„Den Unsinn müssen wir selbst zahlen“

Ärzteschaft empört über Terminservice

+
Heiß begehrt: Termine bei Fachärzten - wie hier einem Hautarzt - sind manchmal schwer zu bekommen.

Frankfurt - Ab 25. Januar wird es auch in Hessen eine Terminservicestelle (TSS) geben, die Kassenpatienten in Anspruch nehmen können, sofern sie eine dringende Überweisung vom Hausarzt haben. Von Harald H. Richter

Der telefonische Anlaufpunkt ist bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) geschaffen, wo nach Aussage ihres Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych zehn Mitarbeiter eigens dafür eingestellt worden sind. „Perspektivisch können bis zu zehn weitere Kräfte aktiviert werden, um hohe Anruflasten kurzfristig aufzufangen“, erklärte Dastych. Die Ärzte treibt nicht die Einsicht an, dass sie den Krankenversicherten mehr Service anbieten müssen, sondern der Gesetzgeber. Anders als dieser sind die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder und damit auch die KVH der Überzeugung, damit werde ein Problem angegangen, welches es so gar nicht gebe.

Terminprobleme seien bisher nur in wenigen Fachgebieten aufgetreten. Überdies trügen Patienten an entstandenen Engpässen eine Mitschuld, da sie mehrere Fachärzte kurz hintereinander besuchten oder Praxistermine einfach nicht wahrnähmen. Vergangenes Jahr seien in Hessen 250.000 Mehrfachbeanspruchungen für Probleme ursächlich gewesen. Vernünftiges Terminmanagement setze jedoch die Bereitschaft des Patienten zum Mitwirken voraus.

Statt diese Probleme in Angriff zu nehmen, würden nun Millionenbeträge in ein Instrument von zweifelhaftem Nutzen für die Versicherten investiert, urteilt Klaus-Wolfgang Richter, Vorsitzender der KVH-Vertreterversammlung. Es handele sich vielmehr um Symbolpolitik. „Diesen Unsinn müssen wir auch noch selbst bezahlen“, empört sich Vorstandschef Dastych und rechnet mit Kosten zwischen 500.000 und 1,3 Millionen Euro pro Jahr. Die KV Hessen geht davon aus, dass monatlich 25.000 Termine vermittelt werden müssen, aber nur etwa ein Drittel auch wirklich dringlich ist.

Reha: Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?

„Der Patient hat kein Recht auf einen Wunschtermin bei einem bestimmten Arzt, also beschneidet der Gesetzgeber die freie Arztwahl“, benennt KVH-Vize Günter Haas einen wunden Punkt und warnt davor, das Versorgungssystem insgesamt in die Knie zu zwingen. Eine anderer sei, dass sich die Versicherten auf weitere Anfahrten einrichten müssen. Kann die Servicestelle keinen Termin binnen vier Wochen vermitteln, muss sie einen Ersatz in einem Krankenhaus anbieten. Die Standesvertreter befürchten, dass die Behandlung dort unter Umständen durch Personal vorgenommen wird, das noch nicht ausreichend spezialisiert ist. Das Wort Qualitätsverlust macht die Runde.

Quelle: op-online.de

Kommentare