Zwei Redakteure beim Adventure-Golf

Golf im Abenteuerland

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Groß-Zimmern - Der erste Ball landet gleich im Loch. Hole-in-one! Wenn das so weitergeht, werde ich der neue Tiger Woods im Adventure-Golf. Wie der Golfball sich seinen Weg zum Ziel gebahnt hat, ist mir zwar noch schleierhaft, aber sei’s drum.  Von Daniel Schmitt und Alexander Kroh

Ich kann mich erst mal entspannt zurücklehnen. Daniel muss nachziehen.

Da hat Alex gut vorgelegt, scheint ja ziemlich einfach zu sein. Es scheint aber nur so: Mein erster Versuch rollt am Loch vorbei und landet hinter der Bahn im Aus – Strafschlag. Was ein Einstand! Keine Panik, ich habe ja noch sieben Schläge. Beim Adventure-Golf muss der Ball im Gegensatz zum Minigolf erst nach acht Versuchen eingelocht werden. Beim Minigolf sind es sechs.

Adventure-Golf in Groß-Zimmern ist anders – und in dieser Form noch einmalig in Deutschland. Kunstrasen statt Steinbahnen, Wasser statt Plastik, Sandbunker statt Metallloopings. Naturnah eben. Fast wie echtes Golfen, nur kleiner und bestens geeignet für zwei absolute Golfer-Jungfrauen.

Ich behalte die Nerven und loche mit meinem dritten Versuch ein, Alex liegt zwei Schläge vorn. Doch mein Rückstand ist nicht von langer Dauer. Nur zwei Bahnen später schlägt Alex zu fest, der Ball prallt von einem Stein ab und landet mit einem „Plopp“ im Teich. Um nicht gleich am dritten Loch die Hose wechseln zu müssen, versucht Alex den Ball mit seinem Schläger aus dem Wasser zu angeln. Er strengt sich an, streckt seinen rechten Arm – immerhin geht es um drei Euro, die ein Ballverlust kosten würde –, und darf wenig später zum Glück trocken seinen nächsten Versuch wagen.

Offener Schlagabtausch

„Die Steine sind deine Freunde“, ruft Daniel mir nach meinem Fehlschlag zu. Sehr witzig, Herr Kollege. Acht Schläge später habe ich etwas gelernt: Mit Wut im Bauch spiele ich nicht besser. Und noch etwas wird mir klar: Das Abenteuer bei diesem Spiel besteht im Wesentlichen darin, sich auf dem Platz zurechtzufinden. Wo ist überhaupt das richtige Loch? Von wo schlage ich ab? Ist das jetzt Bahn 13 oder 14? War das nicht mein Ball? Tatsache: Wir zwei sind nicht die einzigen, die mit leicht verwirrten Gesichtern über das Areal tapsen. Verständlich, denn beim Adventure Golf sind die Bahnen deutlich länger, gehen auch mal um die Ecke oder über Kreuz. Leichter wird es nach den ersten Bahnen nicht wirklich, jede hält eine neue Überraschung parat. So wie Bahn fünf.

20 Meter, ein Wasserhindernis, bergauf und wieder runter, an Steinen vorbei ins Loch. Mit zwei Schlägen soll die Bahn fünf machbar sein – hat man uns gesagt. Von wegen. Alex gerät schon außer Atem, als er ständig meinen verschlagenen Bällen nachlaufen muss: Nach dem sechsten Versuch habe ich genug, fluche, wedle mit meinem Schläger wild umher und handle mir die volle Punktzahl ein: eine glatte Neun.

Halbzeit. Nach neun von 18 Löchern liege ich mit gerade mal einem Schlag hauchdünn vor Daniel. Ein offener Schlagabtausch. Über eine kleine Holzbrücke gehen wir zur nächsten Bahn, dort wartet der gefürchtete Sandbunker. „Dran vorbei oder mitten durch?“, frage ich Daniel. „Vorbei ist besser“, meint er. Und ich schlage. Vorbei am Bunker – doch leider auch vorbei am Green. Neben der Bahn ist der Kunstrasen höher, das macht es nicht einfacher. Vielleicht wäre der Sand doch die bessere Variante gewesen.

Ausflug mit viel Spaß

Nächste Bahn: Alex hat vorgelegt, locker in drei Schlägen eingelocht, ich muss dranbleiben. Ich konzentriere mich, doch aus den Lautsprechern schallt Katy Perrys „Part of Me“. Wie soll ich da innerlich zur Ruhe kommen? Beim echten Golf ist das bestimmt nicht erlaubt. Und so fliegt mein Ball zwangsläufig dahin, wo ich ihn gar nicht sehen will, nämlich in Richtung meines Autos, das direkt hinter der Anlage parkt. Die Sorgenfalten auf meiner Stirn verwandeln sich Augenblicke später in Erleichterung. Der Ball hat das Auto verfehlt.

Mittlerweile ist mein Anfängerglück verpufft, Daniel hat mich auch ohne Blechschaden überholt. Vor dem letzten Loch bin ich gefordert, habe drei Schläge Rückstand. Ich stehe auf einer erhöhten Plattform, ein Meter Luft und zwölf Meter Bahn zwischen mir und meinem Ziel. Der erste Versuch schießt übers Ziel hinaus und landet auf der Nachbarbahn. „Ja sorry, das ist meiner. Nichts für ungut.“ Der Golfball findet erst mit dem siebten Schlag seinen Weg ins Loch. Zu viel. Das war’s.

Reingefallen: Fehlschläge können im Wasser landen.

Ich reiße die Arme hoch. Sieg im Abenteuerland! Die letzte Bahn beende ich ohne Druck mit vier Versuchen und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Sechs Schläge Vorsprung. Alex ärgert sich – aber nur kurz. Denn eigentlich hat der Ausflug ziemlichen Spaß gemacht. Entsprechend positiv fällt unser Fazit aus: Kreativ gestaltete Bahnen, naturnahe Hindernisse und ein wenig Chaos sorgen für ein abwechslungsreiches, gut 90-minütiges Golfabenteuer. Kleiner Wermutstropfen: der Eintritt kostet zwar nicht den Verstand, aber immerhin stolze 7,50 Euro pro Person.

Quelle: op-online.de

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