Mediziner: Neuregelung unnötig

Ärzte sauer über Berliner „Terminpläne“

+
Besonders lange Wartezeiten gibt es bei Kardiologen, Frauenärzten und Urologen.

Offenbach - Die von Union und SPD geplante Vier-Wochen-Frist für Termine bei Fachärzten ist unter Experten im Rhein-Main-Gebiet umstritten. Während Krankenkassen und Kliniken die Vorschläge begrüßen, schütteln Ärzteverbände den Kopf. Von Jenny Bieniek

Schon lange brennt das Thema Kassenpatienten auf den Nägeln. Sie bemängeln lange Wartezeiten für Termine beim Spezialisten und fordern eine Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin. Eine Untersuchung der Grünen im 1. Quartal 2013 unter 470 Facharztpraxen in Hessen bestätigte: Privatpatienten bekommen im Schnitt 20 Tage früher einen Termin als gesetzlich Versicherte. Andere Untersuchen haben gezeigt: Besonders lange Wartezeiten gibt es bei Kardiologen, Frauenärzten und Urologen.

Union und SPD wollen nun eine Vier-Wochen-Frist bei der Terminvergabe in Facharztpraxen durchsetzen. Wer über eine Überweisung zum Facharzt verfügt, soll sich nach Ablauf der Frist auch im Krankenhaus behandeln lassen können. Folge: Die Klinikbehandlungen müssten dann aus dem Budget der Praxisärzte bezahlt werden.

Über den Vorstoß wird auch in Rhein-Main heftig gestritten. Krankenkassen begrüßten ihn. Dagegen sieht Dr. Eckhard Starke, Hausarzt in Offenbach und Vize-Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, die Pläne skeptisch. Zumindest in der Region sei die Notwendigkeit einer solchen Neuregelung nicht zwingend erforderlich. „In Offenbach wird es bereits seit Jahren so gehandhabt, dass Kollegen sich bei dringenden Überweisungen untereinander kontaktieren, um eine baldige Untersuchung zu gewährleisten. Das funktioniert gut“, berichtet Starke.

Lesen Sie dazu auch:

Widerstand gegen schwarz-rote Versorgungspläne

An die Wurzeln

Durch den Wegfall der Praxisgebühr würden Patienten jedoch zunehmend den Umweg über den Hausarzt meiden, der direkte Weg zum Fachkollegen scheint einfacher. Vor allem bei Dermatologen und Augenärzten seien inzwischen längere Wartezeiten zu erwarten. Auch Frauenärzte würden vielerorts keine neuen Patientinnen mehr aufnehmen, hieß es. Zwar verbessere die geplante Neuregelung möglicherweise die flächendeckende Versorgung, an eine bessere Qualität glaubt Starke indes nicht: „Krankenhäuser sind nicht auf ambulante Behandlungen spezialisiert, zudem ist die personelle Besetzung auch dort begrenzt.“ Die Pläne von Union und SPD seien schlicht zu kurzsichtig.

Die Landesärztekammer bewertet das Vorhaben gar als weltfremd. „Schon jetzt arbeiten viele niedergelassene Kollegen am Limit, ihre Wartezimmer quellen über“, erklärte Kammerpräsident Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. Zu glauben, dass die angestrebte gesetzliche Verpflichtung von Krankenhäusern abgefangen werden könnte, lasse erkennen, „dass die Verantwortlichen wenig Kenntnis von der Realität in Krankenhäusern und Arztpraxen haben“.

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

Quelle: op-online.de

Kommentare