EU verbietet Handel mit Robbenprodukten weitgehend 

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Robben sind wegen ihres Fells und ihres Fettes begehrte Beute. Allein in Kanada werden jährlich rund 300.000 Tiere getötet.

Brüssel - Starkes Signal gegen die Robbenjagd: Das EU-Parlament hat ein weitreichendes Handelsverbot für Robbenfelle und andere Produkte verabschiedet, die etwa aus Robbenfett gewonnen werden.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas begrüßte die Abstimmung als klare Antwort auf “die Sorgen vieler europäischer Bürger über die grausamen Methoden der Robbenjagd“.

Zulässig ist der Handel ab dem kommenden Jahr nur noch in geringem Umfang für Robbenprodukte, die aus von Inuit erlegten Tieren gewonnen wurden. Mit dieser Ausnahme soll den Ureinwohnern von Kanada, Alaska und Grönland die Aufrechterhaltung ihrer traditionellen Lebensweise ermöglicht werden.

Die EU-Kommission soll nach dem Willen des Parlaments ein System zur Rückverfolgbarkeit der Produkte entwickeln, um Missbrauch zu vermeiden. Die Einfuhr der besonders begehrten weißen Pelze von Robbenbabys ist in der EU schon seit 1993 verboten. Handelsverbote für die Felle und das Fleisch älterer Tiere gibt es aber erst in wenigen EU-Ländern. Das Bundeskabinett in Berlin beschloss am 1. April einen entsprechenden Gesetzentwurf, der aber noch nicht in Kraft ist.

Robbenöl auch in Gesundheitspräparaten

Einen wachsenden Markt gibt es laut EU-Kommission auch für Robbenöl, das in Form des Nahrungsergänzungspräparats Omega-3-Kapseln auf den Markt gebracht wird. Diese Kapseln, die zum Teil auch aus Fischöl hergestellt werden, sollen gegen hohen Blutdruck und Herz-Kreislauf-Beschwerden helfen. Allein in Kanada werden jährlich rund 300.000 Robben getötet. Wegen der teilweise grausamen Jagdmethoden mit Knüppeln, Netzen und dem Hakapik, einer Art Spitzhacke, fordern Tierschützer schon seit Jahrzehnten ein umfassendes Handelsverbot. Außer in Kanada werden Robben auch in Grönland sowie in den EU-Staaten Finnland, Schweden und Großbritannien gejagt.

Sofern dies ausschließlich zur Regulierung der Fischbestände geschieht, dürfen diese Länder Robbenprodukte auch künftig in andere EU-Staaten exportieren. Die EU-Kommission hatte ursprünglich sehr viel großzügigere Ausnahmeregeln vorgeschlagen: Sie wollte alle Robbenprodukte aus “Jagden mit einem hohen Tierschutzniveau“ zulassen. Die Grünen-Europaabgeordnete Heide Rühle erklärte dazu am Dienstag: “Eine 'tierschutzkonforme' Jagd ist aufgrund der klimatischen und geografischen Bedingungen nahezu unmöglich und auch nicht zu kontrollieren.“

Kanada und Norwegen wollen Verbot anfechten

Die Tierschutzorganisation PETA erklärte, mit dem nun beschlossenen umfassenden Handelsverbot werde “der Absatz von Robbenprodukten, in erster Linie Felle, für Kanada drastisch einbrechen“. Das Land müsse nun “endlich das Robbenschlachten ein für alle Mal beenden“. Kanada und Norwegen haben aber bereits angedroht, gegen ein EU-Handelsverbot Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) einzulegen.

Scharfe Kritik kam am Dienstag auch von Vertretern der Inuit. Trotz der für die Ureinwohner Kanadas, Alaskas und Grönlands vorgesehenen Ausnahmen fürchten die Inuit Absatzprobleme. “Wir haben keine andere Einnahmequelle“, sagte ein Sprecher des Jagdverbands Amarok im kanadischen Iqaluit.

AP

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