„Kein Profit mit Mieten“

Aktivisten besetzen Ex-OB-Dienstvilla in Frankfurt

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Aktivisten des Aktionsbündnisses „Wem gehört die Stadt?“ haben in Frankfurt das Grundstück der ehemaligen Dienstvilla das Frankfurter Oberbürgermeisters besetzt.

Frankfurt - Aus Protest gegen zu hohe Mietpreise: Etwa 20 Aktivisten haben in der Nacht zum Freitag das Grundstück der ehemaligen Dienstvilla das Frankfurter Oberbürgermeisters besetzt.

Aus Protest gegen hohe Mieten und Immobilienpreise haben etwa 20 Demonstranten in Frankfurt das Grundstück der Oberbürgermeister-Dienstvilla besetzt. Im Garten des seit mehr als 40 Jahren leerstehenden Anwesens schlugen sie in der Nacht zum Freitag ihre Zelte auf. Auf Plakaten standen Forderungen wie "Eine Stadt für Alle" und "Keine Profite mit der Miete". In die Villa wollten die Mitglieder des Aktionsbündnisses "Wem gehört die Stadt?" nach eigenen Angaben jedoch nicht eindringen.

In einem offenen Brief forderten die Protestler einen Ausstieg aus einem profitorientierten Wohnungsmarkt und ein Verbot spekulativer Leerstände. "Wir sind schockiert über die ideologischen Scheuklappen und die Kapitalhörigkeit unserer Politiker", heißt es darin. Außerdem kritisierten sie den wachsenden Fluglärm über der Stadt. Nachbarn solidarisierten sich mit den Aktivisten auf dem noblen Lerchesberg im Süden Frankfurts und versorgten sie mit Kaffee.

Haus starkem Fluglärm ausgesetzt

Seit Jahren versucht die Stadt, die rund 350 Quadratmeter große OB-Villa mit ihrem riesigen Garten zu verkaufen. Doch das 1959 errichtete Haus ist seit dem Bau der neuen Nordwestlandebahn des Frankfurter Flughafens starkem Fluglärm ausgesetzt. Im August fand sich eine Familie, die das Anwesen für rund 750 000 Euro übernehmen wollte. Dem Deal müssen die Stadtverordneten nach Angaben eines Sprechers der Stadt aber noch in ihrer Sitzung am 10. Oktober zustimmen. Der einzige OB, der je in dem Haus wohnte, war Willi Brundert (SPD), der von 1964 bis 1970 amtierte.

Die Gruppe aus Studenten, Arbeitern, Künstlern und Obdachlosen sieht ihre Aktion im Vorfeld eines bundesweiten Aktionstags als symbolischen Akt. Am Samstag wollten sie daher ihre Zelte wieder abbauen und sich einer Demonstration in der Innenstadt anschließen. Nach Angaben des Ordnungsamtes werden zu der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof rund 300 Demonstranten erwartet. Die Stadt duldete die Besetzung zunächst, drohte aber mit einer Strafanzeige, falls das Gelände nicht am Samstag freiwillig geräumt werde.

„Occupy“ feiert Geburtstag

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Wiederholt sind in den vergangenen Wochen und Monaten leerstehende Häuser in Frankfurt besetzt worden, um gegen steigende Mieten und die Entwicklung der Stadtteile hin zu teuren Wohnungs- und Bürovierteln zu protestieren. Im April war das "Institut für vergleichende Irrelevanz" (IVI), ein Gebäude im noblen Frankfurter Westend, nach zehn Jahren Besetzung geräumt worden. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte das Thema Mieten zu einem zentralen Punkt seines Wahlkampfes um den Rathaus-Posten gemacht.

dpa

Quelle: op-online.de

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