Castor-Transport: Heftige Proteste in Niedersachsen

Dannenberg/Gorleben - An der Verladestation im niedersächsischen Dannenberg hat am Montagmorgen die Umladung der elf Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll begonnen.

Begleitet von Protesten, Sitzblockaden und Ankett-Aktionen durch die Nacht hat der 13. Castor-Atommüll-Transport am Montag seine vorletzte Etappe auf dem Weg ins Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen genommen. Gegen 4 Uhr war der Zug in die Umladestation in Dannenberg eingefahren. Der Atommüll-Transport wird die letzten etwa 20 Kilometer bis ins Zwischenlager Gorleben auf der Straße - es gibt mehrere mögliche Routen - absolvieren.

Castor-Transport: So heftig waren die Auseinandersetzungen in Niedersachsen

Castor: So heftig waren die Proteste in Niedersachsen

Zurzeit läuft das Umheben der mit hoch radioaktivem Atommüll beladenen, tonnenschweren Behälter vom Zug auf Tieflader und dauert voraussichtlich bis Montagnachmittag. Auf der Strecke nach Gorleben werden Tausende Atomkraftgegner mit weiteren Protestaktionen erwartet.

Beton-Pyramide und Sitzblockade bei Hitzacker

In der Nacht zu Montag hatte die Polizei die Bahn-Strecke bei Hitzacker kurz vor Dannenberg nach einer mehrstündigen Blockade von Atomkraftgegnern gegen 3.30 Uhr geräumt. Hunderte Demonstranten wurden von den Schienen geholt. Vier Aktivisten der “Bäuerlichen Notgemeinschaft“, die mit einer Beton-Pyramide die Strecke versperrten, gaben ihren Widerstand nach Verhandlungen mit der Polizei kurz vor Mitternacht am Sonntagabend auf. Die Aktivisten der “Bäuerlichen Notgemeinschaft“ hatten auf der eingleisigen Strecke von Lüneburg nach Dannenberg ein Beton-Konstrukt platziert, durch das sich wiederum eine Verstrebung aus Stahl zog. Die Arme der vier Castor-Gegner steckten darin fest, wie dapd-Reporter vor Ort berichteten.

Die Polizei verzichtete zunächst darauf, die etwa einen Meter hohe Pyramide gewaltsam zu öffnen, sondern machte sich nach Angaben der “Bäuerlichen Notgemeinschaft“ daran, die Schottersteine unter der Pyramide zu entfernen. Dadurch sei die Konstruktion auf dem Gleis in Schieflage geraten. Nach längeren Verhandlungen und aus Sorge um die Gesundheit der angeketteten Aktivisten gaben die Umweltschützer nach 14 Stunden an der Pyramide gegen 23.30 Uhr am Sonntag schließlich auf. Damit sollte eine Eskalation der Situation vermieden werden, hieß es in einer vor Ort verlesenen Erklärung der Aktivisten. Die “Bäuerliche Notgemeinschaft“ ist eine Interessenvertretung von Landwirten aus dem Wendland.

Eine Sitzblockade mit rund 1.000 Aktivisten in unmittelbarer Nähe der Beton-Pyramide wurde ebenfalls geräumt. Zudem musste die Polizei noch einen Aktivisten von den Gleisen lösen, der sich mit einem Rohr festgekettet hatte. Dazu wurden die Schienen durchtrennt und danach wieder repariert, wie die Polizei berichtete.

Transport schon über 110 Stunden auf der Strecke

Bereits in der Nacht zu Sonntag war es zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Bei Harlingen beendete die Polizei mit massivem Einsatz eine Gleis-Blockade, an der sich nach Angaben der Polizei etwa 3.500 Umweltschützer beteiligt hatten. Mehr als 1.000 von ihnen seien nicht freiwillig aufgestanden und wurden in einem abgesperrten Bereich unter freiem Himmel in Gewahrsam genommen. Am Sonntagnachmittag wurden sie von der Polizei wieder entlassen.

Auch an anderen Stellen kam es zu Blockaden. An der Ortseinfahrt zu Metzingen wurde eine Barrikade aus brennenden Autoreifen errichtet. In der Ortschaft gerieten schon in den vergangen drei Tagen Einsatzkräfte der Polizei und Demonstranten gewaltsam aneinander.

Derweil überschritt der Castor-Zug die bisherige Höchstdauer beim Transport des Atommülls aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague ins niedersächsische Gorleben. Am Montagmorgen um 6.00 Uhr war er bereits mehr als 110 Stunden unterwegs. Der Transport im bisherigen “Rekordjahr“ 2010 für die Gesamtstrecke hatte 92 Stunden gebraucht. Der Einsatz wird in Deutschland von etwa 19.000 Polizisten und Zehntausenden Atomkraftgegnern begleitet. Der Zug war am Mittwochnachmittag in La Hague gestartet.

dpa

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