Ärzte in Region gehen auf die Barrikaden

Rhein-Main  - Derzeit lassen die Verbände eine Urabstimmung anlaufen, so ein Sprecher. Bundesärztekammerchef Frank Ulrich Montgomery spricht von einem „heißen Herbst“. Auch im Rhein-Main-Gebiet sind viele Ärzte sauer und zu harten Maßnahmen bereit. Von unseren Redaktionen

Reinhold Jerwan, Allgemeinmediziner und Obmann der Dietzenbacher Ärzteschaft, zu unserer Zeitung: „Es kann nicht sein, dass wir jedes Jahr weniger Honorar kriegen, dass wir immer nur zurückgesetzt werden bei steigenden Preisen, und die Krankenkassen haben einen Überschuss. Wenn ich höre, dass einer Internistin aus der Region beispielsweise nur 2000 Euro im Monat bleiben, dann geht das ohne Privatpatienten gar nicht mehr. “ Für den ersten Hausbesuch bei einem Patienten bekomme er 16 Euro, für den zweiten nur noch acht und für den dritten gar nichts mehr.

„Selbst wenn beispielsweise ein Rentner 20mal im Quartal in die Praxis käme, erhält der behandelnde Arzt nur eine Pauschale von 24 oder auch 26 Euro. Das war’s. “ Und Jerwan fügt hinzu: „Wir leisten viel, tragen eine hohe Verantwortung, die meisten meiner Kollegen kämpfen, werden auch mal am Wochenende oder nachts gerufen. Da sollte man doch Gerechtigkeit walten lassen. Den Ärzten steht ein höheres Honorar zu. “.

„Aus ethischer Sicht können wir nicht streiken“

Auch Harald Balló, Internist in Offenbach und Sprecher der Fachärzte in der Stadt, verweist auf die schwierige Situation vieler Praxen. Die Krankenkassen handelten derzeit sehr rigide und fühlten sich offensichtlich sicher. Mit Blick auf Überschüsse im Gesundheitsfonds und bei gesetzlichen Krankenkassen sagte der Mediziner: „Ich habe noch nie gestreikt, aber jetzt wäre wirklich ein guter Zeitpunkt. Ich verstehe einfach nicht, wieso die Gesetzliche Krankenversicherung auf 22 Milliarden Euro sitzen bleiben soll. Dafür fehlt mir jedes Verständnis.“ Die im Raum stehende Erhöhung der Honorare um 0,9 Prozent sei „eine Unverschämtheit“. Und der Arzt meint: „Wir behandeln unter anderem Krebspatienten, aus ethischer Sicht können wir also gar nicht streiken: Aber wir werden wohl über Maßnahmen nachdenken.“

„Abwarten“ lautet die Devise beim Hausärzteverein Seligenstadt, dem 23 Mediziner aus der Einhardstadt, Hainburg und Mainhausen angehören. Es gebe noch keine Empfehlung des Hessischen Hausärzteverbandes, auch innerhalb des Vereins habe man sich bislang auf keine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt, sagt der Froschhausener Arzt und Geschäftsführer des Vereins, Michael Sticksel. Letztlich müsse jeder selbst entscheiden, ob er seine Praxis schließe oder nicht.

Quelle: op-online.de

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