Altbewährt und doch immer wieder neu

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Überflieger: Der russische Strapaten-Künstler Sergey Akimov.

Frankfurt Im falschen Film zu sitzen, kann eine recht peinsame Angelegenheit sein. Alexey Mironov hat sich sogar noch grundlegender geirrt und ist in einer Oper gelandet, die ihm überhaupt nicht gefällt. Von Christian Riethmüller

Sein offensichtliches Missbehagen am Gekreische der Diva lässt sich wunderbar an seiner Gestik und Mimik studieren, auf die auch Filmstar Jim Carrey stolz sein könnte. Doch während Mironov leidet, amüsieren sich seine Beobachter ganz köstlich. Das ist selbstverständlich ganz im Interesse des Comedy-Mimen aus Moskau, schließlich will er das Publikum im Tigerpalast unterhalten.

Mironov ist einer von drei russischen Varieté- und Zirkusstars, die in dieser soeben gestarteten Saison erstmals ihre Visitenkarte in Frankfurts Varieté-Institution abgeben. Die hohe Qualität, die Mironov, der famose Handstandartist Roman Khapersky und der durch die Lüfte schwebende Strapaten-Künstler Sergey Akimov bieten, beweist einmal mehr Tigerpalast-Direktorin Margareta Dillingers geschicktes Händchen für außergewöhnliche Artisten. Diese verleihen dem Unterhaltungstempel in der Heiligkreuzgasse, der mit dieser Spielzeit seines 25-jähriges Bestehen feiert, Frische und bieten den Reiz des Neuen.

Aber auch das Wiedersehen mit altbewährten Kräften ist verlockend, wie etwa der Auftritt der unverwüstlichen und alterslosen Tänzerin Nathalie Enterline zeigt, deren Pirouetten und akzentuierte Choeografie, dargeboten im roten Hosenanzug und mir rotem Hut, längst zu einem Markenzeichen des Tigerpalasts geworden sind. Auch die halsbrecherische Rollschuhakrobatik des italienischen Duos „Die Giurintanos“ oder die zungenbrecherische Wortakrobatik von Conferencier Markus Jeroch sind bekannt, doch stets aufs Neue sehens- und hörenswert. Dies gilt auch für die Nummer des holländisch-französischen Paars Menno & Emily, die Tempojonglage und Tango zu einer faszinierenden Einheit fügen.

Julia und Ele Janke haben ihre Karriere vor einigen Jahren im Tigerpalast begonnen, bevor die als Duo Elja auftretenden Zwillinge aus der Wetterau mit ihrem beeindruckenden Trapez-Akt sogar vom Cirque du Soleil verpflichtet wurden. Nach einer Babypause (wie es sich für Zwillinge gehört wurden die Schwestern im Abstand weniger Wochen schwanger) sind sie nun zurück in Hessen und zurück am Trapez - eleganter und poetischer als je zuvor.

Weiterentwickelt hat sich auch der Berliner Jongleur Jochen Schell, der gleichfalls nun auf die Kraft der Poesie setzt und lieber minimalistisch auch nur mal einen Ring wie von Zauberhand rollen lässt als auf Geschwindigkeit und Masse aus zu sein.

Diese Darbietungen fügen sich zu einem kurzweiligen Programm, bei dem nie der Gedanke aufkommt im falschen Film zu sitzen. In der falschen Oper auch nicht.

Quelle: op-online.de

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