Bei Allessa fallen viele Arbeitsplätze weg

Investor hat den Rotstift angesetzt

Frankfurt - Wieder hat es ein Traditionsunternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet getroffen: Die Mitarbeiter des Frankfurter Chemieunternehmens Allessa haben die schlimme Nachricht nun kurz vor dem Weihnachtsfest erhalten. Von Marc Kuhn 

Mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze bei der Firma werden abgebaut, wie ein Allessa-Sprecher gestern unserer Zeitung bestätigte. Noch im September malten die Manager ein positives Bild. Damals verkaufte die Cassella GmbH ihr Tochterunternehmen Allessa mit Standorten in Fechenheim, Griesheim und Höchst an die International Chemical Investors Gruppe (ICIG), eine Beteiligungsgruppe, die sich auf den Kauf von Firmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie konzentriert. Allessa sollte mit der ICIG-Tochter Weylchem, die Anlagen in Griesheim und Höchst besitzt, kooperieren. Beide Unternehmen gehen auf die Hoechst AG zurück. Der einst weltweit größte Chemie- und Pharmakonzern war in den 90er-Jahren zerschlagen worden.

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„Es wächst nun zusammen, was zusammengehört“ erklärte Karl-Gerhard Seifert, Geschäftsführer der Cassella GmbH, im September. „Mit der Zerschlagung des Hoechst-Konzerns sind im Rhein-Main-Gebiet viele Synergien zwischen den Standorten und innerhalb der Standorte zerstört worden, die nun wieder genutzt werden können.“ Seifert, der 1996 im Vorstand von Hoechst saß, lehnte die Strategie des damaligen Konzernchefs Jürgen Dormann stets ab. Schließlich kaufte Seifert gemeinsam mit ehemaligen Hoechstern 2001 Allessa vom schweizerischen Chemiekonzern Clariant. Die Konkurrenz aus China und die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge vom 11. September machten dem Unternehmen dann zu schaffen. 2008/2009 traf die Rezession die Chemiefirma. Die Zahl der Mitarbeiter ist im Laufe der Jahre kontinuierlich gesunken. 2001 waren es noch 1 400. Betriebe in Offenbach wurden geschlossen.

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Schließlich trennte sich Seifert von Allessa. Die neuen Eigentümer zeigten sich zunächst optimistisch: Mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro gehöre die Weylchem-Allessa-Gruppe künftig zu den „größten und leistungsfähigsten Anbietern von Feinchemikalien und Auftragssynthesen weltweit“, berichtete ICIG-Geschäftsführer Achim Riemann. Jetzt scheint die Realität das Management eingeholt zu haben. Für den Jobabbau machte der Allessa-Sprecher die wirtschaftliche Situation der Firma verantwortlich.

Quelle: op-online.de

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