Verkehrsverbund begrenzt Ersatzansprüche

RMV: Ärger mit der Zehn-Minuten-Garantie

Seit einigen Monaten gibt’s heftig Ärger beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Besitzer von Zeitkarten missbrauchen zunehmend die Zehn-Minuten-Garantie, um bei den Entschädigungszahlungen satt abzukassieren: Sie reklamieren Geld für Fahrten, die sie nie angetreten haben. Ab 31. März schießt der RMV zurück. Von Michael Eschenauer

Offenbach – Seit Juni 2017 bietet der RMV Fahrgästen, die mit einer Verspätung von mehr als zehn Minuten an ihrer Zielhaltestelle eintreffen, die Möglichkeit, Entschädigung zu beantragen. Sie bringt beim Einzelticket bis zu sechs Euro. Bei Tages-, Wochen-, Monats-, und Jahreskarten sowie beim Job- und Semesterticket wird der Betrag anteilsmäßig errechnet. So zahlt der RMV beispielsweise bei einer Monatskarte für das Offenbacher Stadtgebiet 1,20 Euro pro Verspätungsfall. „Das ist eine großzügige und freiwillige Regelung“, so Sprecherin Vanessa Rehermann.

Umso mehr ärgert sich der RMV über Betrüger, die über die Verbindungsauskunft des RMV Hinweise auf verspätete Züge und Busse auswerten und Erstattungen beantragen für Fahrten, die sie nie gemacht haben. Weil sie Zeitkarten besitzen und nicht das ausgedruckte Ticket vorlegen müssen, ist der Trick für den RMV schwer nachzuweisen. 95 Prozent der Anträge werden von Zeitkartenbesitzern gestellt. 93,4 Prozent aller S-Bahnen kommen seit dem 1. Januar mit einer Verspätung von bis zu sechs Minuten an.

Betrüger prahlen im Internet

In Internet-Foren prahlen die Trickser, sie würden sich ihre Monatskarte vom RMV bezahlen lassen. Manche reklamieren sogar Erstattungen für Fahrten, die sie physisch gar nicht angetreten haben können – es sei denn, sie könnten sich zweiteilen. Es wurden sogar mehrere Anträge für die gleiche Fahrt gestellt, oder verschiedene Antragsteller nutzten ein und dieselbe Zeitkarte.

Die an einem durchschnittlichen Tag in einer vierstelligen Größenordnung eintreffenden Anträge durchliefen zwar einen Plausibilitäts-Check und würden individuell geprüft, so Rehermann. Doch all dies sei extrem arbeitsintensiv. Man gehe davon aus, dass mittlerweile rund fünf Prozent der Verspätungsfälle getürkt seien. Seit Mitte 2017 wurden 1,5 Millionen Anträge auf Erstattung gestellt. Insgesamt flossen bisher 3,6 Millionen Euro an die Kunden.

Bilder: In wenigen Schritten zum RMV-Handy-Ticket

Jetzt reagiert der RMV: „Wir schränken nicht unsere Garantie ein, sondern deren Missbrauch“, so RMV-Chef Knut Ringat. Bisher konnten unbegrenzt viele Anträge pro Tag auf Entschädigung gestellt werden. Da kamen in Extremfällen bis zu 40 Fahrten zusammen. Ab 31. März plant der RMV eine Regelung, derzufolge nur maximal drei Anträge pro Tag gestellt werden können – auch bei Fällen höherer Gewalt wie Unwetter oder Streiks.

Die neue Begrenzung bleibe für die allermeisten Fahrgäste ohne Belang, weil sie ohnehin nicht derart viele Anträge stellten, so Rehermann. Vorgesehen ist ferner, dass die Erstattungen maximal ein Drittel des Wertes der jeweiligen Zeitkarten erreichen dürften. Dies gilt nicht für Einzel- und Tageskarten. Bei nachgewiesenem Betrug kann der Antragsteller für ein Vierteljahr für Entschädigungen gesperrt werden. Extrem dreiste Kandidaten werden zudem weiterhin angeschrieben und verwarnt – unter Androhung einer Strafanzeige. Angezeigt wurde bislang allerdings noch niemand.

Ebenfalls ab April soll die bisher nur per Laptop oder Computer mögliche Antragstellung auch über Smartphone funktionieren. Auch das Kundenportal mein RMV soll bald für Erstattungen genutzt werden können.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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