Ironman: Alkohol ist wie Altöl für den Super-Plus-Motor

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Vor einem Jahr schaffte Leif (31) schon einmal den Ironman-Triathlon.

Mehrmals in der Woche Schwimmen, Radfahren, Laufen- und das über ein Jahr lang. Wer beim Ironman mitmacht, der muss nicht nur starken Willen beim Wettkampf, sondern auch in der Vorbereitungszeit an den Tag legen. Von Bettina Link

Mit einem dumpfen Knall fällt die Tür ins Schloss. Die Arbeitstasche fliegt mit einem Schwung in die Ecke am Ende des Flures, wo sie in sich zusammensackt und liegen bleibt.„Feierabend“, schnauft Leif; sein Blick fällt aufs Sofa. Die blaue Krawatte sitzt locker und etwas schief über dem weißen Hemd, die Falten in den Hosenbeinen seines schwarzen Anzugs verraten langes Sitzen. „Ich hatte einen anstrengenden Arbeitstag, die Couch hat eine hohe Anziehungskraft“, sagt der 31-Jährige. Doch spätestens das schlechte Gewissen erinnert ihn an das, was auf dem Trainingsplan steht, der ihm verbietet, sich hinzusetzen und die Füße hochzulegen.

„Um Ironman zu werden, muss man eben oft die Zähne zusammenbeißen“, weiß er. Und Ironman in Frankfurt, das will er wieder werden. Wenn andere an diesem Freitagabend in ihr Freizeitoutfit schlüpfen und ein Feierabendbier öffnen, zieht der Hobby-Triathlet die Sportklamotten an und mixt sich ein isotonisches Getränk. Leif, der beiEintracht Frankfurt trainiert, zieht den Trainingsplan unter einem Stapel an Fachliteratur hervor. Intervall-Lauf-Training bei Trainer Sascha sieht der Plan vor. Das umfangreiche Programm an Schwimmen, Radfahren und Laufen schafft der Sportler nur mit einem Plan.

Keine Rücksicht auf Freunde

Seine Leidenschaft- und damit auch seine Paradedisziplin- ist das Radfahren.

Der aber nimmt keine Rücksicht auf Überstunden und Freunde. „Es ist nicht einfach, das Training mit dem Alltag zu vereinen. Ich muss auf viel Verständnis in meinem Umfeld hoffen. “ Schwerer als sich selbst zum Training zu motivieren, sei es, die Freunde von seiner Leidenschaft zu überzeugen. Natürlich falle es schwer, ein Treffen mit den Freunden fürs Training sausen zu lassen, aber „wat mut, dat mut“, murmelt der gebürtige Hamburger schulterzuckend. Trifft Leif sich mit seinen Freunden, erntet er von diesen öfter Kopfschütteln, wenn er ein alkoholfreies Bier bestellt. Aber Alkohol sei für einen Sportler schließlich wie Altöl für einen Super-Plus-Motor.

„Das Gefühl, wenn ich über den roten Teppich der Zielgerade am Römerberg laufe, entschädigt für alles“, sagt er, während er in eine Tüte vom Laufshop greift und zufrieden ein neues weiß-blaues Paar Laufschuhe begutachtet und diese zu den anderen Exemplaren in blau, rot und gelb stellt, die im Schuhregal ebenfalls auf ihren Einsatz warten.

Zeit zum Essen bleibt nicht

Ein paar Minuten später ist der Anzugträger wie verwandelt: Hemd und Sakko hat er gegen Funktionsshirt und Laufhose getauscht. „Sobald ich den Anzug ausgezogen und die Sportsachen an habe, kommt auch die Lust wieder. Der Triathlon ist ein guter Ausgleich zum Büro.“

Mit einer Hand lenkt der Sportler den schwarzen Kombi auf den Parkplatz der Sporthalle. In der anderen Hand hält er einen Energieriegel. Zeit für ein richtiges Essen bleibt zwischen Feierabend und Training nicht. „Mit vollem Magen könnte ich eh nicht laufen“, sagt er und beißt in den Riegel, der nach Mango und Passionsfrucht schmecken soll. Die klebrige Masse liefert Sportlern die nötige Energie, wie die Verpackungsaufschrift verspricht.

Der Geruch von verschwitzten Sportlern und Linoleumboden steigt beim Betreten der Halle in die Nase. Auf der Laufbahn drehen die ersten Sportler ihre Runden. Mit Intervallläufen will Sascha die Zeiten der Triathleten verbessern.

„Alles wie letzte Woche - nur härter.“

Im vergangenen Jahr hat Leif den Ironman schon einmal geschafft. „Beim Laufen und Radfahren kann ich mich noch verbessern.“ Beim Schwimmen sei er sich hingegen nicht so sicher. „Wie ein Teebeutel hing ich anfangs im Wasser“, erinnert er sich. Trotz Fortschritten, habe er sich mit dem Schwimmen nie angefreundet. „Ich bin froh, dass es die erste Disziplin beim Ironman ist. Hab ich das hinter mir, ist für mich der Wettkampf mental schon fast geschafft“, sagt Leif scherzhaft. Seine Leidenschaft ist das Radfahren und damit auch seine stärkste Disziplin beim Triathlon.

Trainer Sascha kündigt das Lauf-Programm an: „Alles wie letzte Woche - nur härter.“ Ein Raunen geht durch die achtköpfige Gruppe. Nach dem ersten Intervall gibt’s Kritik vom Trainer: „Nimm das Tempo raus und achte auf eine aufrechte Körperhaltung.“ Der Kritisierte nickt, „ich geh’ es zu schnell an“. Mit jeder Runde werden die Schweißperlen mehr, die von der Stirn über die Wangen laufen. Leif zieht die Augenbrauen zusammen und presst die Lippen aufeinander, als er zum letzten Intervall antritt. Dann sinkt der Läufer verschwitzt auf die Bank und greift zur Trinkflasche. „Für heute reicht’s.“ Am nächsten Tag müssen ihn die schweren Beine noch über 100 Kilometer auf dem Rad durch den Taunus tragen. Das Aufstehen werde ihm nicht leicht fallen, aber: „wat mut, dat mut.“

Quelle: op-online.de

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