Afrika-Reise scheitert am Haartrockner

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Kontrollen am Flughafen: An dieser ganz sensiblen Nahtstelle der Luftsicherheit dürfen keine Fehler passieren. Der Tipp für Fluggäste: Elektrogeräte, die im Handgepäck sind, beim Personal anmelden - oder sie gleich herausnehmen und aufs Band legen.

Offenbach - Sind Sie auch genervt von den Sicherheitskontrollen am Flughafen? Können Sie auch über so manche Erfahrung mit den Damen und Herren von der Security berichten? Anekdoten gibt es ja inzwischen zuhauf aus der großen weiten Welt der „Checks“. Von Peter Schulte-Holtey

Vielen geht es zunehmend an die Nieren, auch beim Gedanken an die teils unterschiedlichen Prüfverfahren. Viel-Reisende berichten, man müsse sich am Frankfurter Airport oft der Schuhe entledigen, in Frankfurt-Hahn werde lediglich der Gürtel fürs Durchleuchten verlangt usw. Von einem Hin und Her ist die Rede, jede Menge Debatten. Fragen wie „Was, wenn der Schuhbomber nun mit dem Billigflieger vom Hunsrück-Airport aus fliegt?“ verkneift man sich dann aber doch lieber, schließlich geht es ja auch um ein ernsthaft wichtiges Gut: Sicherheit. Bei der Polizei heißt es: „Wer Stiefel trägt, muss sie auf jeden Fall ausziehen. Das ist doch klar.“

Es gibt immer wieder Geschichten, die sogar die erfahrensten „Sicherheitskontrollen-Benutzer“ ins Staunen bringen. Richtig für Aufregung sorgt derzeit der erstaunliche Fall der Elke C.. Seit Wochen beschäftigen sich viele, teils mitfühlend - teils belustigend, in Internet-Dikussionsforen mit der Bremer Touristin, die mit ihrer 81-jährigen Mutter nach Namibia zur Safari fliegen wollte, aber nur bis Frankfurt kam. „Sie hat halt keine afrikanischen Tiere gesehen, dafür aber einen schwanzwedelnden Sprengstoffhund“, heißt es schon spöttisch.

Die Kontrolleure lassen die Föhn-Besitzerin nicht einfach so gehen

Was war geschehen: Flugreisende kennen ja das Verfahren an den Flughafen-Sicherheitskontrollen. Jacke in die erste Plastikschale, Laptop in die zweite. Oh, beinahe den Geldbeutel vergessen. Hat’s schon gepiept? Zurück zum Durchleuchter-Band, alles Metall kommt in die Plastikschale Nr. 3. Weiter geht’s. Mist, wieder Piep. Klar, der Gürtel muss auch noch in die Schale. Bei Elke C. lief es anders ab, als sie aus Bremen kommend am Frankfurter Flughafen umsteigen will, um nach Namibia zu fliegen. Ihr handelsüblicher Föhn befand sich im Handgepäck, und das wurde ihr zum Verhängnis: „Ich wurde an der Kontrolle gefragt, ob ich ein Elektrogerät in der Tasche mitführe. Ich bejahte. Dann wurde ich in einen separaten Raum gebeten, ich musste die Tasche auspacken, dabei kam der Föhn zu Tage.“

Auch in der Gepäcksortierung des Frankfurter Flughafens finden Überprüfungen der Koffer statt.

Das Gerät wurde mit dem „Sprengstoff-Egis“, einem Analysegerät, untersucht. „Immer wieder gab es eine positive Reaktionen“, berichtete die erzürnte Frau in einer TV-Sendung von Radio Bremen. Elke C. wurde nervös, ihr begann die Zeit davonzulaufen: „Ich habe gefragt, wie denn ein Föhn einen solchen Aufwand auslösen könne“, erinnerte sie sich. Die Antwort des Experten: Aus neuen Elektrogeräten könnten Absonderungen entweichen, auf die das Spürgerät reagiert. Elke C.: „Ich habe den Sicherheitsleuten dann angeboten, den Föhn einfach dazulassen.“ Abgelehnt! Denn nun wollen die Kontrolleure die Besitzerin nicht mehr einfach so gehen lassen.

Statt dessen wird die vorgesetzte Dienststelle angerufen. Alarm geschlagen hatte der sogenannte Wischtest. Dabei wird ein Tuch über den verdächtigen Gegenstand gezogen - und dieses mit Hilfe des chemischen Analysegerätes untersucht. Unglaublich, aber wahr: Das Gerät hielt den Fön für eine Bombe. Es erkannte Explosivstoffe - und war davon nicht abzubringen.

Das Flugzeug mit dem Gepäck von Elke C. wartete zunächst, trotz inzwischen einstündiger Verspätung. Ein weiterer Prüfdurchlauf folgte. Der Test war erneut positiv. Während das Gepäck der beiden Frauen aus der Maschine geladen wurde, wuchs die Verbitterung bei Mutter und Tochter. Absperrung, Einsatz des Bomben-Experten-Kommandos, Sprengstoffhund, langes Warten der Touristen, eine erneute Untersuchung. Schließlich das Ergebnis der Sicherheitsfachleute: Es war kein Sprengstoff. Bis das die Polizei herausfand, war der Flug nach Afrika allerdings längst weg.

Die Behörden stehen noch immer vor einem Rätsel

Armin Thiel, Pressesprecher der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen: „Das ist für die Bremerin wirklich unglücklich gelaufen. Es war aber ein normales Verfahren, wenn das Analysegerät Sprengstoffspuren findet. Es gibt also keinerlei Anlass zur Beanstandung.“

Die Behörden stehen noch immer vor einem Rätsel. Eine möglich Erklärung: Bestimmte Kunststoffverbindungen könnten Sprengstoff enthalten. Und von Ausgasungen ist die Rede. Thiel: „Sprengstoff setzt sich aus mehreren Substanzen zusammen. Wird eine vom Analysegerät entdeckt, reicht dies schon für die Alarmierung.“ Aber warum ist das Problem mit dem Föhn in Frankfurt, nicht aber in Bremen, wo die Frauen ja auch durch die Kontrollen mussten, erkannt worden? Thiel klärt auf: „Weil wir nur Stichproben durchführen.“ In Bremen und beim Rückflug habe man den Föhn Föhn sein lassen und keinen Anlass für eine weitere Prüfung gesehen. Für Frau C. sei die ganze Sache eben „dumm gelaufen“, so Thiel.

Übrigens: Mutter und Tochter aus Bremen haben ihre Urlaubspläne alsbald aufgegeben. Sie flogen statt nach Namibia zurück in ihre Heimatstadt, und Elke C. stornierte die Reise. Das unfreiwillige Abenteuer soll die Frauen fast 4000 Eüro gekostet haben. Polizeisprecher Thiel: „Der Bremerin geht es jetzt anscheinend vor allem darum, ihrer Versicherung zu beweisen, dass das Verschulden nicht ihr angelastet werden kann.“

Kontrolleuren wird Falle gestellt

Wer in Deutschland in ein Flugzeug steigt, muss sich nach den Worten des Präsidenten des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA), Ulrich Schwierczinski, keine Sorgen machen. „Die verantwortlichen Luftfahrtbehörden tun alles, um ein höchstmögliches Maß an Sicherheit zu gewährleisten“, sagte Schwierczinski in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. In anderen Teilen der Welt aber sei das Sicherheitsniveau teilweise deutlich unter den internationalen Mindeststandards.

Flugpassagiere fragen aber auch: Wie ist es mit der Sicherheit am Boden? Schließlich ist auch der Frankfurter Flughafen ein potenzielles Anschlagsziel. Die Fluggast- und Gepäckkontrollen, hier entscheidet sich, ob ein Terrorist es schafft eine Bombe an Bord zu schmuggeln. Was ist harmlos, was gefährlich? Das müssen die Angestellten des Flughafenbetreibers in wenigen Sekunden entscheiden. Wird alles gefunden? Das prüft die Bundespolizei regelmäßig, macht so genannte Realtests. Dabei versuchen Beamte versteckte Pistolen, Messer oder Sprengsätze durch die Kontrollen zu bringen. Die Ergebnisse sind streng geheim.

Ist auch der Fall der Elke C. nur ein Test der Sicherheitsstandards gewesen?

Quelle: op-online.de

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