Fünf Todesopfer aus dem Kreis Offenbach

Mutmaßlicher Verursacher schweigt nach Horror-Unfall

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Bild von der Unfallstelle im September 2013.

Wiesbaden - Ein 42 Jahre alter Autofahrer, der sich nach einem Unfall mit fünf Toten auf einer Bundesstraße im Taunus wegen fahrlässiger Tötung verantworten muss, hat vor Gericht zu den Vorwürfen geschwiegen.

Als der 42-jährige Angeklagte Saal 20 des Wiesbadener Amtsgerichts betritt, hat er einen Aktenordner vor dem Gesicht. Die Mütze seines Kapuzenpullis ist tief nach unten gezogen, eine Basecap und eine Brille verdecken den Blick in die Augen des untersetzten Mannes, der durch sein rücksichtsloses und riskantes Überholen den Tod von fünf Männern verursacht haben soll. Fast genau auf den Tag zwei Jahre ist der Unfall auf einer Bundesstraße im Taunus her. In ersten Vernehmungen hatten der Autofahrer bestritten, für die Vorgänge auf der Strecke zwischen Nassau und Bad Schwalbach verantwortlich zu sein. Zum Prozessauftakt am Mittwoch schweigt er zu den Vorwürfen.

Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und Unfallflucht. Nachdem das mit den fünf Männern im Alter von 30 bis 45 Jahren besetzte Auto mit Offenbacher Kennzeichen frontal auf einen Lkw geprallt war, soll er einfach weitergefahren sein. Die tragische Kollision ereignete sich an einem frühen Donnerstagmorgen im September. Viele Pendler sind auf dem Weg zur Arbeit. Auch zwei Lkw der Straßenverkehrsbetriebe brechen zu einer Baustelle auf der B 260 auf. Weil sei recht langsam unterwegs sind, bildet sich eine längere Kette von Fahrzeugen auf der Strecke Richtung Wiesbaden hinter ihnen. Autos beginnen auf der hügeligen Strecke mit dem Überholen.

Der Unfallverursacher war mit seinem Wagen nicht direkt hinter dem Lkw, überholte aber trotzdem von hinten. Erst habe er sich zwischen die beiden Lastwagen geschoben. Dann sei er auf der leicht nassen Gefällestrecke erneut zum Überholen ausgeschert, berichtet der Lastwagenfahrer mit brüchiger Stimme, der auch zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall in psychologischer Behandlung und arbeitsunfähig ist. Er habe das entgegenkommende Auto gesehen und gedacht: "Das kann nicht gutgehen." Um einen Unfall zu vermeiden, sei der Wagen auf den rechten unbefestigten Seitenstreifen ausgewichen und dann frontal auf seinen Lastwagen zugerast.

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Er habe noch die aufgerissenen Augen eines Mannes gesehen und mit aller Kraft gebremst, sagt der 49-Jährige aus. Dennoch habe er das Auto nach dem Aufprall noch etwa 50 Meter mit seinem Lkw mitgeschleift. Der Unfallverursacher müsse beim Überholen das entgegenkommende Fahrzeug gesehen haben, schildert er seine Wahrnehmung. Andere Zeugen äußern sich ähnlich zu den Vorkommnissen: Wegen des vielen Gegenverkehrs sei es an diesem Herbsttag sehr schwierig gewesen, zu überholen. Das Auto, das als roter BMW mit Rüdesheimer Kennzeichen beschrieben wurde, sei riskant unterwegs gewesen. Berichtet wurde auch von einem auffälligen Aufkleber auf der Heckscheibe des Autos.

Der Angeklagte verfolgte die Aussagen mit blassem Gesicht und überwiegend gesenktem Blick, Hände und Arme vor sich verschränkt. Auf seine Spur waren die Ermittler durch Zeugenaussagen gekommen. Auf dem Wagen des Tatverdächtigen wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwar kein Aufkleber gefunden. Experten hätten aber Kratzspuren auf dem Heck analysiert, die auf ein Entfernen eines Aufklebers schließen lassen könnten. In den Befragungen nach einem der schwersten Unfälle Hessens hatte er angegeben, nichts mit dem den Unfall bei Heidenrod-Mappershain (Rheingau-Taunus-Kreis) zu tun zu haben: Er sei auf dem Weg zu Arbeit gewesen und habe auf der Strecke Richtung Wiesbaden nicht überholt.

dpa

Quelle: op-online.de

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