10 Jahre Campus Westend

+
Blick auf den neuen Anbau der Mensa auf dem Campus Westend. Hier wird der künftige Standort der Goethe-Uni sein. Foto:

Frankfurt - Zwischen dem denkmalgeschützten Poelzig-Bau und ausgedehnten Parkanlagen wächst in Frankfurt seit zehn Jahren der Uni-Campus Westend. Unter dem Motto „eingelebt“ feiert die Uni am heutigen Freitag die Anfänge. Von Ira Schaible

„Dank der enormen Anstrengung der öffentlichen Hand verfügt die Goethe-Universität heute über einen der schönsten und vor allem modernsten Universitätsstandorte Deutschlands und Europas“, schwärmt Hochschul-Präsident Werner Müller-Esterl. Ob der - wie geplant - bis 2015 und damit ein Jahr nach dem 100. Geburtstag der Uni fertig wird, ist fraglich. Derzeit studieren 18.000 junge Menschen im Westend.

Die ersten Fachbereiche residieren dort seit 2001. Der eigentliche Ausbau begann im Jahre 2006. Ziel ist es, völlig aus Bockenheim wegzuziehen und alle Studienbereiche, die Verwaltung und die Zentralbibliothek auf das bis in die 90er Jahre durch die US-Streitkäfte genutzte Areal neben dem Grüneburgpark zu verlegen. Vor drei Jahren endete die erste Ausbaustufe im Norden des Geländes. Rechts- und Wirtschaftswissenschaften bezogen ihr gemeinsames Gebäude, die Studenten erhielten ein Hörsaal-Zentrum, und die Mensa wurde erweitert. Auch zwei Studentenwohnheime, eine Kindertagesstätte und nicht zuletzt das „House of Finance“ für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sind gebaut worden.

Gebäude sollen 2012 bezogen werden

Der zweite Bauabschnitt mit den Geistes- und Sozialwissenschaften, der Hochschulverwaltung, dem Forschungsschwerpunkt „Herausbildung normativer Ordnungen“ sowie dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte liegt jedenfalls im Plan, wie Uni-Sprecher Olaf Kaltenborn versichert. „Außer dem Max-Planck-Institut sollen alle Gebäude 2012 bezogen werden.“ Geplant ist ferner eine Tiefgarage mit 500 Stellplätzen. Die dritte Ausbaustufe sieht den Bau einer neuen Universitätsbibliothek, eines Studentenhauses sowie der Institute für Musik, Kunst und außereuropäische Sprachen vor. Die Verhandlungen mit dem Land über diesen Bauabschnitt sowie die Räume für die Fächer Mathematik und Informatik beginnen derzeit. „Über die Erfolgsaussichten kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verlässliche Prognose abgegeben werden.“

Das gesamte Projekt der ältesten von Bürgern gestifteten Universität in Deutschland ist gigantisch: Die Kosten für den Umzug vom Gründungsareal Bockenheim und die Modernisierung der Uni-Klinik beziffert Kaltenborn auf rund zwei Milliarden Euro. Neben Campus Westend und Klinikum wächst ein dritter Standort für die Naturwissenschaften auf dem Riedberg im Norden der Stadt. Seit 2008 ist die Hochschule Stiftungsuniversität, das Vermögen beträgt derzeit rund 144 Millionen Euro.

Kulturcampus soll Heimat der Szene werden

Die Entwicklung des Campus Westend hängt ganz wesentlich von der Zukunft des rund 17 Hektar großen Filetstücks in Bockenheim ab. Neben Wohnungen und Gewerbe soll dort auf einem Kulturcampus die innovative und in der Stadt verstreute Kulturszene eine Heimat finden. Die Stadt verhandelt mit dem Finanzministerium über den Kaufpreis für das citynahe Areal, dessen Wert nach Darstellung des Ministeriums auf 80 bis 100 Millionen Euro geschätzt wird. Die Verhandlungen sollen bis Jahresende abgeschlossen sein.

Der Verkauf soll den Umzug der Uni mitfinanzieren, die nach eigener Darstellung mit voraussichtlich mehr als 40.000 Studenten im Wintersemester zu den drei größten der Republik gehört. Offizielle Planungen gehen von maximal 28.000 Studenten auf dem Westend-Campus aus. Den Campus Bockenheim könne die Hochschule aber erst ganz verlassen, wenn die benötigten neue Räume bezugsfertig seien, sagt Kaltenborn.

Quelle: op-online.de

Kommentare