Alkohol statt Rauchschwaden

+
Cannabis-Produkte wie Haschisch und Marihuana sind zwar die am weitesten verbreitete illegale Droge bei Jugendlichen, doch die Zahl derer, die schon einmal zu einem Joint gegriffen hat, nimmt ab.

Frankfurt - Die Zeiten sind wohl vorbei, als es auf den Schulklos nach Gras roch, wie Herbert Grönemeyer in seinem Hit „Alkohol“ sang.  Von Christian Riethmüller

Noch nicht einmal nach Nikotin riecht es dort mehr, was zum einen dem Rauchverbot an hessischen Schulen geschuldet ist, vor allem aber damit zu tun haben dürfte, dass „Rauchen im Moment out ist“. Dies sagt Renate Lind-Krämer vom Drogenreferat der Stadt Frankfurt und kann dabei auf die Drogentrendstudie 2008 verweisen, die am Montag in Frankfurt von Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) vorgestellt worden ist.

Zumindest bei Frankfurter Schülern ist Rauchen deutlich weniger populär als noch vor fünf Jahren. Nur noch knapp jeder Vierte der für die Drogentrendstudie befragten Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren greift täglich zur Zigarette, fast ein Drittel weniger als noch vor einigen Jahren. Auch das vor ein oder zwei Jahren noch sehr beliebte Rauchen von Shishas (Wasserpfeifen) hat stark an Popularität verloren.

Die Schülers-Lieblingsdroge: Der Alkohol

Beliebteste Droge bei Frankfurter Schülern ist Alkohol. 71 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Monat Alkoholisches getrunken zu haben, mitunter auch in großen Mengen. Immerhin sieben Prozent becherten so viel, dass sie betrunken waren. Hier wollten die Experten aber nicht gleich Alarm schlagen. Das sogenannte Koma-Saufen sei oft auf Unerfahrenheit zurückzuführen, hätten Befragungen von Jugendlichen ergeben.

Die ersten Erfahrungen mit Alkohol - im Schnitt mit 13 Jahren - fänden in Deutschland viel zu früh statt, sagte Lind-Krämer, die gemeinsam mit Bernd Werse von der Goethe-Universität Details aus der umfangreichen Drogentrendstudie vorstellte. Werse und sein Forscherteam vom „Centre for Drug Research“ an der Frankfurter Universität hatten zum siebten Mal im Auftrag des Drogenreferats die Studie „Monitoring System Drogentrend (MoSyD)“ erstellt, für die jährlich rund 1.500 Schüler an verschiedenen Frankfurter allgemein- und berufsbildenden Schulen zu ihrem Drogenkonsum und ihrem Freizeitverhalten befragt werden.

Cannabis-Produkte im Schwinden

Laut der international beachteten Studie scheint die Bedeutung von Cannabis-Produkten als wichtigste der für illegal erklärten Substanzen im Schwinden zu sein. Das Einstiegsalter bei Cannabis (Haschisch und Marihuana) sei mit knapp 15 Jahren zwar unverändert, doch habe nur noch ein Drittel der Befragten angegeben, überhaupt schon einmal Cannabis probiert zu haben; 2002 waren es noch 46 Prozent. Hier findet sich möglicherweise auch die Erklärung, warum das Ende des vergangenen Jahres in fast allen Medien thematisierte und als Mode-Droge bezeichnete Cannabis-Derivat „Spice“ bei den befragten Jugendlichen nur eine untergeordnete Rolle spielte. Wer nicht raucht, probiert auch keine pflanzliche Räuchermischung.

Leichte Zunahme bei harten Drogen

Eine leichte Zunahme ist hingegen beim Konsum harter Drogen festgestellt worden, zu denen in der Studie etwa psychoaktive Pilze, Kokain, LSD, Crack, Heroin und verschiedene Amphetamine (Speed, Ecstasy, GHB) gezählt werden. Die Zuwächse hier sind fast ausschließlich dem Konsum von Speed zuzuschreiben, das weniger des Rauschs wegen, sondern vornehmlich zur Leistungssteigerung verwendet wird. Keine Rolle spielen in diesem Zusammenhang hingegen legale Medikamente, die sich zur Leistungsförderung oder zur Beruhigung einsetzen lassen.

Auch Hormonpräparate zum Muskelaufbau scheinen bei Frankfurter Schülern nicht hoch im Kurs zu stehen. Nur 4 Prozent der Befragten haben solche Präparate schon einmal genommen. Und 6 Prozent der Befragten haben sich noch niemals in Versuchung führen lassen. Sie leben nämlich abstinent.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare