Waldorflehrer soll mit Schülern Bomben gebaut haben

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Die Freie Waldorfschule in Lübeck: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Lehrer, der dort mit Schülern Rohrbomben gebaut und gezündet haben soll.

Lübeck - Anschauliches Experiment oder Gefährdung von Schülern? An einer Lübecker Waldorfschule soll ein Lehrer mit Fünftklässlern Schwarzpulver gemischt und Sprengkörper gebaut haben.

Bombenbau im Unterricht: Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen einen Lehrer, der mit Schülern einer Lübecker Waldorfschule Rohrbomben gebaut und gezündet haben soll. Die Ermittlungen liefen bereits seit Mai 2011 und stünden kurz vor dem Abschluss, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, Klaus-Dieter Schultz, am Mittwoch.

Die Fünftklässler der Freien Waldorfschule Lübeck und ihr Lehrer sollen im Unterricht Schwarzpulver hergestellt haben, das sie dann in Behälter gefüllt und in der Palinger Heide, einem Waldgebiet in der Nähe der Schule, mit Hilfe von Wunderkerzen gezündet haben sollen. Ihre explosiven Experimente, bei denen niemand verletzt worden sei, sollen die Schüler im Frühjahr 2010 gemacht haben. Im Mai 2011 hätten Eltern Anzeige erstattet. „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, hat der Lehrer gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen“, sagte Schultz.

In Waldorfschulen gibt es keine Zensuren und kein Sitzenbleiben. Die Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen seien auf die Entwicklung des jungen Menschen abstimmt, „bildhafter Unterricht“ sei ein wesentliches Prinzip, heißt es auf der Internetseite der Lübecker Waldorfschule, die rund 650 Schüler hat.

Die Experimente mit Schwarzpulver gingen einigen Eltern dann aber doch zu weit. Die „Lübecker Nachrichten“, die am Mittwoch von mehreren Rohrbomben-Experimenten zwischen 2009 und 2011 berichteten, zitierten eine Mutter mit den Worten: „Die Explosion war so heftig, dass die Kinder die Druckwelle im Bauch gespürt haben.“ Als sich Eltern beschwerten, soll die Schulleitung nach Angaben der Mutter den Vorfall heruntergespielt und gegen den Lehrer lediglich eine Abmahnung ausgesprochen haben. Die Schule wollte sich zu den Berichten nicht äußern. „Das ist ein schwebendes Verfahren, dazu sagen wir nichts“, sagte der Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der Waldorfschule Lübeck, Hans Peter Scherer.

Das schleswig-holsteinische Bildungsministerium will nach Angaben seines Sprechers Thomas Schunck zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten. „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, muss der Trägerverein entscheiden, ob er an dem Lehrer festhalten will“, sagte Schunck. Als Genehmigungsbehörde für die Privatschulen im Land kann das Ministerium einer Schule die Genehmigung entziehen. Das sei zum Beispiel dann möglich, wenn ein geordneter Unterricht nicht sichergestellt werden kann, weil Zweifel am Unterrichtskonzept oder an den Lehrern bestehen. Vom Dienst suspendieren könne das Ministerium Lehrer an Privatschulen allerdings nicht, sagte Schunck.

Erst im März 2011 hatte ein Lehrer in der Nähe von Lübeck Eltern empört, weil er während einer Projektwoche vor den Augen von Zehn- und Elfjährigen ein Kaninchen schlachten ließ. Er wollte ihnen zeigen, wie das Fleisch auf den Teller kommt.

dpa

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