Wohnungsmangel in der Region

Alte bald ohne Dach überm Kopf

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Der pflegebedürftige Senior Otto Zacher in seiner Wohngemeinschaft in Münster. Für Senioren mit Bewegungseinschränkungen wird es eng auf dem bundesdeutschen Wohnungsmarkt. Betroffen ist auch die Region Offenbach.

Offenbach - Schlechte Aussichten für Senioren auf dem Wohnungsmarkt: In Offenbach werden in den kommenden Jahren 3140 altengerechte Wohnungen fehlen.

Ähnlich groß ist die Mangel-Quote in weiteren Bereichen der Region: Im Main-Kinzig-Kreis beträgt sie rund 12.900 Wohnungen, im Kreis Darmstadt-Dieburg sind es 7670, im Kreis Offenbach 9540. Das Dilemma offenbart sich in der Studie „Wohnen 65plus“, die das Regionaldaten-Institut Pestel gemacht hat. Die Wissenschaftler geben darin erstmals auf der Grundlage der neuen Zensus-Zahlen eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung.

Demnach werden im Jahr 2035 in Offenbach 23 440 Menschen älter als 65 Jahre sein - 18 Prozent mehr als heute. Im Main-Kinzig-Kreis sind es 116.290 Menschen - 44 Prozent mehr als heute. Im Kreis Darmstadt-Dieburg sind es 82.970 - eine Zunahme um 53 Prozent; im Kreis Offenbach 89.710 - ein Plus von 34 Prozent. „Mit der starken Zunahme Älterer wird auch die Zahl der Pflegebedürftigen rasant wachsen“, sagt Pestel-Studienleiter Matthias Günther. Die Prognose für Offenbach gehe von rund 3570 Pflegebedürftigen im Jahr 2035 aus. Die weiteren Zahlen: Main-Kinzig-Kreis: 19.570; Kreis Darmstadt-Dieburg: 10.840 und Kreis Offenbach: 12.500.

„Bei dieser Entwicklung wird es höchste Zeit, barrierearme Wohnungen für Senioren zu schaffen. Ziel muss es sein, die älteren Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu lassen. Auch dann noch, wenn sie dort ambulant gepflegt werden müssen. Die Alternative ist der Umzug ins Pflegeheim. Genau das wollen viele Ältere aber nicht“, sagt Matthias Günther. Zudem führe die stationäre Pflege im Heim zu enormen Mehrkosten.

Ein Pflegeplatz im Heim koste - im Vergleich zur ambulanten Pflege zu Hause - pro Jahr rund 7200 Euro mehr. Verglichen mit dem Aufwand, der notwendig sei, um eine Wohnung altersgerecht zu sanieren, gehe die Rechnung schnell auf. Jedenfalls die, die das Bundesbauministerium ganz offiziell aufmacht: „Demnach kostet der Umbau einer barrierearmen Wohnung durchschnittlich 15 600 Euro. Rein wirtschaftlich betrachtet, lohnt es sich also, in das altersgerechte Bauen und Sanieren zu investieren“, sagt Günther. Schon mit der Einsparung der Extrakosten für die Heimpflege lasse sich eine seniorengerechte Wohnungssanierung in gut zwei Jahren finanzieren.

Zensus 2011 - das sind die wichtigsten Ergebnisse

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Insgesamt müssen in Offenbach demnach 48,9 Millionen Euro in das altersgerechte Bauen investiert werden (Main-Kinzig-Kreis: 201,3 Millionen Euro; Kreis Darmstadt-Dieburg: 119,6 Millionen Euro und Kreis Offenbach: 148,8 Millionen Euro). So könnte es nach Angaben des Pestel-Instituts gelingen, die zusätzlichen Senioren-Wohnungen zu schaffen. Dies funktioniere jedoch nur dann, wenn es hierfür finanzielle Anreize gebe: „Es ist dringend notwendig, den Neubau und das Sanieren von altersgerechten Wohnungen stärker zu fördern“, sagt Matthias Günther. Insbesondere der Bund sei hier gefordert. Die Politik müsse dabei - neben zinsverbilligten Krediten bei der Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) - verstärkt auch auf direkte Bau-Zuschüsse und die steuerliche Abschreibung setzen. „Denn ein Kredit mit 20 Jahren Laufzeit stößt bei einem Siebzigjährigen in der Regel nur auf wenig Interesse“, so Günther.

Die Studie zum Senioren-Wohnen hat das Verbändebündnis „Wohnen 65plus“ in Auftrag gegeben. Dazu gehören unter anderem: der Sozialverband VdK Deutschland, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Das Verbändebündnis wirft den Parteien vor, das drängende Thema „Wohnen im Alter“ zu vernachlässigen. Die Verbände appellieren an die Bundestagskandidaten aller Parteien, sich stärker um dieses Sozialthema zu kümmern. Das Rhein-Main-Gebiet dürfe nicht auf eine „graue Wohnungsnot“ zusteuern. „Die jetzige Bundesregierung hat sich vom altersgerechten Bauen und Sanieren verabschiedet und den KfW-Fördertopf von ursprünglich 100 Millionen Euro jährlich auf Null gesetzt“, so das Bündnis. Tatsächlich sei jedoch eine bundesweite Förderung von 540 Millionen Euro pro Jahr notwendig.

(psh)

Quelle: op-online.de

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