Therapieteilnehmer und ohne medizinische Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken der Drogeneinnahme hochdosiertes Ecstasy ausgegeben zu haben.

Die Patienten hätten auf die Unbedenklichkeit der Substanzen vertraut und die Drogen zu sich genommen. Daraufhin sei es bei den Patienten zu Vergiftungserscheinungen mit teilweise tödlichen Folgen gekommen.

DAPD

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