Auch „Heidi“ ist dabei

Karfreitag 2019: Diese Filme dürfen nicht öffentlich gezeigt werden

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Auch „Ghostbusters“ darf an Karfreitag nicht in den deutschen Kinos gezeigt werden.

Dass es heute an Karfreitag ein Tanzverbot gibt, ist bekannt. An stillen Feiertagen dürfen zudem über 700 Filme nicht (öffentlich) gezeigt werden.

Unser Artikel vom 19. April 2019:

München - Dass an Karfreitag ein Tanzverbot herrscht, ist allgemein bekannt. Der Grund:  An Karfreitag gedenken Christen des Todes Jesu Christi am Kreuz. Deswegen soll der Feiertag nach christlichem Glauben angemessen zurückhaltend verbracht werden. Aber auch viele kirchenferne Bundesbürger scheinen mit dem Tanzverbot und dem Verzicht auf Halli-Galli ganz gut zurechtzukommen: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2017 befürworteten 52 Prozent der Deutschen das Tanzverbot, 38 Prozent waren dagegen.

Was vielen nicht bewusst ist: An Karfreitag gilt in Deutschland auch ein Vorführverbot für rund 700 Filme. Hört sich erst mal super-streng an. Allerdings greift dieses Verbot nicht allzu sehr in unsere Freizeit-Gestaltung ein. 

Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zu den Film-Verboten an Karfreitag.

Karfreitag: Verbote, Bräuche und Traditionen

Wer verbietet die Aufführung von Filmen an Karfreitag?

Zuständig für die Vergabe von Altersfreigaben nach dem Jugendschutzgesetz, ist in Deutschland die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). Die FSK vergibt die bekannten Kennzeichnungen von Filmen wie „Freigegeben ab zwölf Jahren “ oder „keine Jugendfreigabe“.

Seit 1952 regelt die FSK aber auch die Freigabe von Filmen zur Aufführung an den sogenannten stillen Feiertagen, die in einigen Bundesländern besonderen Schutz genießen.

Grundlage der Aufführungsverbote in Kinos ist Artikel 140 des Grundgesetzes, wonach Sonntage und Feiertage gesetzlich geschützt sind. Genaueres ist in den Feiertagsgesetzen der Länder festgelegt.

Im Hinblick auf stille Feiertage wie Karfreitag, Allerheiligen oder dem Totensonntag dürfen laut FSK nur solche Filme öffentlich (!) aufgeführt werden, bei denen der „ernste Charakter“ gewahrt bleibt. Explizit schreibt das Kontroll-Gremium: „Filme, die dem Charakter dieser Feiertage so sehr widersprechen, dass eine Verletzung des religiösen und sittlichen Empfindens zu befürchten ist, erhalten hingegen keine Feiertagsfreigabe.“

Heißt konkret: Die öffentliche Aufführung von Filmen mit zu viel Sex, Gewalt oder Blödsinn ist an stillen Feiertagen wie Karfreitag verboten.

Welche Filme sind an Karfreitag verboten?

Die Liste ist lang. Mehr als 700 Produktionen dürfen an Karfreitag nicht öffentlich gezeigt werden. Die FSK hat zuletzt Anfang 2016 eine Liste mit über Filmen veröffentlicht, die keine Freigabe für die stillen Feiertage erhielten. 

Bei manchen Filmen erklärt eigentlich schon der Titel, warum sie an Karfreitag nicht aufgeführt werden dürfen. So finden sich Reißer wie „Horrorsex im Nachtexpress“, „Blutmesse der Zombies“ oder „Jungfrau unter Kannibalen“ auf der FSK-Liste. 

Diskussionswürdig mag sein, ob die Religions-Satire "Monty Phythons - Das Leben des Brian" am Karfreitag im Kino laufen muss oder der Prostitutions-Werbefilm „Die flambierte Frau“.    

Dann gibt es aber auch Filme, die nach heutigem Verständnis eher harmlos sind, wie der Bud-Spencer-Klopper „Banana Joe“, die Luftkampf-Action „Top Gun“ oder Komödien wie „Police Academy“ oder „Ghostbusters“.

Auf ihrer Website räumt die FSK sogar ein, dass ein Feiertags-Verbot mancher Filme nach heutigen Standards schwer nachvollziehbar ist: "Sicherlich diskussionswürdig ist, inwieweit diese Regelung insgesamt noch als zeitgemäß empfunden wird. Hier wären ein gesellschaftlicher Diskurs und der Gesetzgeber gefragt.“

Wenn sich nun jemand wundert, warum der „Heidi“-Film von 2001 oder „Nick Knatterton“ an Karfreitag verboten ist: Tatsächlich liegt es bei vielen Filmen nicht an ihrem Inhalt, dass sie auf der FSK-Liste stehen. Denn: Die Feiertagsfreigabe muss von den Filmverleihen genauso beantragt werden, wie die Altersfreigabe. Nicht alle Verleihe haben das beachtet. Deswegen landeten auch harmlose Filme auf der Liste. Mittlerweile sind die Prüfung der Altersfreigabe und der Feiertagsfreigabe gekoppelt. So landen nur noch ein Prozent der neuen Filme auf der Liste.

Hier finden Sie eine Auswahl an Filmen, die an Karfreitag verboten sind:

  • Mad Max
  • Der Kleine mit der großen Schnauze
  • Fritz The Cat
  • Batman hält die Welt in Atem
  • Die Abenteuer des Rabbi Jacob
  • Tanz der Vampire
  • Didi und die Rache der Enterbten
  • Piratensender Powerplay
  • 1941 ‐ wo, bitte, geht's nach Hollywood?
  • Caligula
  • Banana Joe
  • Blutrausch der Zombies
  • Horrorsex im Nachtexpress
  • Die nackte Bombe
  • Vergiß beim Sex die Liebe nicht ‐ Schulmädchen‐Report 13. Teil
  • Monty Pythons ‐ Das Leben des Brian
  • The Rocky Horror Picture Show
  • Piranhas II ‐ Die Rache der Killerfische
  • Jungfrau unter Kannibalen
  • Eis am Stiel 3. Teil ‐ Liebeleien
  • Bonnie und Clyde
  • Die Brüder Löwenherz
  • Mary Poppins
  • Didi Hallervorden ‐ Alles im Eimer
  • Aliens ‐ Die Rückkehr
  • Kursaison im Dirndlhöschen
  • Mel Brooks verrückte Geschichte der Welt
  • Conan ‐ Der Barbar
  • Das Ding aus einer anderen Welt (Version von 1982)
  • Nur 48 Stunden
  • Dirty Harry kommt zurück
  • Didi ‐ Der Doppelgänger
  • Heidi in den Bergen (2001)
  • Ghostbusters ‐ Die Geisterjäger
  • Der Terminator
  • Django
  • Der City‐Hai
  • Die City-Cobra
  • Top Gun ‐ Sie fürchten weder Tod noch Teufel
  • Rififi am Karfreitag
  • Predator
  • Masters of the Universe
  • Robocop
  • Charley's Tante (1989)
  • Road House
  • Friedhof der Kuscheltiere (1989)
  • Feuer, Eis & Dynamit
  • Nick Knatterton's Abenteuer (1994)
  • Scream ‐ Schrei!
  • Blade
  • John Carpenter's Vampire
  • Lammbock
  • Jackass: The Movie
  • 28 Days Later
  • Freddy Vs. Jason
  • Dumm und Dümmerer 2
  • Crank 2: High Voltage
  • New Kids Nitro
  • Hitman: Agent 47
  • Vacation ‐ Wir sind die Griswolds

Die komplette Liste mit allen Filmen, deren öffentliche Aufführung an Karfreitag untersagt ist, finden Sie unter diesem Link bei der FSK.

FSK für Filme und Serien: Wie funktioniert eigentlich die Altersfreigabe?

Inwieweit muss ich mich an das Verbot von Filmen am Karfreitag halten?

Wichtig! Das Aufführungsverbot von Filmen an Karfreitag gilt nur für Kinos und öffentliche Aufführungen. Zur Erinnerung: Die gesetzliche Regulierung stammt aus dem Jahr 1952. Damals liefen Filme entweder im Kino oder gar nicht. Das Fernsehen war Anfang der 50er-Jahre noch recht unbedeutend.

Seitdem wurde das Gesetz nicht mehr überarbeitet. Insgesamt hat das Vorführverbot laut FSK-Geschäftsführer Stefan Linz mittlerweile kaum noch Relevanz. 

Im Fernsehen dürfen die Filme gezeigt werden – dafür muss aber eine Feiertagsfreigabe beantragt werden. Auch auf Streaming-Portalen wie Netflix, Amazon Prime oder Maxdome kann man die Filme ohne Feiertagsfreigabe problemlos sehen.

Der Beweis: „Jackass: the Movie“ ist laut FSK „nicht feiertagsfrei“, kann aber auch am Karfreitag auf Netflix problemlos geguckt werden.

Heißt also: Wer am heutigen Karfreitag „Mary Poppins“, „Batman hält die Welt in Atem“ oder „Dumm und Dümmerer 2“ privat sehen will, wird daran nicht gehindert. „Nicht feiertagsfreie“ Filme dürfen daheim natürlich auch auf DVD oder Blu-Ray gekuckt werden.

Und dass die Kinos aus wirtschaftlichen Gründen lieber aktuelle Blockbuster wie „Captain Marvel“ oder „Shazam!“ zeigen, liegt eh auf der Hand. Mit einem Schwarzenegger-Schinken aus den 80ern wie „Der City‐Hai“, der an Karfreitag nicht aufgeführt werden darf, lockt kein Kino einen Zuschauer an. 

Verbot von Filmen an Karfreitag: Welche Strafen drohen?

Zeigt ein Kinobetreiber einen der gelisteten Filme an Karfreitag (oder an einem der anderen stillen Feiertage), muss er mit einer Geldstrafe rechnen.

Tatsächlich können Filme auch wieder von der „schwarzen Liste“ verschwinden: Soll ein Film gestrichen werden, ist ein kostenpflichtiger Antrag notwendig. Wird dieser nicht gestellt, bleibt das Verbot unbefristet bestehen.

fro

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