„Unzüchtige Kleidung“ in Frankfurt

Salafisten zwingen Jugendhaus zur Schließung

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Frankfurt - Die Probleme mit islamistisch aufgehetzten jungen Männern sind von den Schulen auf die Jugendzentren übergesprungen. Von Michael Eschenauer 

Wie jetzt bekannt wurde, haben Anfang Mai Besucher im Jugendhaus im Frankfurter Stadtteil Gallus eine Betreuerin wegen „unzüchtiger Kleidung“ beschimpft und bedroht. Es ist von einem gezielten Angriff die Rede. Handgreiflich wurden die Täter, mutmaßlich handelt es sich um Salafisten, nicht. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger hat das Jugendzentrum geschlossen. Wann es wieder öffnet, ist unklar. Die Mitarbeiter fühlten sich angesichts der Bedrohungssituation nicht mehr in der Lage, das Angebot aufrechtzuerhalten, hieß es gestern.

Die AWO bestätigte die Bedrohungen. Man will an einem Konzept arbeiten, damit „alle Jugendlichen, ungeachtet ihrer religiösen oder politischen Überzeugungen oder ihrer Herkunft, im Haus einen toleranten Begegnungsort finden können“. Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats, berichtet, die jungen Männer seien früher selbst in der Einrichtung verkehrt. Kritisiert worden seien von ihnen die gemischtgeschlechtlichen Freizeitangebote. Aufgefallen seien sie zuvor, weil sie Flyer mit islamistischen Inhalten in dem Treffpunkt verteilt hätten. Auf die Aufforderung, dies zu unterlassen, hätten sie aggressiv reagiert.

Die Stadt Frankfurt erwarte, dass die AWO in Kürze darlege, welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenke, um den Betrieb des Jugendzentrums weiterzuführen. Denkbar, so Skotnik, sei ein Betreiberwechsel. Bei neuen Mitarbeitern steige erfahrungsgemäß die Hemmschwelle, aggressiv aufzutreten. Es gebe in den etwa 130 Frankfurter Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit „vereinzelte Hinweise“ auf Probleme mit radikalislamistisch orientierten Jugendlichen.

Großes Polizei-Aufgebot bei Salafisten-Versammlung

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Hausverbote und der Einsatz der Polizei sind eine Möglichkeit. Jugendarbeiter greifen aber ungern auf sie zurück, weil man den Jugendlichen keine Probleme machen will. Dennoch gibt es in der Jugendzentrums-Szene immer häufiger Klagen über radikalisierte Muslime. Eine Strategie, so heißt es, könnte auch sein, „kräftigeres Personal einzusetzen“. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg sprach sich gestern dafür aus, extremistischen und fundamentalistischen Tendenzen aller Art entgegenzutreten. Sie regte eine breit angelegte Strategie an, weil es „übergreifende biographische Muster von Radikalisierungsprozessen“ gebe. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten bereite Schulungen vor. Das Thema müsse dringend in der Jugendarbeit berücksichtigt werden.

Quelle: op-online.de

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