Ältere Hessen häufig ohne Job

Frankfurt (ku) - Zwar haben immer mehr ältere Hessen einen Job. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist aber recht gering. Diese Entwicklung geht aus Zahlen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Hessen hervor.

„Es ist erfreulich, dass bei der Beschäftigung Älterer erhebliche Fortschritte erzielt wurden“, erklärte der Leiter der Behörde, Frank Martin, gestern in Frankfurt. „Allerdings liegt die Beschäftigungsquote von Menschen über 50 Jahren immer noch signifikant niedriger als die der Gesamtbevölkerung.“ Angesichts des drohenden Mangels an qualifizierten Arbeitskräften müssten die Anstrengungen verstärkt werden. „Das zusätzliche Beschäftigungspotenzial älterer Arbeitnehmer in Hessen schätzen wir nach diesen neuen Zahlen auf rund 100 000. Hierauf können, wollen und dürfen wir nicht verzichten“, sagte Martin.

Die Beschäftigungsquote der 50- bis 64-Jährigen nahm von Dezember 2005 bis Dezember 2009 von 38,2 auf 43,6 Prozent zu, wie die Regionaldirektion mitteilte. Im selben Zeitraum sei die Quote der 55- bis 64-Jährigen um 6,1 auf 36,7 Prozent gestiegen. Am höchsten sei der Anstieg in der Gruppe von 60 bis 64 Jahren um 7,3 auf 23,9 Prozent ausgefallen. Die Beschäftigungsquote aller Menschen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre) habe im Dezember 2009 bei 51,2 Prozent gelegen.

An erfahrenen Mitarbeitern festhalten

Auffällig sei, dass während der Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit Älterer unterdurchschnittlich angestiegen sei, berichtete die Regionaldirektion nach einer Analyse der Zahlen. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit über 50-Jähriger betrug nur etwa zwei Drittel des Anstiegs aller Altersklassen.“ Der Leiter der Regionaldirektion erläuterte: „Die Entwicklung, dass Unternehmen nur in geringerem Umfang ältere Arbeitnehmer entlassen haben, ist erfreulich.“ Gerade diese Gruppe habe es schwer, nach einem Zeitraum der Erwerbslosigkeit wieder in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. „Ursächlich für das Festhalten an Älteren dürfte einerseits die ältere Arbeitnehmer begünstigende Sozialauswahl bei Entlassungen gewesen sein. Andererseits kann der drohende Fachkräftemangel, Unternehmen dazu veranlasst haben, vor allem an erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festzuhalten“, sagte Martin weiter.

Neue Herausforderungen für Gesellschaft und Unternehmen

Gleichzeitig arbeiten immer mehr Ältere in Hessen in einem Teilzeitjob. Die Quote der 50- bis 64-Jährigen habe von Juni 2005 bis zum Juni des vergangenen Jahres von 22,4 auf 25,2 Prozent zugenommen, teilte die Regionaldirektion weiter mit. Im selben Zeitraum sei die Teilzeitquote der 55- bis 64-Jährigen um 2,7 auf 23,6 Prozent gestiegen. „Am höchsten war der Anstieg der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahren um 3,1 Prozentpunkte auf 29,8 Prozent. Die Teilzeitquote insgesamt lag im Juni 2010 bei 20,7 Prozent.“

Martin erklärte: „Auf die Gesellschaft und auch Unternehmen kommen neue Herausforderungen hinzu.“ Der Fachkräftebedarf könne eine Chance für die Älteren werden. „Ihr Know-how wird für die Betriebe immer wichtiger. Die Kunst wird es sein, auf die spezifischen Anforderungen einer alternden Belegschaft einzugehen und Rahmenbedingungen für altersgerechtes Arbeiten zu schaffen.“

Quelle: op-online.de

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