Angebliche Fehler des Sprengmeisters

AfE-Turm:  Eine sichere  Sache?

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Der Mann mit dem Dynamit: Eduard Reisch soll übermorgen den AfE-Turm in Frankfurt flachlegen und wird jetzt mit unerfreulichen Schlagzeilen aus seiner Vergangenheit konfrontiert.

Frankfurt - Am Sonntag um 10 Uhr ist es soweit: Der AfE-Turm im Frankfurter Stadtteil Bockenheim soll mit Hilfe von 950 Kilo Nitropenta zu Fall gebracht werden. Doch jetzt zweifelt ein Boulevardblatt die Kompetenz des Sprengmeisters an. Von Michael Eschenauer

Droht ein Unfall? Planer und Auftraggeber der Sprengung bezeichnen die Vorwürfe als „Schnee von gestern“. Noch nie wurde in Europa ein so großes Gebäude gesprengt. Doch wenige Tage vor der wegen des kleinen Aufprall-Raumes nicht ganz risikolosen Aktion, zu der tausende Schaulustige erwartet werden, sorgt ein Bericht der „Bild“-Zeitung für Aufregung. Viele haben sich den Sprengtermin vorgemerkt. Sie fragen sich jetzt: Ist die Sprengung des 166 Meter hohen Turms sicher?

Das Boulevardblatt – Schlagzeile: „Ist Krater-Edi der Richtige für unseren Turm?“ – äußert Zweifel an der fachlichen Qualifikation des Sprengmeisters Eduard Reisch. Der Mann habe sich „schon mehrfach versprengt“. Bei seiner „Pfusch-Sprengung“ der Stahlträgerhalle am Heizkraftwerk im Hamburger Hafen im Jahre 2000 seien zwei Mitarbeiter ums Leben gekommen. Die Folge laut „Bild“: Berufsverbot und Strafverfahren. Aufgeführt gegen Reisch werden außerdem die Sprengung eines Biotop-Teichs und eines Bunkers, bei denen Reisch ebenfalls nicht gut aussieht.

Großalarm ausgelöst

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Die Teichsprengung am Kloster Andechs 1995 sei nicht korrekt angemeldet gewesen, so dass die überraschten Behörden Großalarm ausgelöst hätten und von einem Meteoriteneinschlag ausgegangen seien. Die Bunkersprengung in München im Jahre 2010 habe Reisch einfach nicht hinbekommen. Frank Junker, Chef der Wohnungsbaugesellschaft AGB, die die Sprengung angeordnet hat, spricht von „Schnee von gestern und alten Kamellen“. „Es gibt keinen Anlass, an der Qualifikation Reischs zu zweifeln.“ Die Sprengung werde wie geplant stattfinden. Die Genehmigung der Bauaufsicht sei nicht zurückgezogen worden. Die Planung der Sprengung liege in den Händen des „deutschen Spreng-Papstes Dr. Rainer Melzer“. Reisch führe lediglich dessen Berechnungen aus.

Der Attackierte selbst spricht von „Sensationsgeheische“, das mit Recherche nichts zu tun habe. So seien die Arbeiten zur Vorbereitung einer Sprengung, die in Hamburg zum vorzeitigen Einsturz der Halle führten, nicht von ihm, sondern von einer anderen Firma ausgeführt worden. Dabei sei es um Schweißarbeiten gegangen, nicht um eine Sprengung. Zudem habe man den Kollegen falsche Daten vorgelegt. Ein Berufsverbot oder ein Strafverfahren gegen ihn habe es nie gegeben.

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Die Teichsprengung sei wegen interner Kommunikationspannen den zuständigen Ämtern nicht bekannt gewesen. Beim Münchner Bunker habe er wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen des Auftraggebers die Sprengung abgelehnt. In allen Fällen habe er über mehrere Instanzen Recht bekommen. Reisch: „Ich sprenge seit 28 Jahren und habe einige tausend Sprengungen hinter mir, darunter viele extrem schwierige Bauwerksniederlegungen. In dem Bericht stimmt nicht einmal mein Alter. Ich bin nicht 48, sondern leider schon 52 Jahre alt.“

Der mit den Berechnungen zur AfE-Sprengung beauftragte Abbruchfachmann Dr. Rainer Melzer bestätigt die Qualifikation Reischs. „Der Mann ist mir als deutschlandweit anerkannter und seriöser Sprengexperte bekannt.“ Er kooperiere seit 15 Jahren mit Reisch und hege keine Zweifel an dessen Sachkunde und Sorgfalt. Melzer bestätigt die Darstellungen Reischs zu den von „Bild“ genannten Fällen.

Quelle: op-online.de

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