An allen Ecken hakt es bei der Entsorgung

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Wachsendes Problem für Entsorger: Restmüll in der Gelben Tonne.

Offenbach - Für Burkhard Landers ist es eine klare Sache: „Alle bisherigen Versuche, Verbesserungen zu bewirken, haben keinen Erfolg gehabt“, klagt der Präsident des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). Von Peter Schulte-Holtey

Die ständigen Diskussionen, die ständigen Streitereien, die Unfähigkeit der Dualen Systeme, sich auf einheitliche Standards zu einigen, zeigen, dass das momentane System nicht reformfähig ist.“ Landers will einen Schlussstrich und spricht das aus, was hinter vorgehaltener Hand von vielen Abfall-Experten gefordert wird: „Die Beteiligten sollten jetzt den Mut für einen ernsthaften Neuanfang aufbringen, der die Verpackungsentsorgung in Deutschland neu strukturiert und eine faire und dauerhafte Arbeitsbasis für alle Wirtschaftsbeteiligte ermöglicht.“

Was beim Umgang mit Müll noch immer schief läuft:

  • Gelbe Tonne/Gelber Sack:

Bürger tricksen sich selbst aus

Auf den ersten Blick scheint es für viele ein prima Geschäft zu sein: Einfach mehr Restmüll in den Gelben Sack werfen - und dann geschwind eine kleinere, kostengünstigere Mülltonne bestellen. Ein zweifelhafter Entsorgungsweg, den vor allem Müllverwerter in Großstädten zu spüren bekommen. Denn der Schuss kann schnell nach hinten losgehen. Wenn die Müllverbrennungsanlagen nicht ausreichend ausgelastet sind, können Gebühren nämlich alsbald steigen. Auch bei der Rhein-Main-Abfall-Gesellschaft mit Sitz in Offenbach wird bereits auf Fixkosten für die Verbrennungsöfen im Rahmen langfristiger Verträge hingewiesen.

Bei der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO spricht man beim Thema „Richtig trennen“ ebenfalls von einer „Herausforderung“. „Wo getrennt wird, kommt es auch mal zu Fehlbefüllungen. Häufig sind Defizite durch eine gesunde Abfallberatung schnell beseitigt. Schwierig wird es bei Fehlbefüllungen durch Dritte, da es meist schwierig ist, den Verursacher zu ermitteln“, berichtet ESO-Sprecher Oliver Gaksch.

  • „Verschwundener“ Müll entzweit

die Recyclingwirtschaft

Industrie und Handel sind gesetzlich dazu verpflichtet, Verpackungsmüll wie Tetra-Paks oder Konservendosen bei einem der neun Dualen Systeme anzumelden und damit für die Entsorgung und Wiederaufbereitung zu bezahlen. Richtig sauer ist man bei der Grüner-Punkt-Firma Duales System Deutschland (DSD): Trotz gestiegener Lizenzmenge sei immer noch nur etwa die Hälfte der im Gelben Sack eingesammelten Verpackungen bei einem dualen System angemeldet. Durch Tricksereien würden große Mengen aus dem Markt verschwinden, aber nicht aus der Gelben Tonne. Das passiere zum Beispiel, indem Verkaufsverpackungen zu nicht systempflichtigen Transport- oder Exportverpackungen umdeklariert werden. Ohne entsprechende Gegenfinanzierung müsse der Müll dann von den korrekt arbeitenden Unternehmen entsorgt werden.

  • Wenn niemand die „Schwarzen

Schafe“ in der Industrie bestraft

Mit der 5. Novelle der Verpackungsverordnung sollte alles besser werden. Seit etwa einem Jahr müssen Unternehmen, die Verkaufsverpackungen einsetzen, jährlich zum 1. Mai bei den örtlich zuständigen Industrie- und Handelskammern sogenannte Vollständigkeitserklärungen hinterlegen. Nach Meinung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat die Verordnung die Bewährungsprobe aber nicht bestanden: „Sie ermöglicht unkontrollierte Stoffströme und öffnet Schlupflöcher für kreative Falschdeklarierungen. Eine Kontrolle findet, in aller Regel, nicht statt.“ DUH-Experten stellen fest: „Die Prüfer garantieren zwar, dass die vom Hersteller gelieferten Daten formal richtig in das vorgesehene elektronische Formular eingetragen wurden - ob die Angaben über die in Verkehr gebrachten Verpackungsmengen auch mit der Realität übereinstimmen, wird aber im Wesentlichen nicht überprüft.“

Quelle: op-online.de

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