Mit Agrochemie der Wirtschaftskrise trotzen

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Georg Weichselbaumer

Frankfurt - In der schlimmsten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg bleibt Georg Weichselbaumer gelassen. Während Chemiefirmen, die beispielsweise Kunststoffe oder Pigmente herstellen, vom Abschwung voll getroffen wurden, arbeitet sein Frankfurter Unternehmen Weylchem vorwiegend in einer Nische. Von Marc Kuhn

 „Wir produzieren überwiegend Vorprodukte für Pflanzenschutzmittel“,sagt der Geschäftsführer unserer Zeitung in Griesheim. „Die Stimmung in der Industrie ist relativ gut.“Allerdings betont Weichselbaumer: „Wenn die Rahmenbedingungen sich weiter ändern, dann müssen auch wir reagieren.“Die Firma mit etwa 270 Mitarbeitern plant nach seinen Worten keine Entlassungen. Für 2009 zeigt sich der Geschäftsführer „immer noch relativ optimistisch.“

Der Grund liegt im Geschäftsmodell von Weylchem. Das Unternehmen, mit drei Betrieben im Industriepark Griesheim und zwei Anlagen im Areal in Höchst, arbeitet in sehr geringem Maße für die Bau- und Autoindustrie. Der Großteil der Produkte geht an große Pflanzenschutzmittel-Hersteller wie Bayer und BASF, wie Weichselbaumer berichtet. Insgesamt sei im vergangenen Jahr ein Umsatz in Höhe von knapp mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Auch 2009 werde er leicht zulegen.

„Wir liefern in den Agrochemikalien-Markt“,erklärt Weichselbaumer. Dabei profitiert er von dem Trend, dass erneuerbare Rohstoffe das Öl ersetzen sollen. Für Mais, Soja und Zuckerrohr würden für diesen Zweck Pflanzenschutzmittel benötigt. Große Abnehmer arbeiten in den USA, Brasilien und Frankreich. Aber auch in China sind die Produkte aus Frankfurt begehrt. In der Mittelschicht wachse mit zunehmendem Wohlstand das Bedürfnis mehr Fleisch zu essen, weiß der Firmenchef. Deshalb seien die chemischen Pflanzenschützer gefragt, weil sie unter anderem Bauern helfen, die Ernteerträge um 15 bis 20 Prozent zu erhöhen.

Seit 2007 ist Weylchem in der Erfolgsspur. Damals habe ein Investor das Unternehmen, das 1997 von Hoechst an Clariant verkauft wurde, übernommen. Der Umsatz sei seitdem signifikant gestiegen, sagt Weichselbaumer. Die International Chemical Investors hätten bisher acht Firmen in der EU und den USA erworben, deren Technologien gut zur Agrochemie passen. Sie würden sich gegenseitig unterstützen. Die Übernahme sei „das einzig Richtige für unser Geschäft“gewesen, erklärt der gelernte Chemiker.

Indirekt hat ihn die Krise doch noch getroffen. Weylchem benötigt für seine Produktionsprozesse Dampf. Die Versorgung damit stellt Clariant Mitte des Jahres im Industriepark Griesheim ein. Die Aufgabe wollte ein Betrieb übernehmen, der infolge der Wirtschaftskrise sein Vorgehen geändert habe, berichtet Weichselbaumer. Deshalb musste Weylchem Bürgschaften für Investitionen bereitstellen und bei Banken Kredite besorgen. „Wir werden quasi unserer eigener Dampferzeuger“,erklärt der Geschäftsführer.

Quelle: op-online.de

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