Unwort des Jahres 2009: “Betriebsratsverseucht“

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"Betriebsratsverseucht" ist das Unwort des Jahres 2009.

Frankfurt/Main - “Betriebsratsverseucht“ ist das Unwort des Jahres 2009. Sprachliche Missgriffe wurden auch in den Jahren zuvor gekürt. Lesen Sie hier die Unwörter der letzten Jahre.

Ein Mitarbeiter einer Baumarktkette habe den Begriff "betriebsratsverseucht" in der ARD genannt, berichtete der Sprecher der sprachkritischen Aktion, Horst Dieter Schlosser, am Dienstag in Frankfurt. Danach werde das Wort von Abteilungsleitern verwendet, wenn Kollegen aus einer Filiale mit Betriebsrat in eine ohne wechseln wollten. “Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen “stört“ zwar viele Unternehmen, sie als “Seuche“ zu bezeichnen, ist indes ein zumindest sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen“, sagte Schlosser.

Die Unwörter der letzten Jahre

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Die sechs Unwort-Juroren kritisierten außerdem die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verwendete Formulierung “Flüchtlingsbekämpfung“ als “dramatischen sprachlichen Fehlgriff“. Gerügt wurde als drittes Wort “intelligente Wirksysteme“, weil sich hinter dieser scheinbar harmlosen Bezeichnung ausschließlich technologisch hoch entwickelte Munitionsarten verbergen.

Beim Unwort des Jahres werden sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation gesucht, die grob unangemessen sind oder gar die Menschenwürde verletzen.Für die Wahl zum Unwort ist nicht maßgeblich, wie oft ein Vorschlag gemacht wird. Schlosser hatte die sprachkritische Aktion 1991 gestartet, das Unwort des Jahres 2009 ist das 19.

An der 19. Wahl zum “Unwort des Jahres“ beteiligten sich 2018 Einsender. Sie machten 982 verschiedene Vorschläge. Am häufigsten eingereicht wurde der Begriff “Wachstumsbeschleunigungsgesetz“.

Das Unwort des Jahres 2008 war “notleidende Banken“ und wurde aus 2.117 Einsendungen mit 1.129 Vorschlägen ausgewählt. Die Jury setzt sich zusammen aus vier ständigen Mitgliedern - Sprachwissenschaftler verschiedener Universitäten - sowie dem Redakteur der “Frankfurter Rundschau“, Stephan Hebel, und dem Sozialethiker Friedhelm Hengsbach.

ap

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