Zugunglück: Strecke bis Dienstag gesperrt

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Beim Zusammenstoß zweier Züge im niedersächsischen Peine sind am späten Mittwochabend 16 Menschen verletzt worden.

Peine - Beim Zusammenstoß zweier Züge im niedersächsischen Peine sind am späten Mittwochabend 16 Menschen teils schwer verletzt worden. Die Strecke Braunschweig-Hannover bleibt bis Dienstag gesperrt.

Die Unglücksstelle zwei Kilometer vor dem Bahnhof von Peine bot am Donnerstag ein Bild der Verwüstung: Am Führerstand tief eingedrückt lag eine rote E-Lok zusammen mit einem Reisezugwagen in einem Garten neben dem Bahndamm. Auf dem Gleisen lagen demolierte Teile von sechs blauen Schüttgut-Waggons, die bis zur Kollision um 23.30 Uhr am Mittwochabend noch mit feinen Kies gefüllt waren. Bei dem Unglück wurden der Führer der E-Lok schwer und 15 Reisende leicht verletzt. Weitere 51 Reisende hatten Glück im Unglück und blieben unverletzt.

Bilder vom Unglücksort

Schweres Zugunglück in Niedersachsen

Die rote E-Lok zog einen Regionalexpress, der von Rheine nach Braunschweig unterwegs war. Der Güterzug der privaten Mittelweserbahn sollte mit 49 Waggons feinen grauen Kies von Quedlinburg in den Raum Emden transportieren. Nach Angaben des Eisenbahnbundesamtes entgleiste mindestens ein Waggon des Güterzuges aus noch ungeklärter Ursache schon vor dem eigentlichen Unglück. An der Unfallstelle war deutlich zu sehen, dass aus den Schienen gesprungene Räder auf einer Strecke von mindestens zehn Metern im Gleisbett Betonschwellen demoliert hatten. Nach Angaben der Bundespolizei wird der Lauf der Achsen von Güterzügen regelmäßig durch neben den Gleisen stehende Achszähler kontrolliert.

Laut Eisenbahnbundesamt erhielt die Bahn auch von dem Güterzug bei Peine eine Fehlermeldung und forderte den Lokführer des Güterzuges daraufhin zum Stoppen auf. Beim Bremsen riss der Güterzug jedoch in Höhe der entgleisten Waggons auseinander. Die Lok des Güterzuges kam mit fünf Waggons weit vor der späteren Unfallstelle zum Stehen. Die Spitze des weit längeren hinteren Zugteils rutschte in den Bereich des Nachbargleises. Gegen sie prallte kurz darauf der herannahende Regionalexpress. “Es blieb keine Zeit mehr, um den Lokführer des Regionalexpress noch zu warnen“, sagte am Unglücksort der Sprecher der Bundespolizei, Christian Brandt. Die E-Lok des Regionalzugs wurde durch den Zusammenstoß nach rechts aus dem Gleis geschleudert, durchbrach eine Lärmschutzwand und kippte seitwärts in einen Garten. Dort prallte sie noch in einen kleinen Kinderspielplatz aus Rutsche und blauer Kletterburg. Ein Reisezugwagen rutschte mit in das Gartengelände. Ein weiterer Wagen durchbrach die Lärmschutzwand zum Teil.

Anwohner bergen Verletzte

Nach Angaben der Bundespolizei waren es die Bewohner des zu dem Garten gehörenden Hauses, die kurz darauf Scheiben der E-Lok und der ersten Reisezugwagen einschlugen. Sie befreiten Reisende und bargen den schwer verletzten 41-jährigen Lokführer. Dieser sei “mit mehreren offenen Beinbrüchen“ in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht worden, berichtete Brandt. Die meisten Reisenden des Regionalexpress' hatten nach seinen Worten “großes Glück“. Der Regionalexpress, der ansonsten mit bis zu 165 Stundenkilometern unterwegs ist, habe kurz vor dem Bahnhof von Peine seine Geschwindigkeit stark vermindert. 

Schaden in Millionenhöhe

Die Reparaturarbeiten an der Unglücksstelle werden voraussichtlich noch bis Dienstag dauern. In dem Garten hinter der Lärmschutzwand beseitigte am Donnerstagmittag ein Bagger die Reste des Kinderspielplatzes. Danach wurden Platten als Fundament für einen großen Kran gelegt, der mehr als hundert Tonnen heben kann. Der Sachschaden bewegt sich nach Angaben der Bundespolizei im Millionenbereich. Neben der E-Lok und den demolierten Waggons müssen zerstörte Gleise und Oberleitungen ersetzt werden. Für die in Bruchhausen-Vilsen ansässige Mittelweserbahn, die mit 50 Loks Güterzüge transportiert, war es nach eigenen Angaben der erste schwere Unfall in der zwölfjährigen Unternehmensgeschichte. Die Firma geht von einer technischen Ursache des Unglücks aus. “Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder war etwas am Gleis oder ein Waggon defekt“, sagte Geschäftsführer Hans-Peter Kempf.

dapd

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