70 Jahre - und kein bisschen rostig

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Verkauft zu keinem Preis: Besitzer Otto Weymann und sein betagter Begleiter. Foto: dpa

Fuldatal - Das Durchschnittsalter eines Autos in Deutschland liegt bei 8,3 Jahren. Otto Weymanns VW Käfer übertrifft diese Statistik bei weitem. Der Wagen wurde am 20. Mai 1942 gebaut - also vor genau 70 Jahren. Von Timo Lindemann (dpa)

„Das ist eine Sensation, dass er 70 Jahre lang läuft und immer noch TÜV bekommt“, sagt der pensionierte Gold- und Silberschmiedemeister aus dem nordhessischen Fuldatal-Simmershausen.

Unter Liebhabern gilt der Wagen als der älteste fahrbereite und angemeldete Käfer auf deutschen Straßen - ganz genau sagen kann das aber niemand. Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg weist in seiner Statistik knapp 170 000 der insgesamt 42 Millionen Autos mit Baujahr 1971 und älter aus. Weymann ist davon überzeugt, dass es keinen älteren Käfer gibt. Weymanns hat die Produktionsnummer 8032. Kein anderer habe eine niedrigere, betont er. Irgendwann gab es mal einen neuen Motor. Die 800 000 Kilometer Laufleistung sind daher geschätzt.

Ein Zuckerstückchen

Die „Bretzel“ hat die Farbe „Fliegergrau“.

„70 Jahre ist extrem selten. Das ist ein Zuckerstückchen“, sagt Ulrich Buckmann, Technikleiter vom ADAC Hessen-Thüringen. Es sei erstaunlich, dass der Wagen bis heute überlebt habe. „Rost war in den Baujahren weit verbreitet.“ Allerdings seien solche Fahrzeuge oft jahrelang vergessen worden - zum Beispiel in Scheunen. Bei der Laufleistung sei zudem sicher schon einiges an Reparaturen nötig gewesen. Aber da widerspricht Weymann vehement. „Da ist kein Rost dran.“

„Spannend ist aber auch die Historie der Besitzer“, betont Buckmann. Die liest sich düster: Am 20. Mai 1942 als sogenannter Kübelwagen gebaut, wurde der Auto-Senior am 22. Mai an das Heereszeugamt in Kassel ausgeliefert. Von dort aus ging er zur Wehrmacht nach München. Das Auto war drei Jahre lang der Einsatzwagen des Standortkommandanten am Flughafen München-Riem, erzählt Weymann.

Der Wagen gilt in der Statistik nicht als Käfer

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam das Auto in die Hände der amerikanischen Besatzer, bevor es 1950 an einen Karosseriebaumeister in München verkauft wurde.

Dieser „entnazifizierte“ den Wagen, wie Weymann sagt. Aus dem Kübelwagen wurde dank eines neuen Aufbaus ein VW Käfer. Weil der Wagen kein Original, sondern ein zum Käfer umgebauter Kübelwagen ist, gilt der Wagen in der Statistik von Volkswagen übrigens nicht als Käfer, wie der VW-Historiker Manfred Grieger sagt. Dort zählt er weiter als Kübelwagen Typ 82. Entscheidend sei das Fahrgestell.

Mit dem Auto am Nordkap

Einige Besitzer, darunter auch ein Barmusiker aus München, hatte das Auto noch, bevor Weymann es im Jahre 1975 erstand. Der wegen des geteilten Heckfensters auch „Brezel“ genannte Wagen bekam eine neue Lackierung - nämlich seine ursprüngliche, Fliegergrau. Und er wurde neu gepolstert. So fährt Weymann seit 37 Jahren damit regelmäßig zum Einkaufen. Vor fünf Jahren, als der Wagen sein „Rentenalter“ erreicht hatte, war er mit dem Auto sogar am Nordkap. An einem der vergangenen Wochenende stand ein Käfertreffen im Odenwald an. „Er hat durchgehalten“, sagt Weymann.

Käfer-Fan Weymann hat 1975 rund 2700 Mark (1380 Euro) für das Auto gezahlt. Mittlerweile ist der Wagen allerdings ein Vielfaches wert. 60 000 Euro habe ihm ein Amerikaner geboten - Weymann lehnte ab. Solange er atme, wolle er den Wagen auch fahren. „Der Wagen ist unverkäuflich. Meine Enkel haben auch großes Interesse.“

Quelle: op-online.de

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