Hessen Spitze bei befristeten Verträgen

Ärger um prekäre Jobs für Lehrer

Wiesbaden - Befristete Verträge für Lehrer sind stets ein Dauerbrenner vor den Sommerferien. Hessen stehe bundesweit dabei am schlechtesten da, prangert die Lehrergewerkschaft GEW an. Von Petra Wettlaufer-Pohl und Michael Eschenauer 

Die eine arbeitet jahrelang als Klassenlehrerin an einer Grundschule, eine andere hält den gesamten Musikunterricht einer Schule aufrecht. Aber jedes Mal, wenn die Sommerferien vor der Tür stehen, wissen diese Vertretungslehrkräfte nicht, wie es sechs Wochen später weitergeht. Denn ihre Verträge sind befristet. Auch für Schüler und Eltern gerade in Grundschulen ist das eine unbefriedigende Situation. Einen unhaltbaren Zustand nennt die Lehrergewerkschaft GEW das alljährliche Ärgernis, sie berät Lehrkräfte mit Kettenverträgen. GEW-Landeschef Jochen Nagel berichtete gestern in Wiesbaden, manche Lehrer gingen mit dem Versprechen der Schulleitungen in die Ferien, dass es bestimmt weitergehe, womöglich gar mit einem unbefristeten Vertrag. Darauf verlassen könnten sie sich nicht, für viele sei das ein existenzielles Problem.

Auch im Kultusministerium kennt man die Beschwerden über prekäre Jobbedingungen für Lehrer. Laut Ministeriumssprecher Christian Henkes sinkt die Zahl der befristet besetzten Stellen seit 2010 aber - von 3570 auf 2811 in diesem Jahr. Allerdings stünden nicht alle betroffenen Lehrkräfte mit der Befristung auf Kriegsfuß: Für Zahnärzte, Schreiner und Bäcker etwa, die wenige Stunden an Berufsschulen tätig sind, sei das ganz normal. Und auch die Gewerkschaft bestätigt, dass Betroffene „in Einzelfällen“ lieber mit einem befristeten Vertrag in Nordhessen arbeiteten, als mit einer Entfristung womöglich im teuren Frankfurt zu landen. Wer zudem 39 Wochen vor oder nach den Sommerferien unterrichtet, bekommt seit 2009 auch die Ferien bezahlt.

Nagel kritisiert aber, dass die Staatlichen Schulämter darauf achteten, dass Ansprüche auf Ferienbezahlung oder auf unbefristete Verträge nicht entstünden. In Einzelfällen würden aber auch unbefristete Verträge angeboten - wenn klar sei, dass das Land bei einer Klage vor dem Arbeitsgericht unterliegen würde. Michael Köditz, Vorsitzender der GEW in Offenbach, beklagt die unter den Lehrern entstandene Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es sei nicht zutreffend, dass in Hessen befristete Arbeitsverträge für Lehrer ausschließlich für Zeiten der Krankheit oder der Elternzeit abgeschlossen würden. In den Schulleitungen besitze man „genug kreative Energie“, um diese Regelungen durch formale Tricks zu umgehen und den eingestellten Zeitarbeiter als generelle Verstärkung des Lehrerpools insgesamt zu nutzen. Gefordert wird ein faires Qualifizierungs-, Entlohungs- und Einstellungsprogramm für all jene Lehrkräfte mit Zeitverträgen, die sich über Jahre bewährt hätten.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare