Aktion gegen Schwarzarbeit

Razzien auf Baustellen

+
Zollbeamte überprüfen die Papiere von Bauarbeitern bei einer Razzia gegen Schwarzarbeit am 24. Juni auf einer Baustelle in Frankfurt.

Frankfurt - Schwarzarbeit verursacht Jahr für Jahr Schäden in Milliardenhöhe. Mit unangekündigten Kontrollen versuchen die Zollämter, das Problem einzudämmen. Spektakuläre Ergebnisse gibt es dabei nicht immer, doch sollen die Aktionen zumindest abschreckende Wirkung haben. Von Sandra Kathe 

Gespannt verfolgen die Ermittler des Frankfurter Zollamtes von einem Parkplatz aus das Treiben auf einer Baustelle im Stadtteil Riedberg. Zahlreiche Arbeiter sind dort unterwegs, damit steigen für die Fahnder die Chancen, Schwarzarbeiter zu erwischen oder Verstöße gegen tariflich vereinbarte Mindestlöhne aufzudecken. Zwei Kollegen sind gerade im Zivilauto an dem Neubau vorbeigefahren. Fällt die Entscheidung für einen Zugriff, muss es schnell gehen bei Michael Schaab und seinem Team vom Frankfurter Hauptzollamt.

Das Risiko, dass der Kranfahrer die grün-weiße Kolonne der Zollfahrzeuge von oben entdeckt und Kollegen warnt, ist groß. Jetzt heißt es für die Beamten, rasch zu handeln. Innerhalb weniger Minuten riegelt ein Dutzend Fahnder die Eingänge zur Baustelle ab.

Schaab ist der Leiter der Kontrolleinheit Prävention der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS), die seit 2013 die Schattenwirtschaft in der Mainmetropole bekämpft. Rund 1400 Personen haben er und seine Abteilung in diesem Jahr schon kontrolliert, bei etwa 140 Betrieben die Geschäftsunterlagen abgeglichen. Schaab und seine Mitarbeiter suchen nicht nur nach Schwarzarbeitern. Auch die Arbeitsbedingungen, die Einhaltung der tarifvertraglichen Mindestlöhne und vorgeschriebenen Arbeitszeiten überprüfen sie.

Bei Festnahmen sind Dolmetscher nötig

Und das ist nicht immer so einfach, denn meist stehen Sprachbarrieren zwischen den Zollbeamten und den größtenteils ausländischen Arbeitern. Häufig helfen in solchen Fällen die Kollegen der Kontrollierten bei der Verständigung. „Wenn auch das nicht weiterhilft oder es ernst wird, etwa Festnahmen ins Spiel kommen, brauchen wir Dolmetscher“, erklärt Schaab.

Lesen Sie dazu auch:

Zoll mit Schlag gegen Schwarzarbeit in Offenbach

Einige Schritte weiter versucht ein Zollbeamter, sich mit einem der Bauarbeiter zu verständigen - ein Serbe, der erst seit einigen Monaten in Deutschland lebt. Offiziell darf er in Deutschland leben und arbeiten. Nur die Frage, ob er angestellt ist oder ein eigenes Gewerbe betreibt, wirft Probleme auf. Der Beamte fragt den Hilfsarbeiter nach einem Gewerbeschein, der Mann zeigt ihm seinen Meldenachweis. Schließlich bringt der Vorarbeiter Licht ins Dunkel: Der Serbe ist angestellt. Das muss der Zoll-Innendienst zwar noch einmal überprüfen, fürs Erste geben sich die Fahnder aber mit den Informationen zufrieden.

Eine bundesweite Aktion

Die Kontrollen, die Schaabs Abteilung Anfang der Woche im Stadtgebiet gemacht haben, sind Teil einer bundesweiten Aktion. Von 98 Arbeitern haben die Frankfurter Fahnder Personalien aufgenommen. Festnahmen gab es keine. Die sind ohnehin eher die Ausnahme, seit Jahresanfang gab es bisher 26. Festgenommen werden nur Arbeiter ohne Aufenthaltsgenehmigung. Trotzdem passiert es immer mal wieder, dass die Beamten schnell reagieren müssen, um einzelne Arbeiter an der Flucht zu hindern. Auch am Riedberg wollten zwei der Verputzer das Weite suchen - wohl wegen fehlender Arbeitserlaubnis.

Dabei könnte für einige der Arbeiter eine Überprüfung sogar positive Folgen haben. Immer wieder stößt der Zoll auf Firmen, die Mindestlöhne nicht einhalten. Statt den tariflich vereinbarten 11,10 Euro pro Stunde erhielten einige der Verputzer am Riedberg nur sechs Euro. 15 solcher Fälle wurden bei den Kontrollen in dieser Woche aufgedeckt. Dem geht das Hauptzollamt nun weiter nach.

Frankfurter Flughafen: Die kuriosen Funde des Zolls

Flughafen Frankfurt: Die kuriosen Funde des Zolls

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert ein schärferes Vorgehen der Behörden gegen Schwarzarbeit. Harald Fiedler, DGB-Regionsvorsitzender in Frankfurt, kritisiert, dass es nur selten stichpunktartige Kontrollen gebe und die Politik dem Zoll zu wenig Personal zur Verfügung stelle. Gerade in Hinsicht auf den kommenden gesetzlichen Mindestlohn bestehe Handlungsbedarf, sagt der Gewerkschafter: „Wenn dieser vom Staat genauso lax überprüft wird, wird er wenig ändern. Es müssten Beschwerdestellen nach britischem Vorbild eingerichtet werden, wo sich Arbeitnehmer selbst zu Wort melden können“. 

dpa

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare