Bedrohlicher Trend - auch in Rhein-Main

Alle vier Minuten wird eingebrochen

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Offenbach - Eine erschreckende Entwicklung: Mehr als 144 000 Mal wurde nach Medienangaben 2012 in Deutschland eingebrochen - fast alle vier Minuten. Das ist ein Plus von 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Immer öfter schlagen die Täter tagsüber zu.

Auch die Schadenssumme steigt. Die meisten Täter werden nicht gefasst.

Der Trend wird auch durch die rasant steigenden Fallzahlen im Rhein-Main-Gebiet bestätigt. So hat die Polizei für Offenbach im Jahr 2012 ein sattes Plus von 22,4 Prozent registriert. Einen ebenfalls deutlichen Anstieg zeigt die Entwicklung im Jahresvergleich im Kreis Offenbach. Dort stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche von 802 registrierten Taten um 122 Fälle (ein Plus von 15,2 Prozent) auf 924. Die Ermittler konnten im Kreis nur 31,6 Prozent der Taten klären. Unerfreulich auch die Zahlen aus der Stadt Hanau: Es gab eine Steigerung um 15,5 Prozent.

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Opferschützer rufen Politik und Wirtschaft jetzt zu mehr Vorbeugung gegen Kriminalität auf. „Die psychischen Folgen von Wohnungseinbrüchen werden total unterschätzt“, sagte Weißer-Ring-Sprecher Veit Schiemann. „Viele Bestohlene verlieren das Vertrauen in ihre Wohnung. Oft haben sie auch Angst, dass der Einbrecher wiederkommt oder jemanden schickt. Die Folgen können von Schlafstörungen bis zu schweren Traumata reichen.“

Schiemann forderte Politik und Wirtschaft auf, mehr für Vorbeugung zu tun: „In Deutschland wird nicht mal ein Euro pro Bürger und Jahr für die Prävention vor Kriminalität ausgegeben.“ Anbieter von Sicherheitstechnik könnten über günstigere Angebote nachdenken. „Die Wohnungen in Deutschland sind nicht gut gesichert“, sagte der Sprecher. Dabei sei die polizeiliche Beratung dafür kostenlos. Schiemann riet Wohnungsinhabern, ihre Wertgegenstände für den Fall der Fälle zu fotografieren und schriftlich aufzulisten. Empfehlenswert sei auch, eine unsichtbare Sicherheitspaste aufzutragen. „Die hat eine DNA zum Identifizieren der Gegenstände“, erklärte der Sprecher des Weißen Rings.

„Die neuesten Zahlen sind alarmierend. Die Kosten für Einbruchschäden haben mit rund 470 Millionen Euro einen neuen Rekord erreicht“, sagte der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg von Fürstenwerth, der „Welt am Sonntag“. Das seien 50 Millionen Euro oder zwölf Prozent mehr als 2011. Die Schadenssumme sei hoch, weil sich „in immer mehr Haushalten teure elektronische Geräte wie Laptops, Tablet-PCs und Smartphones befinden“. Im Schnitt liege die Schadenssumme bei 3300 Euro pro Einbruch (Vorjahr 3050 Euro).

Während die Aufklärungsquote bei der Gesamtkriminalität 54,4 Prozent (minus 0,3 Prozent) betrage, liege sie beim Wohnungseinbruch nur bei 15,7 Prozent (minus 0,5 Prozent), heißt es. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) bezeichnet Deutschland als „Eldorado für Einbrecher“.

psh/dpa

Quelle: op-online.de

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