Ob der AfE-Turm tatsächlich gesprengt wird, ist unklar

Spektakel in Bockenheim

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Frankfurt - 50.000 Tonnen Beton und Stahl, 40.000 Zuschauer - in drei Wochen steht in der Mainmetropole ein ungewöhnliches Spektakel auf dem Veranstaltungsplan: die Sprengung des AfE-Turms in Bockenheim. Termin: Sonntag, 2. Februar, 10 Uhr. Von Michael Eschenauer

Noch ist allerdings unklar, ob die Bauaufsicht die Sprengung des Hochhauses mitten in einem Siedlungsgebiet überhaupt zulässt. Frank Junker, Geschäftsführer der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG, rechnet mit einer Entscheidung in der zweiten Monatshälfte. Bei der Sprengung wird rund um den Turm ein Areal von 135 Metern zum absoluten Sperrgebiet. Hier darf sich niemand aufhalten. Die Zuschauer dürfen bis auf 200 Meter heran.

Das Schicksal des 40 Jahre alten, 116 Meter hohen Gebäudes entschied sich, als der Entschluss gefasst wurde, die Goethe-Universität ins Westend umzusiedeln. In dem Seminargebäude residierten vier Jahrzehnte lang die Gesellschaftswissenschaften und die Lehramtsstudenten. Ist sein Standort geräumt, sollen hier Bürohäuser entstehen. Insgesamt wird der geplante neue „Kulturcampus“ aus Kultureinrichtungen, Wohnungen und Büros bestehen. Ursprünglich, so Junker, habe man den Koloss Stück für Stück abtragen wollen, ähnlich wie beim Henninger Turm. Seit Sommer laufen diese Arbeiten. Allerdings häuften sich in jüngster Zeit die Beschwerden aus dem angrenzenden Viertel über Staub und Baulärm.

Das Objekt ist komplett leergeräumt. Im unteren Teil wurden Planen gegen umherfliegende Betonbrocken aufgehängt. Sechs Meter hohe Schutzwälle sollen die Häuser der Nachbarschaft vor den Auswirkungen der Erschütterung schützen. Zuständig für den Abbruch ist das Spezialunternehmen AWR Abbruch GmbH aus Weißenthurm bei Koblenz. Die Sprengung selbst wird von dem Experten Rainer Melzer aus Dresden vorbereitet. Sie soll so ablaufen, dass zunächst das tragende Baugerüst, das die außen gelegenen Seminarräume trägt, zerstört wird, dabei werden alle tragenden Elemente im Erdgeschoss gesprengt, so dass das Gerüst zusammenstürzt. Dass dieses „Außenskelett“ zuerst fällt, ist deshalb notwendig, weil es ansonsten den Kern mit Treppenhäusern und Aufzügen stabilisieren würde. Dieser Kern wird etwa zehn Sekunden später gesprengt. Ziel ist, dass durch eine entsprechende Platzierung der Sprengladungen der Turm mehrfach geknickt wird und sich zusammenfaltet. 25.000 Liter Wasser, untergebracht in Tanks auf mehreren Stockwerken, sollen bei der Sprengung den Staub auffangen.

Stardesigner Harald Glööckler bei Holiday on Ice

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Auch auf die nur 40 Meter entfernte U-Bahntrasse muss geachtet werden. Während der Sprengung ruht der U-Bahnverkehr. Nach Angaben der Polizei sind die Friedrich-Ebert-Anlage und die Theodor-Heuss-Allee als „Zuschauerzonen“ vorgesehen. Der Name „AfE“ war übrigens schon immer falsch: Die „Abteilung für Erziehungswissenschaften“, die dem Turm seinen Namen gab. ist nie hier eingezogen.

Quelle: op-online.de

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