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Alles auf Knopfdruck

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Ob Kaugummis, Kunst, Gold oder Schuhe - alles gibt es aus dem Automaten.

Frankfurt - Der Zigarettenautomat versorgt Nikotinabhängige selbst um halb vier morgens mit Nachschub. Studenten, denen die Kommilitonen in der Uni-Bibliothek zu laut sind, retten sich mit einem Gang zum Ohropax-Automaten. Es gibt nichts, wofür es keinen Automaten gibt. Von Katharina Hempel und Angelika Pöppel

Süßigkeiten, Geld, Kondome, Kaffee, Tampons oder Briefmarken. Gegen jeden Mangel scheint eine Maschine gewachsen

Das Prinzip ist einfach und immer das gleiche: Wer etwas hineinsteckt – egal ob Münzen oder Kreditkarte – bekommt etwas heraus. Der Klassiker in dieser Tauschwelt ist und bleibt der Kaugummiautomat. Auf dem Schulweg kam man früher mindestens an einem dieser meist roten Metallkästen vorbei: Leicht angerostet, mit angekokeltem Sichtfenster hingen sie etwa einen halben Meter über dem Boden, an Gartenzäunen oder neben einer Bushaltestelle. Für ein paar Pfennig spuckten sie Kaugummis, Ringe oder kleine Spielsachen aus.

Woher kommen die ganzen Automaten?

In seinem Metallpanzer trotzt der Kaugummiautomat der Zeit. Selbst die Euroumstellung hat er überstanden. In der Erinnerung der Schulkinder von damals mag er vielleicht so verblasst sein wie sein roter Anstrich, tatsächlich hängen aber noch erstaunlich viele seiner Art an Hauswänden und Mauern. Die exakte Zahl bleibt jedoch rätselhaft: „Das ist eines der großen Geheimnisse unserer Zeit. Keiner weiß, woher sie kommen, oder wie viele genau es davon gibt“, sagt Thomas Witt, Geschäftsführer des Bundesverbands der Warenautomatenaufsteller.

Einer derjenigen, die Offenbach mit den bunten Kugeln aus dem Automaten versorgen, ist der selbsternannte Kaugummimann Heiko Schütz. Seit 2007 ist er in der Branche. Doch auch er möchte das Geheimnis um die Zahl der Kaugummiautomaten nicht lüften. Konkurrenten hätten es sonst leicht, seinen Marktwert zu schätzen. Immerhin lässt er sich etwas entlocken: „In Hessen, dem südlichen Niedersachsen und dem nördlichen Bayern habe ich um die 2000 Automaten stehen.“ Beim Umsatz der kleinen Kästen bleibt er ebenfalls vage: „In der Branche spricht man von einem durchschnittlichen Umsatz von vier Euro im Monat. An Schulen und Bushaltestellen ist er auch größer.“

Alle drei bis vier Monate fährt der Kaugummimann seine Automaten an, um sie mit neuem Inhalt zu versorgen. „Ich befülle sie überwiegend mit Kaugummis, aber auch mit Kleinspielzeug, darunter Ringe für 20 Cent“, erklärt er. Dass die Kaugummiautomaten vom Aussterben bedroht sind, verneint Heiko Schütz: „Die sind durchaus noch beliebt. Ich kann von keinen Negativtrends berichten.“

PC-Ersatzteile aus dem Gearomat

Vandalen fallen die Metallkästen an Mauern und Wänden auch eher selten zum Opfer. „Am häufigsten werden uns die Füllgläser durch Feuerzeuge angeschmort. Ansonsten ist Vandalismus aber ein nicht allzu großes Problem. Der Schaden wird schmerzlich, wenn ich dafür eine extralange Strecke in Kauf nehmen muss“, sagt Heiko Schütz. Im Jahr verfahren er und sein Angestellter etwa 100.000 Kilometer.

Ist die kaubare Kugel in den Schacht gekullert, im Mund verschwunden, hat der Automat seine Aufgabe erledigt. Inhalt mit länger anhaltender Wirkung hält der „Gearomat“ von Flexoptix, einem Dietzenbacher Startup-Unternehmen, parat. Hinter seinem Schaufenster warten für Computer lebenswichtige Kabel und Schrauben auf ihren Einsatz. Informatiker können damit selbst mitten in der Nacht ihre Rechner wieder zum Laufen bringen.

Bunte Hippie-Armbänder, Schals, Broschen aus Holz oder Schmuck aus Papier konnten sich Frankfurter im letzten Jahr aus dem Kunstautomaten am Hauptbahnhof ziehen. Die Erfinderinnen und Designstudentinnen Nicola Lieke und Luisa Jablonski aus München fütterten ihren Nic&Lu-Automat mit limitierten Kunstwerken im Taschenformat. Die Rettung für Damen, die die Nacht tapfer in Highheels durchtanzen, ist der Ballerina -Automat. Wenn die Füße schmerzen, sorgen die Schlappen für neun Euro in lila, gold, silber und schwarz für Abhilfe. Die Automaten der Münchener Studentin Isabella Fendt stehen in den Frankfurter Clubs „Velvet“, „Living XXL“ und „U60311“.

Pizza auf Knopfdruck

Und damit Nachtschwärmer auch kulinarisch bedient werden, steht in der B-Ebene des Frankfurter Hauptbahnhofes seit kurzem der „Pizzomatic“. Laut Aufschrift bereitet er eine „heiße, knusprige Pizza auf Knopfdruck“ zu, die zuvor „im Steinofen vorgebacken” wurde. 4,30 Euro kostet eine Margherita, 4,50 Euro eine Pizza Salami.

Doch es geht noch kurioser: Echtes Gold spuckt der Automat der Firma TG Gold auf Knopfdruck aus. Getestet wurde der glänzende Kasten am Frankfurter Flughafen und am Hauptbahnhof. Für 31 Euro bekommt man ein Gramm Gold – da kann keine Kaugummikugel mehr mithalten.

Quelle: op-online.de

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