Abzocke im Netz soll ein Ende haben

Frankfurt - Ein kleiner Klick an unauffälliger Stelle - und schon ist man ein Zeitschriften-Abonnent. Damit soll nun Schluss sein. Aber die Probleme mit unseriösen Verkaufsmethoden hören noch lange nicht auf. Und wenn es ans Kassieren geht, liegt ganz viel im Argen.

Mit dem neuen Gesetz zu Geschäften im Internet hoffen Verbraucherschützer auf ein Ende der Abzocke mit Abofallen. Ab August müssen Internethändler bei jeder Bestellung deutlich sichtbar einen „Kosten-Button“ einblenden. „Greift das neue Gesetz, könnte das massenhafte Unterjubeln von Verträgen erfolgreich eingedämmt werden“, sagten Vertreter der Verbraucherzentrale Hessen (VZH) in Frankfurt. Allerdings habe es sechs Jahre gedauert, bis das Gesetz fertig war.

So lange dürfe es bei unerlaubter Telefonwerbung nicht dauern, forderte VZH-Vorstand Jutta Gelbrich. Die bisherigen Regeln seien unzureichend. Sie verhinderten nämlich nicht, dass sich Anrufer als Vertreter der Verbraucherzentralen ausgeben, um die Opfer in sogenannte Sperrlisten einzutragen und angeblich vor Telefonwerbung zu schützen. Beschwerden über solche Vorfälle hätten nicht spürbar abgenommen, berichteten die Verbraucherschützer.

Hand in Hand mit Kostenfallen im Internet und unlauterer Telefonwerbung agierten oft unseriöse Inkasso-Firmen, die mit fragwürdigen Methoden das Geld für die ungewollte Leistung eintreiben und noch dazu nach Belieben saftige Gebühren aufschlagen: „Hier wird mit der Angst der Verbraucher gespielt“, sagte VZH-Experte Peter Lassek.

Nur ein Prozent der Forderungen waren berechtigt

Die Firmen drohten mit Hausbesuch, Klage, Zwangsvollstreckung oder sogar mit Verhaftung, wenn der Kunde nicht zahlen wolle. In einer Untersuchung von 4 .500 Beschwerden hätten die Verbraucherzentralen festgestellt, dass nur ein Prozent der Forderungen berechtigt gewesen seien.

Für die Inkasso-Branche, in der in Deutschland rund 750 Unternehmen tätig sind, gebe es zu wenig Regeln, keine Gebührenordnung und praktisch keine Kontrolle, kritisieren die Verbraucherschützer. „Die Aufsicht ist lax, die schwarzen Schafe zahlreich“, heißt es .

Generell hat sich das Netz für Betrüger zum Tummelplatz entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden in Hessen nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) rund 11 .000 Fälle von Betrug im Internet registriert. Die Täter agieren meist aus dem Ausland. Mit Fantasie und geklauter Identität können sie relativ risikoarm gutgläubige Menschen abkassieren. Persönlich erscheinen müssen sie dazu gar nicht. „Das Internet macht es den Tätern leicht, und sie sind sehr kreativ“, sagte Gaby Goebel-Andreas, Expertin für Internetkriminalitäts-Prävention im LKA. „Scamming“ - der Betrug im Netz - sei zahlenmäßig das größte Gebiet bei der Internetkriminalität. Die „Tätigkeitsfelder“ der Trickbetrüger reichen von Verkaufsgeschäften über Immobilien- und Partnervermittlung bis zu Mobbing oder Geldwäsche. Mancher Gutgläubige gerät in Gefahr, selbst straffällig zu werden, etwa wenn er über sein Konto illegal erworbenes Geld laufen lässt.

dpa

Quelle: op-online.de

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