Terrorverdächtiger (18) im Saarland festgenommen

Neunkirchen - In Neunkirchen haben die Sicherheitsbehörden einen islamistischen Terrorverdächtigen festgenommen. Der 18-jährige Konvertit wollte offenbar ein Mitglied der sogenannten Sauerlandzelle freipressen.

Das sagte Staatsanwalt Bernd Meiners in Saarbrücken. In Videoclips auf der Internetplattform Youtube drohte der aus Kamerun stammende Mann mit Bombenanschlägen in Deutschland, falls der verurteilte Terrorist Daniel Schneider nicht freigelassen werde. Es handele sich wohl um einen “fehlgeleiteten Jugendlichen“ und “Einzelgänger“ ohne Kontakte zur Terrororganisation Al-Kaida oder andere islamistische Terrorgruppen. Er bleibe in Haft und werde psychologisch begutachtet.

Der Verfassungsschutz war laut Staatsanwalt bereits im April auf den jungen Mann aufmerksam geworden. Damals habe der vom Christentum zum Islam Konvertierte Glaubensbekenntnisse im Internet verbreitet. Seither hätten die Ermittler eine zunehmende Radikalisierung festgestellt. Mitte Oktober habe er dann die drei Drohvideos über die Videoplattform im Internet verbreitet und zudem aus dem Internet Anleitungen zum Bombenbau heruntergeladen. Die Zeitung “Tagesspiegel“ zitierte Sicherheitskreise, wonach diese Sprengsätze “im Ernstfall funktioniert hätten“. Staatsanwalt Meiners berichtete außerdem von Plänen des Mannes, ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet oder in den Jemen zu reisen, um sich dort dem Dschihad (“Heiliger Krieg“) anzuschließen. Mangels Geld habe er die Reise jedoch nicht angetreten. Allerdings gebe es bislang keine Hinweise auf Kontakte zu internationalen Terrorgruppen. Auch zu dem inhaftierten Terroristen Schneider, der ebenfalls aus Neunkirchen stammt, habe der junge Mann keine “persönliche Verbindung“ gehabt, sagte der Leiter des saarländischen Verfassungsschutzes, Helmut Albers.

Prozess gegen die Sauerland Gruppe

Die Bilder vom Terrorprozess gegen die Sauerlandgruppe

Er wohne erst seit Dezember 2009 in Neunkirchen und habe zuvor in Recklinghausen gelebt. Der Anwalt Schneiders habe bereits vorige Woche im Namen seines Mandanten jede Verbindung zu den Drohvideos bestritten. Schneider war im Frühjahr in Düsseldorf zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Als Mitglied der Terrorgruppe Islamischer Dschihad Union (IJU) hatte er Bombenanschläge auf US-Einrichtungen, Diskotheken und Flughäfen mit vorbereitet. In den im Internet aufgetauchten Videos in schlechter Bild- und Tonqualität verkündet ein Vermummter, dass “deutsche Mudschahidin“ Deutschland den Krieg erklärten, wenn Daniel Schneider, in der Islamistenszene auch als Abdullah bekannt, nicht freigelassen und nach Afghanistan ausgeflogen würde. In einer der Aufnahmen ist auch von “zehn deutschen Mudschahidin“ die Rede.

dapd

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