Abzocker und Inkasso-Anwalt müssen zahlen

Frankfurt (re) ‐ Telefon- und Internet-Abzocker hoffen, dass ihre Opfer den Papierkrieg scheuen und sich nicht zur Wehr setzen. Und immer wieder setzen sie mit Hilfe zwielichtiger Inkasso-Anwälte unberechtigte Forderungen durch.

Dass es sich lohnt, den Betrügern entschieden entgegenzutreten, zeigt das Beispiel eines Verbrauchers aus Hessen. Er hatte im Kampf gegen die „Content Services Ltd.“ als Betreiber des Internetportals „opendownload.de“ und dessen Inkasso-Anwalt Olaf Tank seinen Rechtsanwalt eingeschaltet. Der Fall landete schließlich vor dem Amtsgericht Marburg, und das hat nun entschieden: Der Abofallen-Betreiber und sein Anwalt müssen dem Verbraucher Kosten in Höhe von 46,41 Euro erstatten, wie die Verbraucherzentrale Hessen gestern mitteilte. Das Gericht sieht in der Aufmachung des Internetportals eine Verbrauchertäuschung und versuchten Betrug.

Portale wie „opendownload.de“ bieten vermeintlich kostenlose Software-Produktbeschreibungen und redaktionelle Bewertungen. Doch wer sich anmeldet tappt in die Falle versteckter Hinweise und erhält wenig später eine Rechnung über 96 Euro. Unterstellt wird dabei der Abschluss eines Abo-Vertrages über zwei Jahre. Als „Gegenleistung“ gibt‘s in der Regel nichts anders als Programme, die ohnehin kostenlos im Internet erhältlich sind.

Das Amtsgericht Marburg meinte, dass der Hinweis auf die Kosten nicht deutlich genug hervorgehoben gewesen sei und zog einen Vergleich: „Ansonsten könnte jeder beim Kauf eines Pfundes Kaffee auf der Rückseite verpflichtet werden, noch einen Pkw zum Preis von 10 000 Euro abzunehmen.“. Insofern sei die Seite von „Content Services Ltd.“ und ihres „Directors“ Alexander Varin darauf angelegt, Internetnutzer über die Kostenpflichtigkeit der Angebote zu täuschen. Auch Rechtsanwalt Tank hätte klar sein müssen, dass er eine offensichtliche Nichtforderung geltend gemacht habe. Es habe sich bei seinem Verhalten also um Beihilfe zum versuchten Betrug gehandelt. (Az.: 91 C 981/09 - 81, Urteil vom 8. Februar 2010)

Erst kürzlich hatte die Verbraucherzentrale Hessen vor dem Internetangebot „top-of-software.de“ der Antassia GmbH aus Mainz gewarnt, deren Geschäftsführer im Übrigen auch Alexander Varin ist. Die Verbraucherschützer empfehlen Nutzern, die in Abofallen getappt sind: „Nicht zahlen, gegebenenfalls kurz und formlos den angeblich geschlossenen Vertrag bestreiten und sich auch von nachfolgenden Mahnungen und Rechtsanwaltsschreiben nicht einschüchtern lassen.“

Musterbriefe zur Abwehr unberechtigter Forderungen stehen auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hessen. Telefonische Beratung zum Verbraucherrecht gibt es montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr unter 0900 1 972010 (1,75 Euro pro Minute aus dem Festnetz). Beratungsstellen der Verbraucherzentrale zur Terminvereinbarung sind unter anderem in Frankfurt, Große Friedberger Straße 13-17 und Darmstadt, Luisenplatz 6.

http://www.verbraucher.de

Quelle: op-online.de

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