Zwölfeinhalb Jahre Haft für Mitglied der "Schlapphut-Bande"

Göttingen - Im Verfahren um die spektakuläre Bankraubserie der so genannten Schlapphut-Bande hat das Landgericht Göttingen den Angeklagten Krzysztof S. zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Es war die größte Bankraubserie der deutschen Nachkriegsgeschichte: Bei 52 Überfällen erbeutete die sogenannte Schlapphut-Bande in den Jahren 2002 bis 2005 insgesamt rund 3,6 Millionen Euro. Am Freitag verurteilte das Landgericht Göttingen deren Mitglied Krzysztof S. wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung in sechs Fällen sowie unerlaubten Besitzes einer Maschinenpistole zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten.

Der 38-Jährige Pole hatte gestanden, zwischen Januar 2003 und August 2005 mit mehreren Mittätern sechs Banken in Ostdeutschland und Niedersachsen ausgeraubt zu haben. Die in wechselnder Besetzung agierende Bande, die bei allen Straftaten geladene Schusswaffen benutzte, hatte sich auf Filialen in ländlichen Regionen spezialisiert. Dabei ging sie teilweise äußerst dreist vor: Um die Polizei zu verwirren, überfielen insgesamt fünf Gangster im Juni 2004 in Torgau gleichzeitig die örtliche Sparkasse und die Raiffeisenbank und erbeuteten dabei rund 140.000 Euro.

Fluchtweg freigeschossen

Die Raubzüge seien hochprofessionell geplant und ausgeführt worden, sagte Richter Dirk Amthauer. “Aber ihre Glückssträhne ging in Göttingen zu Ende.“ Nachdem S. und ein Mittäter im August 2005 eine Bank in Wieda am Harz ausgeraubt hatten, schossen sie sich auf der Flucht in der Göttinger Innenstadt ihren Weg vor der Polizei frei. Dabei wurde ein Geschäftsmann aus Hessen am Kopf getroffen, der lebensgefährliche Hirnverletzungen erlitt.

Die Schüsse wurden aber nachweislich nicht von dem Angeklagten abgefeuert, der am Steuer des Fluchtwagens saß. Der Einsatz der Waffe sei nicht abgesprochen gewesen, betonte Richter Amthauer. Tatsächlich gelang den beiden Räubern in Göttingen die Flucht. S. wurde erst Anfang 2007 in Polen von einer Spezialeinheit festgenommen. Bei seiner Auslieferung nach Deutschland im Januar 2009 war mit den polnischen Behörden vereinbart worden, S. nur wegen jener sechs Fälle anzuklagen, die ihm die Staatsanwaltschaften Potsdam und Göttingen zur Last legten.

Weil der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegte und damit der Justiz einen langen Prozess und zahlreichen Zeugen eine belastende Befragung ersparte, senkte das Gericht das Strafmaß von 15 Jahren auf zwölf Jahre und sechs Monate.

AP

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